Die Anfänge von Rom verlieren sich im Dunkeln. Der berühmten Sage nach soll Romulus, nachdem er seinen Bruder getötet hatte, der erste König (lateinisch rex) der Sadt gewesen sein. Das Datum 753 v. Chr. ist demnach eine Zeitangabe mit legendärem, symbolischen Charakter. Archäologisch und historisch ist dieses Datum aus archaischer Zeit nicht greifbar. Rom hat sich schon vor dem 1. Jahrtausend vor Christus in der Früheisenzeit aus einem Zusammenschluss, aus einem Konglomerat von Hirtenvölkern als eine kleine Siedlung herausgebildet. Durch die Etablierung eines Königtums in der Folgezeit entwickelten sich organisierte und städtische Strukturen. Da aus dieser Zeit keine literarischen Überlieferungen stammen und sich archäologische Funde sehr begrenzen, muss man sich teils mit Legenden zufriedengeben.

Die sieben Könige Roms

Obwohl es fest steht, dass Rom in seiner Anfangszeit von Königen regiert worden war, kann man nur mutmaßen, ob es sie tatsächlich gab. Während die letzten drei Könige (sprich der fünfte, sechste und der siebte König) einigermaßen historisch fassbar sind, gehören die restlichen Herrscher sicherlich in den Bereich der Sage.

Der König wurde durch Götterwillen eingesetzt, das Amt war folglich nicht vererbbar. Die Priesterschaft und der Senat bestätigten sein Amt. Seine Aufgabe beinhaltete das vollkommene imperium (die oberste Befehlsgewalt) und auch das Auspicium (Deutung eines göttlichen Willens). Starb ein König, so wurde aus dem Senat ein sogenannter interrex ("Zwischenkönig") gewählt, bis die Götter einen neuen Regenten auserwählt hatten. Im Folgenden nun die angeblich sieben Könige Roms von 753-510/509 v. Chr (ohne interreges). Die Angabe in Klammer gibt die jeweile überlieferte Regierungszeit an:

  • Romulus (753-715 v. Chr.). Er schuf angeblich in der Bevölkerung drei Bezirke (tribus) mit jeweils zehn Unterabteilungen (lateinisch curiae,-arum).
  • Numa Pompilius (715-673 v. Chr.). Er war ein Sabiner und soll den "Adelsrat", den beratenden Senat, gegründet habe. Dieser bestand ursprünglich aus 100 Ältesten (lateinisch senex = der Alte). Zudem kümmerte er sich wohlwollend um Religionsangelegenheiten und um den ersten Festtagskalender.
  • Tullus Hostilius (673-641 v. Chr.) Der Latiner geriet in Konflikt mit einigen Nachbarvölker (Alba Longa oder mit der Etruskerstädten Veji und Fidenae).
  • Ancus Marcius (640-614 v. Chr.) eroberte als Sabiner umliegende Siedlungen und vergrößerte die Stadt Rom. Er gilt als erster pontifex maximus ("oberster Brückenbauer/Brückenmacher). Dies war das Amt des obersten Priesters, welches heute noch im Papst weiterlebt. Ob er auch die erste Tiberbrücke gebaut hat, ist ungewiss, liegt aber nahe.
Die folgenden und letzten drei Könige stammen aus dem Volk der Etrusker:

  • Tarquinius Priscus (614-579 v. Chr.). Als Zugewanderter ließ er sich durch einen göttlichen Willensakt zum König machen. Ein Adler hatte ihm nämlich seinen Hut genommen und wieder zurückgebracht, wodurch er Zugang zum königlichen Hof unter Marcius bekam.
  • Servius Tullius (579-534 v. Chr.) organisierte das Heer nach griechischem Vorbild neu (insbesondere führte er die Technik der Phalanx ein). Er ersetzte die curiae durch Zenturien (Hundertschaften, eine Einteilung der Volksversammlung in Vermögensklassen) und erbaute den aus dem 6. Jh. v. Chr. archäologisch nachweisbaren Tempel der Fortuna auf dem Forum Boarium (Rindermarktplatz). Die Servianische Stadtmauer um die sieben Hügel ist nach ihm benannt. Sie wurde aber wohl erst im 4. Jh. v. Chr. nach einem verheerenden Sturm der Gallier erbaut.
  • Tarquinius Superbus (534-510/509 v. Chr.) war der letzte König von Rom. Er wurde ohne göttlichen Willen und ohne Zustimmung des Senats und der Priesterschaft als Schwiegersohn des Servius in das Königsamt erhoben, nachdem jener ermordet wurde. Er missachtete die geltenden Regeln so sehr, dass er sogar Senatoren umbringen ließ. Der Mythos um die Vergewaltigung der Lucretia durch seinen Sohn Sextus bildet die Basis für die sagenhafte Gründung der Republik. Fest steht, dass eine Rebellion der Senatoren, ausgelöst durch eben jene Vergewaltigung, die Vertreibung der Familie der Tarquinier, angeführt von Lucius Brutus, und somit das Ende des Königtums und den Beginn der Republik mit sich führte. Die Macht ging auf zwei Konsulen über.
Die Königszeit war in der Folgezeit sehr verhasst und sie blieb stets in den Gemütern der Römer. So war dieser Gedanke bei der Ermordung von Caesar über mehr als 450 Jahre später in den Iden des März 44. v. Chr. noch präsent, als jener sich zuvor zum Diktator auf Lebenszeit ausriefen ließ.

Weiterführende Literatur:

  • H. Kinder/W. Hilgemann, DTV-Atlas zur Weltgeschichte, Band I, Von den Anfängen bis zur Französischen Revolution, München 1964.
  • J. Bleicken/W. Dahlheim/H.-J. Gehrke (Hg.), Alfred Heuss. Römische Geschichte, Paderborn 1998.