Mitten im Bombenhagel des Spanischen Bürgerkriegs schickte der Präsident der Zweiten Republik, Manuel Azaña, die kostbarsten Kunstwerke der Nation auf eine gefährliche Reise: 45 Velázquez, 138 Goyas und 43 El Grecos wurden im Mai 1937 aus dem Museum El Prado evakuiert, um eine Odysee anzutreten, die erst kurz vor Ende der Guerra Civil ein Ende finden sollte. Ein Buch und ein Dokumentarfilm erinnern in diesem Sommer an diese bisher wenig erforschte Episode der spanischen Geschichte. Der Historiker Arturo Colorado Castellary erzählt sie in 'Éxodo y Exlio del Arte' (Exodus und Exil der Kunst) nach und der Dokumentarfilmer Alfonso Arteseros hat sich mit Zeitzeugen auf die Reise der Gemälde begeben.
Bereits im Sommer 1936 musste die wichtigste spanische Pinakothek seine Tore dem Publikum schließen. Die ersten Bomben der Truppen des aufständischen General Francisco Franco waren schon auf Madrid niedergegangen, das Museum war ein zu gefährliches Ziel für Bomben, als dass noch Musuemsbesucher empfangen werden konnten. Die wichtigsten Werke wurden abgehängt, verpackt und vorerst im Keller gelagert. Doch als bereits im November 1936 die ersten Bomben den Prado trafen, entschied Präsident Azaña die Gemälde an einen sicheren Platz bringen zu lassen. Doch erst im Frühling 1937 war es schließlich soweit, die logistische Vorbereitung war schwieriger gewesen als angenommen. Die Kunstwerke sollten nach Valencia gebracht werden. Die Stadt war zu dem Zeitpunkt noch fest in der Hand der Republik. In Lastwagen, die nicht schneller als 15 Stundekilometer schafften, wurden die Kostbarkeiten in einer Nacht-und-Nebel-Aktion an die Levante-Küste gebracht. Zuvor hatte der Präsident selbst über die ordnungsgemäße Verpackung der alten Meister gewacht.
Zwischenstation Barcelona
Es dauerte nicht lange, da war ein zweites Exil der Bilder notwendig. Bereits im Dezember 1937 standen die Nationalisten vor Valencia. Der Kunstzug setzte sich erneut in Bewegung, dieses Mal mit Ziel Barcelona, der schon letzten Bastion der Republikaner. Auch dort hütete der Präsident der Republik die Gemälde wie seinen Aufapfel. «Jedes Mal, wenn ich Bomben hörte, verzweifelte ich. Ich fürchtete, mein Schicksal sei es, mitansehen zu müssen wie der Schatz Museum in einen Scheiterhaufen verwandelt würde. Das wäre mehr gewesen, als ich hätte ertragen können». schrieb Manuel Azaña Ende 1938 in sein Tagebuch. Die Repubik war zu diesem Zeitpunkt bereits verloren und mit ihr der sichere Platz für die Kunst. Die Bilder wurden erneut auf Reise geschickt. Dieses Mal ging es über Frankreich in die Schweiz nach Genf. Doch bereits am 7. September 1939 schickte die Schweiz auf Forderung des neuen spanischen Staatschefs Francisco Franco das spanische Kulturgut zurück nach Madrid. Seitdem haben die Bilder den Prado nicht mehr verlassen.
