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Die Salomonen - ein Beispiel für Bürgerkrieg in Ozeanien

Die Hauptinseln Guadalcanal und Malaita - Tim Ruster
Die Hauptinseln Guadalcanal und Malaita - Tim Ruster
Die Geschichte der Salomonen widerspricht dem idyllischen Bild von der Südsee-Romantik. Der Staat ist noch heute durch einen langen Bürgerkrieg gebeutelt.

Der Staat Salomonen umfasst gut 1.000 Inseln. Die größeren und bedeutenden sind Guadalcanal, Santa Isabel, Makira, Malaiti, New Georga und Choiseul, die alle vulkanischen Ursprungs sind. Der Staat befindet sich östlich von Papua-Neuginea und nordöstlich von Australien.

Geschichte der Salomonen: Vom zweiten Weltkrieg zum Bürgerkrieg

Bereits im 16. Jahrhundert erforschten europäische Seefahrer die Salomonen. So auch der berühmte spanische Seefahrer Alvaro de Mendana de Neyra im Jahre 1568. In den folgenden Jahrhunderten landeten weitere Europäer an den Küsten der Salomonen und gaben den Inseln ihre verschiedenensprachigen Namen (New Georgia, Choiseul, Santa Isabel et cetera). Erst 1899 annektierte Großbritannien die Inseln. Nördlichere Inseln, die heute zu Papua-Neuguinea gehören, waren Kolonien des Deutschen Reiches.

Größere Bedeutung erlangten die Salomonen im zweiten Weltkrieg, hauptsächlich als Schauplatz für amerikanisch-japanische Gefechte. Die Rückeroberung der Salomonen war der erste Kriegsakt der Vereinigten Staaten im Pazifik und mündete in der berühmten Schlacht von Guadalcanal im Jahre 1943. In den Gefechten auf und um die Salomonen fielen 8.000 Amerikaner und 30.000 Japaner. Nach Kriegsende waren die Salomonen wieder britisches Protektorat und wurden erst im Jahre 1978 ein unabhängiger Staat. Die ersten Jahrzehnte der Unabhängigkeit wurden von einem schweren Bürgerkrieg überschattet. Heute wird dieser Konflikt oft auf eine Auseinandersetzung zwischen den verschiedenen Ethnien auf den Salomonen vereinfacht; tatsächlich handelte es sich auch um einen Kampf verschiedener Gruppierungen um politische Ideologien.

Die aktivsten, größten und brutalsten Gruppen waren das Isatabu Freedom Movement von der Insel Guadalcanal und die Malaita Eagle Force aus Malaita. Freilich versuchte man neben politischen Ideen auch territoriale Ansprüche durchzusetzen und vertrieb vermeintliche Anhänger der gegnerischen Fraktion von der jeweiligen Insel. Die Kämpfe erreichten sogar die Hauptstadt Honiara und machten ein organisiertes Staatswesen unmöglich. Die beiden Parteien schlossen erst im Jahre 2000 in der australischen Stadt Townsville Frieden. Dies geschah unter internationaler Aufsicht und wird heute als Townsville Peace Agreement bezeichnet.

Gegenwärtige wirtschaftliche Situation der Salomonen

Trotz Beendigung des Konflikts durchleben die Salomonen immer noch schwierige Zeiten. Viele Städte sind nach wie vor vollständig zerstört und einige Menschen immer noch ohne Heimat. Die problematische Lage wird zusätzlich durch Naturgewalten verschlechtert: Im Jahre 2007 zerstörte ein Tsunamie 900 Häuser auf den Inseln und kostete 43 Menschen das Leben. 5.000 Personen wurden obdachlos. Hinzu kommt, dass die Wirtschaft der Salomonen ohnehin schwach ist. Sie ist nicht fähig, die großen Mineralienvorkommen der Inseln effektiv zu nutzen; denn eigentlich verfügen die Salomonen über große Gold-, Silber- und Bauxitbestände. Viele Minen wurden im Bürgerkrieg zerstört und Investoren zeigen sich noch abgeschreckt von der blutigen Geschichte des Staates. Die nächsten Jahre werden zeigen, ob die politische Stabilität bestehen bleibt und das Land für Unternehmer attraktiver macht.

Nationalsportarten auf den Salomonen: Fußball und Futsal

Erfreulicher ist die sportliche Entwicklung der Salomonen. Beliebtester Sport ist Fußball und dessen Unterart Futsal. Im Zuge der Qualifikation für die Fußballweltmeisterschaft 2006 erreichte die Nationalmannschaft sogar die im ozeanischen Verband vorgesehene Relegation. Diese verlor man zwar gegen Australien, doch allein das Erreichen - und damit der Triumph über das eigentlich gesetzte Neuseeland - genügten zur Sensation. Im Futsal gehören die Salomonen sogar zur erweiterten Weltspitze. Durch den Gewinn der Ozeanienmeisterschaft sicherte man sich einen Platz für die Futsalweltmeisterschaft im Jahre 2008. Diese Erfolge sind umso erstaunlicher, da der nationale Ligabetrieb in den letzten Jahren nur sehr chaotisch vonstatten ging. Erst im Jahre 2011 formierte sich eine landesweite Liga, der es aber eklatant an geeigneter Infrastruktur und finanziellen Mitteln mangelt. Größere Beliebtheit genießt immer noch die eigene Liga der Hauptstadt Honiara, die HFA League, die vom hauptstädtischen Verband HFA organisiert wird.

Die zukünftige Entwicklung der Salomonen wird weiterhin unter keinem guten Stern stehen. Ein möglicher Weg könnte der Ausbau des Tourismusgeschäfts sein, denn die Inseln gelten als Tauch- und Segelparadies. Vor allem wird man aber die dramatische Vergangenheit des Landes aufarbeiten und in das Bewusstsein der Öffentlichkeit rücken müssen.

Quellen:

Tim Ruster, © Tim Ruster

Tim Ruster - Tim Ruster ist 20 Jahre alt und studiert Jura in Köln. Im Laufe der Zeit hat er sich eine Menge Wissen über ...

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