
- Die Romantiker fanden wahre Kunst in der Natur - Erich Werner
Romantikbegriff
Romantik ist der Begriff für eine bestimmte ästhetische Qualität und emotionale Auffassung der Kunst und Natur. Das Romantische meint das Wunderbare, Abenteuerliche, Sinnliche, die Abwendung von der modernen Zivilisation und die Hinwendung zur inneren und äußeren Natur des Menschen. Dabei orientiert man sich an vergangenen Gesellschaftsformen und Zeiten, wie die des Mittelalters. Sie kommt somit einer Weltanschauung gleich, welche sich gegen den Vernunftglauben der Aufklärung und das Nützlichkeitsdenken dieser Zeit absetzt.
Romantik in der Gesellschaft
Im Romantik-Handbuch von Helmut Schanze heißt es, im Zeitalter der Aufklärung sei es zu starken Rationalisierungsschüben in Kultur und Gesellschaft gekommen. Der Einzelne wurde aus den traditionell religiösen Bindungen entlassen und es entstand eine Eigenverantwortlichkeit unter den Menschen. Die junge Generation des 18. Jahrhundert erlebte somit ein Gefühl der Befreiung, aber auch von Leere, Überdruss und Langeweile. Aus Sicht der Romantiker wurde die uniformierte, mechanisierte Gesellschaft dieser Zeit von einer wunderlosen Monotonie beherrscht.
Die Französische Revolution und die Romantik
Die 1789 beginnende Französische Revolution wird von einer Frühphase der Industrialisierung und von einer grundlegenden Neuordnung der staatlichen und sozialen Wirklichkeit begleitet. Die Romantik entwickelte sich aus einem trotz allem Fortschritts empfundenen Gefühl des Mangels. Durch die beginnende Industrialisierung werden Mensch und Natur im Zeitalter der Aufklärung zunehmend in ihrem ökonomischen Nutzwert gesehen. Alles wird auf Nützlichkeit und Verwertbarkeit untersucht. Die Romantiker waren der Ansicht, die angestrebte Selbstverwirklichung des Individuums wäre in dieser Gesellschaft nicht mehr möglich und etablierte sich zusehends zu gesellschaftlichen Außenseitern. Die neue Maschinenwelt führte zur Verstädterung und Landflucht. Das von den Romantikern verehrte Naturidyll verschwand zusehends. Die spätere Romantik wandte sich gegen die Auswirkungen der Französischen Revolution und gegen die sich abzeichnende Modernisierung der Gesellschaft, da sie den angestrebten Individualismus in einer von Rationalismus beherrschten Gesellschaft nicht zu erreichen sahen.
Romantische Kunst
Die Romantiker wollten die von der Aufklärung zelebrierte Vernunft aufheben und somit in die Ursprünglichkeit des menschlichen Wesens zurückfinden. Dies zu ermöglichen, war die Aufgabe der romantischen Kunst. In diesem Zusammenhang äußert Friedrich Schlegel, dass es die Aufgabe der Poesie sei „den Gang und die Gesetze der vernünftig denkenden Vernunft aufzuheben und uns wieder in die schöne Verwirrung der Phantasie, in das ursprüngliche Chaos der menschlichen Natur zu versetzen."
Quellen:
Beutin, Wolfgang: Deutsche Literaturgeschichte. Von den Anfängen bis zur Gegenwart. 6. Auflage. Stuttgart: Metzler2001. S. 202.
Brenner, Peter J.: Neue deutsche Literaturgeschichte. Vom „Ackermann" zu Günter Grass. 2. Auflage. Tübingen: Niemeyer 2004.S.120.
Martini, Fritz. Neue deutsche Literaturgeschichte. Von den Anfängen bis zur Gegenwart.19. Auflage. Stuttgart: Kröner 1991. S.319.
Romantik-Handbuch. Hrsg. von Helmut Schanze. 2. Auflage. Stuttgart: Kröner 2003. S. 511
Ueding, Gert: Klassik und Romantik. Deutsche Literatur im Zeitalter der Französischen Revolution 1789 - 1815.München u.a.: Hanser 1987. S. 99
Akademie der Marienberger Seminare: Romantik. http://www.marienberger-akademie.de/el/bs/22tAL3smpSi2/d1LgkAFni9/19CyoZvnw8/xD7C81Bt9G/bqfGk4wfxj/im2CvCfmuR/Lektion%2022.pdf (17.09.2009)S.1
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