Die Religion nennt es "Gott", die Wissenschaft "Unbewusstes"

Worte, Definitionen, Begrifflichkeiten - Foto: Gerd Altmann (pixelio)
Worte, Definitionen, Begrifflichkeiten - Foto: Gerd Altmann (pixelio)
Carl Gustav Jung formulierte einen doppelten Aspekt des Unbewussten und kam zu der Schlussfolgerung, dass es auch als "Gott" umgedeutet werden kann.

Begriffe wie „Kollektives Unbewusstsein“, „Komplex“, „Schatten“ und noch weitere mehr sind in den alltäglichen Sprachgebrauch eingegangen, stammen aber ursprünglich aus der umfangreichen Psychologie des Carl Gustav Jung.

Das Wesen des Unbewussten

Laut der jungschen Theorie wird der jeweils aktuelle Zustand des Unbewussten symbolisch in Träumen dargestellt. Es kann also wie ein Subjekt selbst handeln und sich äußern. Es folgt einem Ziel oder hat ein Ziel, das dem Bewusstsein entgegengesetzt ist. Doch es ist nicht einfach nur Unbekannt, sondern es ist all das Seelische, das nicht ins Bewusstsein vordringt und somit unbekannt bleibt kann. "Denn", so C. G. Jung, „wenn es zum Bewusstsein käme, würde es sich in nichts von den uns bekannten psychischen Inhalten unterscheiden.“

Der doppelte Aspekt des Unbewussten

Was heißt das „Es würde sich in nichts von dem unterscheiden, was wir bereits kennen“? Diese Formulierung setzt also ein Bekanntsein voraus. Doch welches? Das des Leitfadens, an dem sich der Mensch entlang hangelt, ohne ihn wirklich zu sehen? Laut Jung ist das Unbewusste eine nicht bekannte Persönlichkeitsstruktur, die sich stetig und zielstrebig auf etwas hinbewegt, also eine Handlung vollführt. Im Bewusstsein ist es durchaus möglich diese Aktion des Unbekannten vom Prinzip her zu erkennen. Andererseits tritt noch eine weitere Eigenschaft des Bewusstseins zutage. Sie tritt ein, wenn eine Offenheit für einen Zustand der Ergriffenheit beziehungsweise der willenlosen Ergebenheit vorhanden ist. Diesen Zustand, bei dem es zu einer unwillkürlichen Berührung der beiden Bewusstseinsebenen kommt, hat Jung nach einem Begriff aus der Religionsphänomenologie „Numinosität“ genannt.

Gott versus Unbewusstsein

Das Unbewusstsein hat also zwei Eigenschaften, denn zum einen ist es gewissermaßen transparent, seine Inhalte sind prinzipiell zugänglich; und zum anderen ist es etwas überwältigend Ergreifendes. Durch diese Überlegungen kam C. G. Jung zu dem Schluss, dass das Unbewusste in Gott umgedeutet werden kann, der erlebbar und erfahrbar ist. Denn beide überwältigen sie den Menschen, sowohl das Unbewusste als auch Gott. Doch Jung erkennt auch an, dass es zwischen diesen beiden Komponenten Unterschiede gibt, aber er ist der Auffassung, dass beides in den Zustand der religiösen Erfahrbarkeit führen kann. Beides führe sozusagen in das Numinose. Ein religiöser Mensch nenne dieses Verborgene „Gott“, so C. G. Jung, ein Wissenschaftler hingegen „das Unbewusste“. Darauf basiert auch seine Tiefenpsychologie. Sie ist eine ständige Kommunikation zwischen dem menschlichen Subjekt und dem Unbewussten beziehungsweise Gott. Dieser andauernde Dialog zwischen Mensch und Gott - oder dem Unbewussten - hat das Ziel, die Individualität des Einzelnen zu fördern, damit dieser Freiheit bekommt, seine Persönlichkeit zu entfalten.

Quellen und weiterführende Informationen:

  • von Werder, Lutz. Lehrbuch des Kreativen Schreibens. Marix Verlag GmbH. Wiesbaden 2007
  • Brumlik, Micha. C. G. Jung zur Einführung. Junius Verlag GmbH. Hamburg 2004.
Maria Vieira, Maria Vieira

Maria Vieira - Maria Vieira bietet seit 2007 einen Schreibdienst in Leipzig an. Zu ihrem Leistungsangebot gehört die Erstellung und das Lektorieren ...

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