Die Rotbuche

Namensgeber für einen ganzen Biotoptyp

Verschiedene Pflanzenteile von der Buche - Franz Eugen Köhler, in Köhler's Medizinal-Pflanzen
Verschiedene Pflanzenteile von der Buche - Franz Eugen Köhler, in Köhler's Medizinal-Pflanzen
Die Rotbuche ist von Natur aus der häufigste Baum in unserem Land und der Buchenmischwald die natürliche Vegetationsform.

Die Rotbuche ist auch in Zeiten der konventionellen Forstwirtschaft nie verschwunden, obwohl die Fichtenmonokultur die Lieblingssünde der Forstwirte bis in das späte 20. Jahrhundert war und es stellenweise immer noch ist. Auch sie wurde in Monokulturen angebaut; jedoch wirkten diese lange nicht so unschön wie Fichtenmonokulturen.

Die „bessere“ Monokultur

Dass Buchenmonokulturen ökologisch nicht so schlimm sind wie Fichtenmonokulturen, hat vor allem zwei Gründe: Zum einen herrscht die Buche auch in unserer natürlichen Vegetationsform, dem Buchenmischwald, vor und zum anderen ist ihre Krone weder so lichtundurchlässig wie die der Fichte noch ist sie das ganze Jahr belaubt. Das lässt den Pflanzen unterhalb des Kronendaches, vor allem auch denen am Boden, einige Chancen.

Darüber hinaus verrottet Buchenlaub wesentlich leichter als Fichtennadeln. In einem Buchenwald findet man daher eine Krautschicht und einen einigermaßen natürlichen Waldboden mit einer funktionierenden Humusschicht und auch Vegetation am Boden. Allerdings gilt auch in den Buchenschlägen der konventionellen Forstwirtschaft das Prinzip des Altersklassenwaldes: Die Bäume werden gemeinsam gepflanzt, werden gemeinsam hiebreif und gemeinsam in Form eines Kahlschlages gefällt. Das ist umso bedauerlicher, da der Buchenwald im Gegensatz zur Fichtenwüste tatsächlich so etwas wie ein Ökosystem darstellt, das mit dem Abtreiben der Fläche natürlich komplett zerstört wird.

Rotbuchen werden sehr oft nicht als reine Monokultur angebaut. Der Förster pflanzt sie als herrschende Baumart und gibt ihr die Weißbuche oder Hainbuche als dienende Baumart bei. Sie drückt als Konkurrent um das Licht die Rotbuche in die Höhe, kann sie aber nicht dominieren, da sie lange nicht so hoch wird wie diese. Die Weißbuche kann auf den Standorten der Rotbuche ebenfalls gedeihen, ist aber keine Buche, sondern mit den Birken verwandt. Ihr Name ist auf ihr Aussehen zurückzuführen, welches dem der Rotbuche ähnelt.

Die Biologie der Buche

Die Rotbuche gehört zur Gattung der Buchen (fagus) aus der Familie der Buchengewächse (fagaceae), die in Mitteleuropa mit zwei Arten vertreten ist, der Rotbuche und der Orientbuche. Was bei uns im Wald wächst, sind Rotbuchen. Die Rotbuche ist eine sommergrüner Baum, der ein glatte, graue Rinde aufweist. Allenfalls im hohen Alter kann diese auch einmal borkig werden. Die Blätter sind ganzrandig, gekerbt oder gezähnt und sitzen wechselständig am Zweig.

Buchen sind monözisch, also einhäusig getrenntgeschlechtlich. Das bedeutet, dass es zwar männliche und weibliche Blüten gibt, diese aber an derselben Pflanze vorkommen. Die männlichen Blüten der Buche sind Kätzchen, die weiblichen sitzen in Dreiergruppen zusammen. Das ist der Grund dafür, dass die Früchte der Buche, die Bucheckern, immer zu dritt in einer Kapsel sitzen und dreieckig sind.

Die Buche kann in Einzelfällen bis zu 45 Meter hoch werden, normal sind etwa 30 Meter, die sie mit etwa 125 Jahren erreicht. Ihre normale Lebenszeit dauert etwa 300 Jahre, manchmal aber auch um einiges mehr. Die Umtriebszeit, also die Zeit, die man Bäume im Forst wachsen lässt, beträgt bei ihr 120 bis 140 Jahre.

Wirtschaftliche Bedeutung der Rotbuche

Buchenholz ist ein wertvolles Nutzholz. Es stellt ein hochwertiges Brennholz mit hohem Heizwert dar, welches sich leicht spalten lässt und ein schönes Flammenbild liefert. Auch als Werkstoff eignet sich Buchenholz hervorragend: Der von Natur aus nur leichte Rotton wird durch Dämpfen verstärkt, was gleichzeitig dem Holz die Neigung zu Verwerfung und Rissbildung nimmt.

Buchenholz ist kein wirklich edles Holz; dennoch ist beliebt und findet seine Anwendung vor allem auch bei Dingen die robust sein und gleichzeitig freundlich aussehen sollen. Typischerweise wird es etwa für Kindergartenmöbel und Holzspielzeug verwendet. Auch bei älteren, einfachen Büromöbeln findet man dieses Holz häufig.

Die Früchte der Buche, die Bucheckern sind bedingt essbar, jedoch schwach giftig. Sie enthalten das auch als Fagin bezeichnete Trimethylamin, welches bewirkt, dass beim Verzehr von größeren Mengen Durchfälle, Krämpfe und Lähmungen auftreten können. Aus Bucheckern kann man auch Speiseöl gewinnen, dieses soll frei von Fagin sein.

Volker Wollny, Journalist, Autor und Blogger, Saskia Wollny

Volker Wollny - Tätig als Publizist und Freier Dozent, abgeschlossenes Studium als Ingenieur für Produktionstechnik, Gesellenbriefe im ...

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