Die Sanierung des Heidelberger Theaters

Das Stadttheater wird moderner, größer und schöner

Heidelberg – eine Stadt wartet auf sein Theater - rolibi
Heidelberg – eine Stadt wartet auf sein Theater - rolibi
Wie geht es voran mit der Sanierung des Heidelberger Stadttheaters? Was sind die Pläne der Kulturstätte und wie wird das Theater nach dem Umbau aussehen?

Schon seit 2006 ist es beschlossene Sache: Das Heidelberger Theater muss saniert werden. In der Sitzung vom 8. November beschloss der Gemeinderat einstimmig die Renovierung des Stadttheaters. Nachdem bereits einige Räume geschlossen und der Spielplan ausgesetzt werden musste, war dies auch eine dringend notwendige Entscheidung.

Die Geschichte des städtischen Theaters Heidelberg

Das Theater und Philharmonische Orchester der Stadt Heidelberg in der Theaterstraße 4 existiert schon seit 1853. Erbaut wurde es vom Stadtbaumeister Friedrich Lendorf. Eröffnet wurde die Bühne im spätklassizistischen Stil mit dem Stück "Die Braut von Messina" von Friedrich Schiller. Seither wurde es stets erweitert und ausgebaut.

Neben der Hauptspielstätte, der Städtischen Bühne mit ca. 600 Plätzen, besitzt das Theater auch weitere Auftrittsorte, wie zum Beispiel das Kinder- und Jugendtheater Zwinger3 in der Zwingerstraße und die alte Probebühne Friedrich VI. Derzeitiger Intendant ist Peter Spuhler.

Außerdem veranstaltet das Theater viele Festivals, wie zum Beispiel den jährlichen Stückemarkt im Mai. Dort haben junge Dramatiker die Chance bei einem Wettbewerb ihr Können unter Beweis zu stellen. Ziel dieses Theaterfestivals ist es neue Autoren zu entdecken und zu fördern. Überdies organisiert das Heidelberger Theater auch die legendären Schlösserfestspiele. Sie zählen zu den beliebtesten Freilichttheaterspielen Nordbadens. Neben Theateraufführungen, Kinderstücken, Opern und Operetten gibt es auch zahlreiche Lesungen und Konzerte. Das Spektakel findet jedes Jahr im Sommer statt und ist seit 1926 Heidelberger Tradition.

Das Stadttheater heute

Seit September 2009 befindet sich das Stadttheater im Umbau. Deswegen ist die Hauptspielstätte "Städtische Bühne" umgezogen. Momentan dienen vor allem das Opernzelt an der alten Feuerwache und das Theaterkino, sowie die kleineren Nebenbühne Zwinger1 und Zwinger3 als Aufführungsort.

Die Sanierung dauert voraussichtlich noch bis 2012. Dann soll das neue Theater mit frischem Glanz, besserer Sicht und hervorragender Akustik wieder eröffnet werde. Denn es wird nicht nur renoviert, es soll auch einen neuen Look und eine neue Atmosphäre bekommen. Ob die Heidelberger ihr Theater danach überhaupt wiedererkennen werden?

Modernes Design, größere Säle und neues Foyer

Um die alte Spielstätte so schön wie möglich zu gestalten, wurde 2007 zu einem internationalen Wettbewerb aufgerufen. Gewonnen hat ihn das Architektenbüro Waechter+Waechter aus Darmstadt, das mit ihrem Konzept vor allem auf mehr Zuschauerfreundlichkeit und Spielmöglichkeiten setzte.

Geplant ist neben der Erhaltung des alten Saals, ein zweiter mit 550 Plätzen, der sich nach antikem Vorbild von oben nach untern wie ein griechisches Theater gliedert. Besonderheit des Raums ist nicht nur die verglaste Rückwand, welche bei Vorstellungen mit einem Vorhang geschlossen wird, sondern auch dass er zum Foyer hin offen ist. Betreten wird er über eine große Treppe, die gleichzeitig auch von den Schauspielern als Spielmöglichkeit genutzt werden kann.

Durch die transparente Rückseite und beleuchtete, warme Holzverkleidungen soll der Saal eine festliche Atmosphäre bekommen. Die Wandverkleidung soll aber vor allem den Schall optimal reflektieren und somit für einen besseren Klang sorgen. Insgesamt wollen die Architekten überwiegend warmes Holz, hellen Naturstein und eingefärbten, sandgestrahlten Beton als Materialien nutzen. Dadurch soll das Heidelberger Stadttheater seinen neuen Glanz und unverwechselbaren Look bekommen.

Neben der besonderen Atmosphäre, wird außerdem für mehr Flexibilität gesorgt. Der neue Orchestergraben ist nicht nur besonders publikumsnah, sondern auch verdeckbar. So kann der Saal beliebig eingesetzt und sowohl für Opernaufführungen als auch Theaterauftritte genutzt werden.

Heidelberg beobachtet die Bauarbeiten

Im September 2009 begannen die Bauarbeiten. Während die Stadt versuchte den Lärmpegel zu ertragen und die Baustelle für die Anwohner abzusichern, schufteten die Bauarbeiter auf Hochtouren. Die Abrissarbeiten sind mittlerweile beendet und der Aushub kann beginnen.

Interessanterweise kamen während der Arbeiten auf dem Theatergelände auch historische Funde zum Vorschein. So fand man auf dem Geländer der Friedrichstraße 7 einen sieben Meter langen Brunnenschacht. Ebenso unentdeckt war bis dahin ein Latrinenschacht am Anna-Blum-Haus. Beide Funde sind vom Kurpfälzischen Museum und von Baudenkmalamt untersucht und dokumentiert worden.

Die Sanierung des Stadttheaters befindet sich im vollen Gange und man hofft auf die Fertigstellung Ende 2012. Bis dahin können sich die Heidelberger in einem neu eingerichteten Informationsbüro in der Plöck über den Stand der Dinge erkundigen. Dort finden sowohl interessierte als auch betroffene Bürger eine Anlaufstelle für ihre Fragen und Anmerkungen. Und so kann sich die ganze Stadt in Ruhe auf ihr neues, modernes Theater freuen.

Martina Zirnstein, Martina Zirnstein

Martina Zirnstein - Ich wurde 1989 in Berlin-Friedrichshain geboren und habe die Hauptstadt auch seitdem nicht mehr verlassen. Zumindest nicht im Sinne von ...

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