Die Schlacht an der Leitha 1284: schwere gegen leichte Reiterei

Ritter gegen Bogenschütze im Stil d. Codex Manesse - Sabine Peitz
Ritter gegen Bogenschütze im Stil d. Codex Manesse - Sabine Peitz
Die Österreichische Reimchronik des Ottokar aus der Gaal berichtet vom ungleichen Aufeinandertreffen habsburgischer und ungarischer Reiter.

Es war wohl 1284 – so zumindest sind sich Historiker derzeit sicher, obwohl Ottokar in seiner berühmten Reimchronik keine genaue Jahresangabe gemacht hat – dass an der Leitha, einem Nebenfluss der Donau, die Ritter Albrechts von Habsburg, Herzog von Österreich und der Steiermark und späterer Deutscher König, auf die Truppen des ungarischen Grenzgrafen Iwan von Güssing trafen. Als Herzog Albrecht Burg Bernstein, eine Festung Graf Iwans und oberhalb eben jenen Flüsschens gelegen, belagern lässt, kommt es zur Feldschlacht.

Habsburgische schwere Ritter gegen ungarische leichte berittene Bogenschützen

Das Heer Herzog Albrechts bestand aus schwer gepanzerten Reitern – aus Rittern eben – deren Taktik im massierten frontalen Angriff mit eingelegter Lanze und anschließendem Nahkampf mit dem Schwert bestand. Vor allem Schwaben hatte Herzog Albrecht aufgeboten, die sein Vater, König Rudolf von Habsburg, bei der Übernahme der österreichischen und steirischen Herzogswürde mit ins Land gebracht hatte. Angeführt wurden die Ritter nicht von Albrecht selbst, sondern von Marschall Herman von Landenberg, ebenfalls einem Schwaben.

Doch auch einige nicht ganz unbedeutende Österreicher und Steirer waren beim Heer. Diese fragte Herman von Landsberg angesichts der etwa 1.000 Ungarn, denen er sich gegenüber sah, um Rat. Denn im Gegensatz zu den Schwaben wussten die einheimischen Edlen recht gut, was Sie auf dem Schlachtfeld von den Ungarn zu erwarten hatten.

Deren Art zu kämpfen bestand nämlich aus „fliehen unde jagen“, wie Ottokar es ausdrückt. Die massierte Attacke mit anschließendem Nahkampf ist ihr Ding nicht. Ihre Angriffswaffen sind nicht Lanze und Schwert – sie kämpfen vornehmlich mit dem kurzen Reiterbogen. Schwer gerüstet sind sie auch nicht. Schnelle Vorstöße mit anschließenden ebenso schnellen Rückzügen sind ihre Taktik. Auf einen Nahkampf können sie sich gegen Ritter daher auch gar nicht einlassen.

Der Hochmut der schwäbischen schweren Ritter

Dass dabei die schwerfälligen Ritter schnell umzingelt zu werden drohten, war den Österreichern und Steirern vollkommen klar. Entsprechend rieten sie Herman von Landenberg auf sein Nachfragen hin, auf die gewohnte Taktik zu verzichten und sich den Ungarn anzupassen. Das aber sahen die Schwaben nun gar nicht ein. Dem Nahkampf auszuweichen kam für sie überhaupt nicht in Frage. Im Gegenteil, man wolle den Ungarn, die ja bisher nur die Österreicher und die Steirer kennen gelernt hatten, mal zeigen, was so eine richtige schwäbische Harke ist. Man wolle sie mit „stichen und mit slegen“ die schwäbische Überlegenheit spüren lassen.

Der Triumph der leichten Reiterei und des Bogens

Es kam, wie es kommen musste. Schnell hatten die Ungarn den Kreis um die Ritter geschlossen und beschossen sie nun ununterbrochen mit Pfeilen. Dabei ritten sie fortwährend schnelle Angriffe, um sich gleich darauf wieder zurück zu ziehen. Den Rittern selbst konnten die ungarischen Pfeile wenig anhaben. Ganz anders sah es mit ihren Pferden aus. Diese waren nämlich lange nicht alle so schwer gepanzert wie die Männer auf ihrem Rücken. Immer mehr Tiere wurden von Geschosssalven der Ungarn getroffen. Entsprechend schnell gerieten die Pferde der Ritter in Panik, woraufhin sich die Ordnung im habsburgischen Heer auflöste.

Den Schwaben fiel dabei nichts Besseres ein, als einen Boten zu Graf Iwan zu schicken mit der Bitte, man möge doch auf „männliche Weise“ und „um den Willen aller Frauen“ kämpfen. Eher praktisch veranlagt als höfisch gebildet und mit wenig Ahnung vom minniglichen Frauendienst, ließ Graf Iwan den Boten kurzerhand erschießen.

Das sei unritterlich, stellten daraufhin die Schwaben fest. Sie forderten einen Steirer auf, sich zu Graf Iwan zu begeben und ihn und seine Männer dazu zu bewegen, „mit den swerten“ zu kämpfen, um so den Tapfersten zu ermitteln. Worauf sich die Ungarn natürlich nicht einließen – es wäre denn, die Schwaben legten ihrerseits ihre Rüstungen ab. Aber daraus wurde nichts: „ûz dem harnasch kom wir niht“.

Alles ritterliche Gebaren half nichts. Herman von Landenberg musste einsehen, dass die Schwaben den Einheimischen mit ihren „neuen Sitten“ und ihrer Uneinsichtigkeit Unheil gebracht hatten. Mit all seinen Männern begab er sich in die Gefangenschaft Graf Iwans. Die Lösegelder brachten diesem erheblichen Reichtum.

Die Darstellung westlicher und östlicher Reiterei in der Reimchronik und im Codex Manesse

Klar, die Darstellung Ottokars ist ein wenig überspitzt, zudem Ottokar selbst als Steirer wohl wenig für die „schwäbischen Eindringlinge“ übrig hatte, die Albrecht von Habsburg allenthalben auf bisher von Österreichern und Steirern besetzte Posten hievte. Dennoch gibt sie einen guten Eindruck von den unterschiedlichen Kampfesweisen der mittel- und westeuropäischen Ritter einerseits und der osteuropäischen Reiterkrieger andererseits.

Die gegensätzlichen Kampfweisen bedingten auch grundsätzlich unterschiedliche Reitstile. So ist in der Miniatur des Kristan von Luppin im Codex Manesse, in der sowohl ein Ritter als auch ein osteuropäischer (oder asiatischer) Reiterkrieger dargestellt sind, deutlich zu erkennen, dass der Ritter mit langem Bein reitet. Der Bogenschütze hingegen reitet mit kurzem Bein, um im Sattel aufstehen zu können.

Beide Kampfweisen bedingen jedoch auch jeweils unterschiedliche Pferde. Dies wird wiederum in der Reimchronik deutlich. Während Ottokar die schwereren Streitrösser (schwer ist dabei relativ, von den heutigen Pferderassen dürften Berber, Andalusier oder ähnliche, stämmige, mittelgroße Rassen dem ritterlichen Streitross des 13. Jahrhunderts am nächsten kommen) durchweg mit „ros“ (oder seltener mit ors) bezeichnet, nennt er die Pferde der Ungarn „meiden“ (nach heutiger Einteilung wohl eher Ponys). Auch im Mittelalter war also Pferd nicht gleich Pferd.

Quellen

Ottokars Österreichische Reimchronik, Bd. 1-2, hrsg. Von Josef Seemüller. Monumentae Germaniae Historica, Scriptores, Deutsche Chroniken 5, München 1980, Verse 25.070-25.892.

Cod. Pal. germ. 848, Große Heidelberger Liederhandschrift (Codex Manesse). Zürich, 1305 bis 1340.

Literatur

Sabina Schult: Stoßlanze Contra Reiterbogen. Pax et gaudium 20, 2005.

Christian Peitz, Sabine Peitz

Christian Peitz - Schon fast mein ganzes Leben begleiten mich Modelleisenbahnen und ihre Vorbilder. Speziell die Zeit der Dampfloks hat es mir in Vorbild ...

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