
- Hase-Bifurkation bei Melle-Gesmold - Sigrun Hopfensperger
Besucher des 111. Deutschen Wandertages in Melle werden sie sicherlich auf der einen oder anderen Wanderung gesehen haben, die Teilnehmer an der Marathon- und Halbmarathonwanderung auf jeden Fall: die Bifurkation der Hase bei Melle-Gesmold. Dabei bietet sich die Hase-Bifurkation nicht nur als signifikanter Start- bzw. Markierungspunkt für Langstreckenwanderungen an, sondern auch als äußerst seltene Natursehenswürdigkeit. Natürliche Bifurkationen gehören immerhin zu den geographischen Seltenheiten. Man findet solche natürlichen Flussgabelungen auch noch in Venezuela am Orinoco oder in der italienischen Toskana an der Chiana, um nur zwei von etwa elf bekannten Bifurkationen zu nennen.
Was ist eine echte Bifurkation?
Wirft man einen Blick ins Lexikon, wird der Begriff „Bifurkation“ als eine bei „flachen Wasserscheiden auftretende Erscheinung, dass ein Fluss verschiedenen Stromgebieten zufließt“ erklärt. In der Tat ist das Flussgebiet der Hase just an dieser Stelle in Melle-Gesmold sehr flach, so dass das Wasser Gelegenheit findet, zu einem Drittel abzuzweigen und als Else weiterzufließen, während zwei Drittel als Hase weiterhin ihrem Flusslauf folgen.
Die Hase-Bifurkation und ihre sagenhafte Ursache
Selbstverständlich gibt es geowissenschaftliche Erklärungen dafür, wie es zu Bifurkationen von Flüssen kommt. In Melle hält sich allerdings bis heute eine Sage, die eine zu Herzen rührende Erklärung für die Abzweigung der Else von der Hase liefert. Diese ist zu schön, als dass wissenschaftliche Erkenntnisse sie hätten ersetzen können. So hält sich allen geowissenschaftlichen Erkenntnissen zum Trotz die regional berühmte Sage von der Abtrennung der Else von der Hase bis heute und kann auch an einer Schautafel an der Bifurkationsstelle nachgelesen werden. Demnach soll ein junger Ritter von der Holter Burg in Bissendorf im Hasetal zur Jagd unterwegs gewesen sein, als er sich äußerst durstig an den Müller der Krusemühle wandte und ihn um etwas zu trinken bat. Der Müller schickte seine hübsche Tochter Else mit einem Krug Milch zu dem durstigen Jüngling, welcher sich sofort in sie verliebte. Da die Liebe auf den ersten Blick auf Gegenseitigkeit beruhte, verlobte sich Ritter Herwarth unmittelbar mit Else und steckte ihr einen Ring an den Finger als festes Treue- und Eheversprechen. Während der Müller sich über den zu erwartenden sozialen Aufstieg seiner schönen Tochter freute, waren auf der Burg nicht alle mit der Brautwahl des jungen Ritters glücklich. So stellte sich der Vater des verliebten Jünglings strikt gegen eine nicht standesgemäße Eheschließung mit einer Müllerstochter und versuchte seinen Sohn zur Lösung des Verlöbnisses zu bewegen. Als er bei dem verliebten Bräutigam keine Chance sah, das Eheversprechen zurückzunehmen, wandte sich der Sage nach der alte Ritter an die Braut Else. Als auch diese sich weigerte, ihrem Liebsten zu entsagen und den Verlobungsring zurückzugeben, tötete der alte Ritter die junge Müllerstochter und warf sie kurzerhand in die Hase. Über dieses Unrecht soll sich der Fluss dermaßen empört haben, dass er über die Ufer trat und an dieser Stelle abzweigte und der Weser entgegen floss. Dieser Teil des Flusses wurde fortan Else genannt.
Quellen:
- Lexikothek – Das Bertelsmann Lexikon. Verlagsgruppe Bertelsmann GmbH, Gütersloh 1978 ISBN 3-570-06552-9
- Die Holter Burg in Bissendorf
- Die Hase-Bifurkation in Melle-Gesmold
