
- Kirstenbosch National Botanical Garden - Südafrika - Katrin Jahn
Unmittelbarer Anlass war das Bedürfnis von Friedrich August I. (der Starke), Kurfürst von Sachsen und König von Polen, die kurfürstliche Menagerie in Dresden weiter auszubauen. Für Kurfürst Karl Wilhelm von Baden-Durlach ging es um den Erwerb neuer Stücke für seine bereits umfangreiche Naturaliensammlung. Die Furcht vor Expansionsbestrebungen der Türken war ebenso ausschlaggebend wie das generelle Interesse der Zeitgenossen am Orient. Wissenschaftliche Forschung stand weit weniger im Vordergrund als der Wille zur herrschaftlichen Repräsentation. Man entschied sich für Afrika, da der Orient, speziell Ägypten, bereits ausreichend und prestigeträchtig von Joseph Pitton de Tournefort erforscht worden war.
Teilnehmer der Expedition
Als Leiter der Expedition fungierte Johann Ernst Hebenstreit, ein in den Naturwissenschaften bewanderter Mediziner aus Leipzig, der des Weiteren über die erforderlichen Sprachkenntnisse verfügte. Ihm zur Seite stand Christian Gottlieb Ludwig, der als Botaniker das Team ergänzte. Wie Hebenstreit interessierte auch Ludwig sich für die Geschichte, die Kultur und die Sprachen der zu bereisenden Gegenden. Beide waren bedeutende Gelehrte der Leipziger Universität, die bereits im frühen 18. Jahrhundert eine gewisse Tradition in der Beschäftigung mit dem Morgenland hatte. Während der gesamten Reise führte Ludwig ein sehr detailliertes Tagebuch, das leider bis heute unpubliziert verbleibt. Zeitweilig stieß der englische Forschungsreisende Thomas Shaw in Nordafrika zur Gruppe. Die Studenten Christian August Ebersbach, Zacharias Philipp Schultze und Johann Heinrich Buchner waren ebenso Expeditionsmitglieder wie der als Maler/Zeichner an Bord geholte Christian Friedrich Schubert (Schubart) und der Blumengärtner Christian Thran.
Die Reiseroute der sächsischen Afrikaexpedition
Die Reiseinstruktionen vom 19. Mai 1731 sahen als Ziele die „Barbarey“ (Maghreb), Guinea und das Kap der Guten Hoffnung vor. Die Aufgabe war der Erwerb von lebenden Tieren, das Führen von Tagebüchern sowie das Anfertigen von Zeichnungen und das Präparieren von Skeletten. Die Reise führte zunächst von Frankfurt nach Karlsruhe. Von dort ging es am 14. November 1731 über Straßburg, das Elsass, Basel, durch die Schweiz, über Lausanne und Genf nach Franreich (Lyon, Orange, Avignon, Marseille). Dort schiffte man sich ein in Richtung Algier, wo man am 16. Februar 1732 zum ersten Mal afrikanischen Boden betrat. Weiter reiste die Gruppe nach Tunis, Tripolis, Lepida (Leptis Magna) und über Malta zurück nach Tunis. Von dort aus machte man sich auf ins Landesinnere und erkundete Hamamet, Monastir, Sousse und Sfax sowie die Städte Kairouan und El Djem. Mit der Karawane ging es erneut an den Ausgangspunkt Tunis zurück. Dort erreichte sie die Nachricht vom Tod Augusts des Starken und die Aufforderung, in die Heimat zurückzukehren, da dessen Nachfolger zu einer Fortsetzung der Finanzierung nicht bereit war. Der ursprüngliche Plan hatte noch die afrikanische Westküste, den Senegal und das Kap der Guten Hoffnung vorgesehen. Danach wäre es Hebenstreit freigestellt gewesen, nach Gutdünken die weitere Reiseroute zu gestalten.
Nach der Expedition
In den Jahren und Jahrzehnten nach Ende der Expedition sind, abgesehen von Hebenstreits Oratio panegyrica von 1733, keine Berichte über den Verlauf oder die Ergebnisse veröffentlicht worden.
Die Ausbeute scheint, trotz Verlusten während des Transports, nicht gering gewesen zu sein. Allerdings sollen im Dresdner Maiaufstand von 1849 alle Stücke des Naturalienkabinetts sowie die während der Reise entstandenen Zeichnungen vollständig verbrannt worden sein.
