Die Rolle der Frau im alten Ägypten

Ehepaar mit ihren Enkeln - faszination- ägypten
Ehepaar mit ihren Enkeln - faszination- ägypten
Die Position der Frau im alten Ägypten war alles andere als rückständig. Frauen genossen damals dasselbe Ansehen wie Männer.

Frauen besaßen im alten Ägypten, anders als in vielen anderen Kulturen dieser Zeit, ein sehr hohes Ansehen, das dem der Männer gleichkam. Sie hatten im Leben dieselben Chancen wie Männer, sowohl privat, wie auch im Berufsleben. Obwohl doch die meisten von ihnen Hausfrauen waren (ein Beruf, der sehr hoch geachtet wurde), war dies nicht ihr einziges Ziel und ihre einzige Möglichkeit im Leben.

Liebe und Ehe

Mädchen heirateten im alten Ägypten sehr jung (12- 13 Jahre). Da die Lebenserwartung nicht sehr hoch war, ist dies durchaus verständlich. Heiraten aus Liebe waren häufiger als Zwangsehen, doch kamen auch letztere vor, je nach Autorität der Eltern.

Eine eigentliche Hochzeitszeremonie gab es nicht. Die Ehe wurde durch den Beischlaf und das Zusammenziehen vollzogen und nachher mit einem Bankett groß gefeiert. Es wurde ebenfalls ein Ehevertrag aufgesetzt, der die Frau finanziell absicherte, sollte ihr Mann sterben oder sie sich scheiden lassen.

Treue wurde im alten Ägypten nicht ganz so hoch bewertet wie in unserer Zeit. So war es für eine Frau kein Muss, bei der Heirat noch Jungfrau zu sein, wie dies in vielen anderen Kulturen Brauch war. Dennoch konnte Ehebruch damals sehr hart bestraft werden. Wenn die Frau untreu war, war dies moralisch sogar noch verwerflicher, denn wer garantierte dem Mann, dass es wirklich seine Kinder waren, die seine Frau zur Welt bringt? Doch wurde ebenso auch der Mann hart bestraft, genauso wie der Liebhaber/die Liebhaberin. Der Mann konnte zum Beispiel entmannt werden, sollte er eine Frau (keine Sklavin) vergewaltigt haben, und eine Frau konnte ohne jede finanzielle Entschädigung geschieden werden.

Schwangerschaft und Geburt

Kinder waren immer wichtig, da sie von der Kraft des Vaters und der Fruchtbarkeit der Mutter zeugte. In der Regel galt: Je mehr desto besser, da die Kindersterblichkeit sehr hoch war. Außerdem war mit einem Kind das ewige Leben gesichert, da dies nach dem Tod der Eltern ihrer gedenken und ihren Namen ehren/weitertragen konnte. Es gibt auch einige Beispiele von Adoption, doch ist nicht sicher, ob dies wirklich Brauch war.

Wenn Kinder einmal nicht erwünscht waren, gab es einige eher unzuverlässige Verhütungsmittel, wie Honig und Krokodilsdung.

Wie für alles andere gab es auch für die Niederkunft eine spezielle Zeremonie: Sobald die Wehen einsetzten, zogen sich die werdende Mutter und ihre Hebammen in eine eigens errichtete „Wochenlaube“ zurück, die meist im Garten stand und aus einem Mattendach und Papyrussäulen bestand. Die Frau musste sich auf zwei Ziegelsteine knien, die beide mit Zaubersprüchen bedeckt waren, um die Gunst der Götter für eine leichte Geburt und ein gesundes Kind zu erflehen. Ebenfalls wurden mit Gebeten die Göttinnen Isis und Hathor angerufen, damit sie die Geburt beschleunigten.

Nach der Geburt bekam das Kind Amulette umgehängt, um es vor all dem Unheil der Welt zu schützen. Nach der Geburt musste sich die Frau erst einem Reinigungsritual unterziehen, bevor sie wieder der Gemeinschaft angehören durfte.

Stillen tat eine Frau meist selber, aber war es bei den Oberschichtfrauen durchaus üblich, sich auch eine Amme zu nehmen, die entweder genug Milch für zwei Kinder hatte oder deren eigenes Kind gestorben war. Die Mutter stillte meistens drei Jahre, da dies ein wirksames Mittel war, das Risiko einer Schwangerschaft zu verringern.

Die Rolle im Haus

"So gehen in Ägypten die Frauen auf den Markt und treiben Handel, und die Männer sitzen zu Hause und weben.", wie Herodot entsetzt feststellte.

Dieses Zitat beschreibt die Rolle der Frau sehr gut, war sie doch mit dem Mann zu Hause wie vor Gericht, gleich gestellt. Sie durfte eigene Entscheidungen fällen, Besitz haben und sich scheiden lassen.

In hohen Positionen findet man sie deshalb nur sehr selten, da Hausfrau damals genauso geachtet war wie z. B. Ärztin. Die Beaufsichtigung sowohl der Äcker und des Viehs, als auch die der Finanzen waren alles andere als leicht und sehr hoch geschätzt. Auch war es die Frau, die Bankette vorbereitete und organisierte.

Wenn sie sich scheiden lassen wollte, tat sie dies aus ähnlichen Gründen wie heute: Auseinanderleben, Untreue, neue Liebe.

Bei einer Scheidung musste der Man seiner Frau häufig das zurückzahlen, was sie in die Ehe an Wertgütern mitgebracht hatte und auch in Zukunft Unterhalt für sie und ihre gemeinsamen Kinder zahlen. Dies konnte ihn schon mal in den Ruin treiben, ebenso wie heute.

Zusammenfassend lässt sich sagen, dass die Rolle der Frau im alten Ägypten nicht zu gering eingeschätzt werden darf. Das alte Ägypten war in dieser, wie auch in vielen anderen Hinsichten, alles andere als barbarisch und rückständig. In vielen Dingen, wie etwa der Position der Frau, übertrifft das alte Ägypten sogar die moderne Zeit.

Quelle:

  • Jacq, Christian: Die Ägypterinnen. Eine Kulturgeschichte; Patmos 2002; ISBN: 3491690609
  • selket.de

Anna Waldenmair - Im Moment bin ich Studentin für Lehramt Englisch und Geschichte. ich schreibe schon seit einigen Jahren nebenbei Gedichte und ...

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