
- Ben Foster in The Messenger - Senator Film
Sie sind jung und doch erfahren, talentiert und auf dem Weg nach oben: Casey Affleck, Michael Fassbender und Ben Foster haben zwar (bald) die Altersgrenze von 30 überschritten, zählen aber immer noch zu den schauspielerischen Nachwuchstalenten in Hollywood und sind bisher nur dem wahren Filmkenner ein Begriff. Das muss und wird sich allerdings bald ändern. Frauenschwarm- und Oscarkönige wie George Clooney, Kevin Spacey oder Sean Penn brauchen Nachfolger – hier sind ein paar heiße Tipps:
Casey Affleck: mehr als der kleine Bruder von Ben Affleck
Beim Namen Affleck klingelt in den Ohren natürlich zuerst der Vorname Ben. Ben Affleck zählt seit Jahren zu den A-Stars in Hollywood, hat sich aber weniger durch Talent denn Anbandelungen mit Co-Stars wie Jennifer Lopez hervorgetan. Doch im Schatten des Celebrities ist Erstaunliches zu entdecken: Bens drei Jahre jüngerer Bruder Casey, 34, hat vielleicht ein weniger massentaugliches Gesicht, doch schauspielerisch wesentlich Interessanteres zu bieten.
Casey Affleck fiel lange Zeit neben der Riege an Stars, die er als Nebendarsteller zu unterstützen pflegte, kaum auf. Er spielte Nebenrollen in namhaften Produktionen wie "American Pie" und der "Ocean's Eleven"-Reihe mit, auffallen konnte er allerdings erst spätestens 2002 mit dem minimalistischen Drama "Gerry" von Gus Van Sant (der Ben Afflecks und Matt Damons Drehbuch "Good Will Hunting" verfilmt hatte), in dem er sich zusammen mit Matt Damon in der Wüste verirrt und sich existenziellen Fragen zu stellen hat.
2008 schließlich wurde er verdientermaßen für seine Darstellung Robert Fords in dem großartigen, meditativen Spätwestern "Die Ermordung des Jesse James durch den Feigling Robert Ford" als bester Nebendarsteller für den Oscar nominiert. Neben einem grandiosen melancholischen alters- und ruhmesmüden Brad Pitt zeigt er einen gekränkten, ehrgeizigen Emporkömmling, der ehrfürchtig auf Jesse James' Ruhm schielt – vielleicht gar nicht so weit entfernt von der Realität. 2007 überzeugte er zudem in der Hauptrolle in Ben Afflecks erster Regiearbeit "Gone Baby Gone" als Detektiv, der eine Kindesentführung aufzudecken hat. Dieses Jahr ist er in dem skandalträchtigen gewalttätigen Film "The Killer Inside Me" von Michael Winterbottom zu sehen, in dem er Jessica Alba verprügelt. In Produktion ist der Film "The Kind One" von Ridley Scott.
Michael Fassbender: vielseitiger Mime mit deutsch-irischen Wurzeln
Michael Fassbender ist schon wegen seiner deutschen Wurzeln ein hoch interessanter Nachwuchsstar. Er wurde 1977 in Heidelberg geboren, zog aber noch als Kleinkind mit seinem deutschen Vater und seiner irischen Mutter nach Irland. Er spricht immer noch fließend deutsch, was ihn für eine Rolle in Quentin Tarantinos hochgelobtem Kriegsfilm "Inglourious Basterds“ über ein fiktives Hitlerattentat prädestinierte. In diesem Film, der bekanntermaßen einem anderen deutschsprachigen Schauspieler, Christoph Waltz, den Oscar einbrachte, dürfte er zum ersten Mal einer breiteren Öffentlichkeit aufgefallen sein.
Dennoch spielte Michael Fassbender schon vorher in namhaften Produktionen, wie der von Tom Hanks und Steven Spielberg produzierten HBO-Serie "Band of Brothers" und der visuell stilprägenden Comicverfilmung "300" von Zack Snyder, allerdings kleine bis nichtige Nebenrollen. Ein Jahr vor "Inglourious Basterds" stellte er aber zum ersten Mal in Steve McQueens "Hunger" (2008) seine ganze schauspielerische Qualität aus. Für den Film, in dem er den IRA-Gefangenen Bobby Sands spielt, der sich 1981 aus Protest in Haft zu Tode hungerte, magerte er seinen Körper ab und entlockte sich eine erschütternde schauspielerische Inbrunst für seine uneitle, sture, überzeugte Rolle.
Glücklicherweise hat auch Hollywood dieses Talent entdeckt, so dass Michael Fassbender gut gebucht ist. Er spielt in der Westerncomic-Verfilmung "Jonah Hex“ neben Josh Brolin, John Malkovich und Megan Fox, in einer Verfilmung des Brontë-Klassikers "Jane Eyre“ den Mr. Rochester neben "Alice im Wunderland“-Star Mia Wasikowska und in "A Dangerous Method“ von David Cronenberg den Psychoanalytiker C. G. Jung, neben Viggo Mortensen als Sigmund Freud. Außerdem wurde er kürzlich als junger Magneto im Prequel "X-Men: First Class" bestätigt, neben James McAvoy als Prof. Xavier.
Ben Foster: wandlungsfähiges Schauspielgenie
Ben Foster wird dieses Jahr 30, hat aber in den letzten zehn Jahren schon ein erstaunlich vielfältiges Repertoire an Rollen gesammelt, die von der Wandelbarkeit des blonden Amerikaners spricht. In Barry Levinsons "Liberty Heights" (1999) spielte er einen jüdischen Schüler, der sich an Halloween als Hitler verkleidet, in Barry Sonnenfelds turbulenter Komödie "Jede Menge Ärger" (2002) den Sohn von Tim Allen, in "X-Men – Der letzte Widerstand" (2006, der dritte Teil der Reihe) einen Mutanten, dem Engelsflügel wachsen und der deswegen auf die Intoleranz seines Vaters stößt und in James Mangolds Western "Todeszug nach Yuma" (2007) einen Revolverheld, der den Verbrecher Russell Crowe aus der Hand von Christian Bale befreien will.
Besonders hervorzuheben sind des Weiteren drei von Ben Fosters Rollen: In der großartigen, tiefgründigen und vom gesamten Cast exzellent gespielten HBO-Serie "Six Feet Under" spielte er in 22 Folgen (2003 bis 2005) den in Bezug auf seine sexuelle Orientierung verwirrten Kunststudent Russell mit schulterlangen fettigen Haaren, großer Verletzlichkeit und einer tiefen Sehnsucht in den Augen. 2006 zeigte Ben Foster dann als tätowierter Brutalo eine gänzlich gegenteilige Facette in Nick Cassavetes Jugenddrama "Alpha Dog", neben Emile Hirsch und Justin Timberlake – stets mit furchterregenden Funkeln in den Augen und einem leicht aggressiv vorgeschobenen Kinn. 2009 schließlich spielte er in "The Messenger" neben Woody Harrelson seine erste bedeutende Hauptrolle als Irakkriegsverwundeter, der als Bote Angehörigen die Nachricht vom Tod eines Soldaten überbringen muss. Hier scheint er ein ganzes Panorama an Emotionen offenzulegen, schwankend zwischen Unsicherheit, Pflichtbewusstsein und Aggressivität.
Zuletzt spielte er in dem düsteren Science-Fiction-Thriller "Pandorum" neben Dennis Quaid und hat bereits "The Mechanic" mit Jason Statham und Donald Sutherland abgedreht, sowie "Here".
Brad Pitt, George Clooney und Christian Bale auf den Versen
Man kann sich nur wünschen, dass die drei Nachwuchsmimen Casey Affleck, Michael Fassbender und Ben Foster der Vielfältigkeit ihrer Rollen und Projekte treu bleiben – sind sie doch nicht nur wegen ihres Starpotenzials um Auge zu behalten, sondern vor allem aufgrund ihrer schauspielerischen Klasse, die sie befähigen, ganz große Filmkunst zu vollbringen. Und gerade diese Mischung prädestiniert sie doch, in die Fußstapfen von Brad Pitt, George Clooney oder Christian Bale zu treten.
Weitere Schauspielgrößen von morgen: Matthew Goode, Joseph Gordon-Levitt, Ben Whishaw
