Die Ritter von Nagel

Zur Ausbreitung eines westfälischen Adelsgeschlechts

Schloss Königsbrück, Stammsitz derer von Nagel - R. Sautmann, H. Büsemeyer
Schloss Königsbrück, Stammsitz derer von Nagel - R. Sautmann, H. Büsemeyer
Die weite Verbreitung der westfälischen Ritterfamilie von Nagel bis ins Rheinland und nach Geldern hinein wird in diesem Artikel vorgestellt.

Die Ritter von Nagel gehören historisch zum eingesessenen Ministerialenadel der Grafschaft Ravensberg. Wir finden sie im Mittelalter auf Schloss Königsbrück, hart an der Grenze zum Kirchspiel Borgholzhausen gelegen – allerdings noch auf Meller Gebiet, am Ufer der Warmenau. Von hier aus sollte sich die Familie seit dem 16. Jahrhundert weit verzweigen, bis in das Rheinland und in die Niederlande hinein.

Krieg um die Provinz Geldern

Mitte des 15. Jahrhunderts findet sich ein interessantes Detail aus der Geschichte der von Nagels: Ihr Lehnherr, der Herzog Gerhard von Berg, damals auch Graf von Ravensberg, führte Krieg um Geldern, um jene Provinz also, in die in späteren Jahren ein von Nagel ziehen und das dortige Adelsgeschlecht van Nagell begründen sollte. Um seinen Krieg führen zu können, musste sich der Herzog verschulden, unter anderem auch bei den Rittern von Nagel, die im Gegenzug Teile des Amtes Ravensberg, bestehend aus den Kirchspielen Borgholzhausen, Halle und Versmold, zum Pfand erhielten. Das Amt selbst war auf halbem Wege zwischen Bielefeld auf der einen und dem Bischofssitz Osnabrück auf der anderen Seite gelegen. Militärisch war es übrigens durchaus von Wert, denn bei Borgholzhausen führte ein Pass durch den Teutoburger Wald, der noch zum Kriegsende 1945 den Amerikanern als Heerweg dienen sollte.

Erwerb des Schlosses Ittlingen (Westfalen)

Bevor es die von Nagels allerdings ins Gelderland verschlagen sollte, erwarben sie dem weitläufigen Familienzweig noch einen anderen Sitz. An der Wende zum 16. Jahrhundert heiratete Hermann Nagel „zu Königsbrügge“ die Anna Schmiesing aus der Schmiesingschen Linie zu Ittlingen, nahe dem heutigen Ascheberg gelegen. Damit übernahm Hermann von Nagel das Schloss Ittlingen, das bis heute zu den Nagelschen Stammschlössern gehört.

Erwerb der Herrensitze in Ampsen (Provinz Geldern) und Vornholz bei Ennigerloh

1539 heiratete sein Sohn Joost von Nagel die Anna von Keppel, Erbin zu Ampsen in Geldern. So gelangten die von Nagels in die Niederlande, um hier für Jahrhunderte ansässig zu sein. Damit nicht genug, übernahmen die von Nagels auf Ittlingen in den folgenden Jahren noch weitere Anwesen. 1656 erwarb Dietrich Hermann von Nagel (Ittlingen) den Schlossbesitz Vornholz in Ennigerloh; die Linie nennt sich heute von Nagel-Doornick; dies begründet sich aus einer Eheschließung mit dem Hause Doornick im Jahre 1765.

Linie von Nagel auf Schloss Gartrop (Rheinprovinz) und im Gelderland

Die niederländischen van Nagells wiederum begründeten im frühen 19. Jahrhundert eine jüngere Linie in der Rheinprovinz - die Linie von Nagel auf Schloss Gartrop. Die Erinnerungen an diese Verbindung sind bis heute auf Schloß Ampsen wach geblieben. Mittlerweile residiert hier der „Jonkher von Weede“, ein Nachfahre derer van Nagells, die bis zum Jahre 1928 das Schloss bewohnten. Das Schloss ist inzwischen in mehrere Einheiten aufgeteilt und vermietet worden.

Dr. Richard Sautmann, Dr. Richard Sautmann

Richard Sautmann - Dr. Richard Sautmann, von Beruf Historiker und freiberuflicher Autor. Nach dem Magisterstudium an der Universität Oldenburg und ...

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