Die Sage von König Artus - Ursprung und Inhalt

Der Herrscher von Camelot und die Ritter der Tafelrunde

Reise in die Anderswelt. Die Kelten - Weltbild
Reise in die Anderswelt. Die Kelten - Weltbild
Jeder kennt sie: Lanzelot, Merlin, Camelot und das magische Schwert Excalibur. Die Sage von König Artus und den Rittern der Tafelrunde fasziniert noch heute Jung und Alt.

Die keltischen Mythen von Artus existierten zunächst als einzelne Erzählungen in frühmittelalterlichen Chroniken, der walisischen Mabinogion und bretonischen Heldenliedern. Der französische Autor Chrétien de Troyes – Begründer des höfischen Versromans – schuf im 12. Jahrhundert den ersten Artusroman. Dabei griff er auf den britischen Sagenkreis zurück, erweiterte den Stoff jedoch um den Ritter Lanzelot und die Suche nach dem Heiligen Gral. Die keltischen Krieger wurden in seiner Adaption zu christlichen Rittern, und bald war die Geschichte von König Artus in ganz Europa bekannt. Weitere Romane folgten und zahlreiche andere Sagen wurden mit der Figur des Artus in Verbindung gebracht – der König und seine Tafelrunde avancierten in ihrer Verkörperung ritterlicher Tugenden zu stilisierten Vorbildern des hochmittelalterlichen Ritterideals.

Auf der Suche nach dem historischen Artus

Immer wieder wurde versucht, den Artus der Sage an einer historischen Gestalt festzumachen. Dies gestaltet sich aufgrund der schlechten Quellenlage als schwierig: Die um 800 n. Chr. verfasste "Historia Brittonum" des Nennius und spätere Geschichtswerke müssen mit Skepsis betrachtet werden. Sie zeichnen die schemenhafte Gestalt eines keltischen Heerführers, der nach dem Rückzug der Römer um 400 n. Chr. gegen die Stämme der Pikten und Schotten sowie die einfallenden Angelsachsen kämpfte. So gestaltet sich die Suche nach dem historischen Artus mehr oder weniger als Glaubensfrage, in Betracht kommen mehrere Persönlichkeiten: Der römische Präfekt Lucius Artorius Castus, der im späten zweiten Jahrhundert lebte und den Hadrianswall verteidigte. Der römische Feldherr Magnus Maximus, der gegen Ende des vierten Jahrhunderts von Britannien aus nach Gallien einfiel und Anspruch auf die Kaiserkrone erhob. Und Ambrosius Aurelianus, ein wahrscheinlich britischer Befehlshaber in römischen Diensten, der ein paar Jahrzehnte darauf dem Ansturm der Sachsen entgegentrat.

Oder war es doch Riothamus? Dieser kämpfte Mitte des fünften Jahrhunderts mit britischen Truppen auf dem Festland und starb durch den Verrat eines Arvandus – Artus in frühen Sagenversionen durch Morvandus, aus dem in jüngeren Artussagen Mordred wird.

König Artus in der Historia Regum Britannia

In der Literatur taucht Artus erstmals um 1135 in der "Historia Regum Britannia" des englischen Gelehrten Geoffrey von Monmouth auf – die Chronik schildert in einem Potpourri aus vielen Mythen und einem Quäntchen Historie eine britische (Fantasy-)Geschichte, in deren Mittelpunkt das Leben von König Artus steht.

Uther, Merlin und Excalibur – Geburt und Krönung von Artus

König Uther Pendragon nimmt mithilfe des Zauberers Merlin die Gestalt von Herzog Gorlois von Cornwall an und erschleicht sich so eine Liebesnacht mit dessen Gemahlin Igraine. Als Lohn für seine Dienste verlangt Merlin das in jener Zusammenkunft gezeugte Kind. Während Uther in Igraines Armen weilt, wird der Herzog in einer Schlacht getötet. Der Schwindel fliegt auf und Uther heiratet die Witwe. Igraine gebärt einen Knaben – Artus. Merlin verschweigt dem Jungen seine wahre Herkunft, lässt ihn bei dem Ritter Ector aufwachsen und unterrichtet ihn. Uther stirbt ohne Nachfolger. Vor seinem Tod lässt er das Schwert Excalibur in einen Stein schmieden und eine Inschrift anbringen: Wer das Schwert ziehe, der sei der rechtmäßige König von England. Ein großes Turnier wird ausgerufen, doch vergebens – keinem der Ritter gelingt es, Excalibur auch nur zu bewegen. Erst der gerade zwölfjährige Artus, der als Knappe seinen Ziehbruders Kai begleitet, zieht das Schwert heraus und wird bald darauf zum König gekrönt. Er siegt in zahlreichen Schlachten und eint das Reich unter seiner Herrschaft. In der Burg Camelot gründet er die Tafelrunde, der nur die besten und edelsten Ritter beitreten dürfen.

Der Ehebruch von Ginevra mit Lancelot und Mordreds Verrat

Könug Artus heiratet die schöne Ginevra, die allerdings ein Verhältnis mit seinem ersten Ritter Lanzelot eingeht. Als dieses von dem machthungrigen Mordred aufgedeckt wird, ist Artus gezwungen seine Gemahlin zum Feuertod zu verurteilen. Lanzelot errettet sie vom Scheiterhaufen – dabei tötet er unabsichtlich den Ritter Gareth. Nun will Gawain Rache für seinen Bruder, woraufhin Artus in See sticht und die Flüchtigen auf das Festland verfolgt. Die Regierung überlässt er derweil Mordred – ein fataler Fehler. Denn kaum hat Artus Ginevra nach seiner Übereinkunft mit Lanzelot nach Hause geschickt, wird sie von Mordred entführt. Zugleich verkündet der Usurpator Gerüchte vom Tod des Königs. Artus kehrt heim und befreit Ginevra, die sich in ein Kloster zurückzieht. Bei Camlann stoßen die verfeindeten Heere aufeinander. Der Geist des von Lanzelot im Zweikampf getöteten Gawain rät Artus im Traum, auf Lanzelot und seine Verstärkung zu warten: Schließlich ist Artus Schar geschwächt, einige der stärksten Ritter befinden sich auf der Suche nach dem Heiligen Gral. Doch der Waffenstillstand wird gebrochen, als ein Ritter sein Schwert gegen eine Schlange zieht.

Tod von König Artus und letzte Reise nach Avalon

Ein grausames Gemetzel beginnt: Zwar tötet Artus seinen Widersacher Mordred, er wird dabei jedoch tödlich verwundet. Der sterbende König übergibt Excalibur seinem Getreuen Bedivere, um es in einem See zu versenken. Die Dame vom See – von der er es einst erhielt – nimmt das Zauberschwert wieder mit sich in die Tiefe. Auf der mystischen Insel Avalon findet der König seine letzte Ruhe. In einer anderen Version nimmt er die Gestalt eines Raben an oder überlebt, um in Notzeiten als Retter zurückzukehren.

Die Sage von König Artus und den Rittern der Tafelrunde in der Kunst

Der Stoff von Artus und seinen Getreuen durchlief im Folgenden eine wechselhafte eigene Geschichte. Nachdem das Interesse mit dem Niedergang des Rittertums und der rationalen Skepsis der Aufklärer gegenüber Mythen zunächst schwand, erlebte es mit der Romantik eine neue Blüte. Motive der Sage finden sich häufig in der abbildenden Kunst, berühmt geworden sind jedoch auch die Artusopern "Lohengrin", "Parsifal" und "Tristan und Isolde" von Richard Wagner. In neuerer Zeit entstanden einige Filme: Der mit Wagnerklängen unterlegte "Excalibur" (1981) von Regisseur John Boorman hält sich stark an den Sagenstoff und interpretiert diesen nicht zuletzt unter dem Gesichtspunkt eines Übergangs von der heidnischen hin zur christianisierten Welt, in der für Zauber kein Platz mehr ist. "King Arthur" (2004) von Antoine Fuqua orientiert sich dagegen stärker an der Historie und verlegt Artus und seine Ritter als römische Truppe Mitte des fünften Jahrhunderts an den Hadrianswall. Nicht zuletzt wird 2011 Excalibur als Rock-Oper aufgeführt.

Reise in die Anderswelt. Die Kelten. Weltbild Verlag 1997. Kartoniert, 144 Seiten.Gebraucht erhältlich.

Thomas Sedlmeyr, Thomas Sedlmeyr

Thomas Sedlmeyr - Studium der Deutschen Literaturwissenschaft, Geschichte und Ethnologie in Augsburg. Seit 2008 arbeite ich als freier Autor und ...

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