Die Schlacht an der Recknitz (Raxa) 955

In der Schlacht an der Recknitz besiegte Otto I. die Abodriten und sicherte die ostfränkische Oberhoheit in der Ostmark.

Am 16.Oktober 955 kam es zwischen den Abodriten und mit ihnen verbündeten slawischen Stämmen und einer Streitmacht des ostfränkischen Königs Otto I. zur Schlacht an der Recknitz oder Raxa. Die Slawen unter ihrem Anführer Stoignew wurden vernichtend geschlagen. In der Ostmark markierte diese Schlacht ein Ende der Aufstände für fast 30 Jahre. Bis sich 983 die Slawen im Norden wieder erfolgreich gegen die ostfränkische Vorherrschaft erhoben.

Die Recknitz, früher auch Raxa genannt, ist ein Fluss in Mecklenburg-Vorpommern. Er mündet bei Ribnitz-Damgarten in die Ostsee und markiert im Unterlauf ab Bad Sülze die Grenze zwischen Mecklenburg und Pommern. Der Ort der Schlacht wird bei dem heutigen Ort Pantitz bei Ribnitz-Damgarten vermutet. Andere Autoren vermuten den Schlachtort eher zwischen den Orten Bad Sülze und Tessin oder zwischen dem Plauer See und der Lenzer Reke nordwestlich von Malchow.

Vorgeschichte zur Schlacht an der Recknitz

In den Jahren 954 und 955 gab es im Ostfrankenreich reichlich Probleme. König Otto I. sah sich zunächst einem Aufstand seines Sohnes und designierten Nachfolgers Liudolf gegenüber. Dazu fielen die Ungarn wieder einmal in das Ostfrankenreich ein. Der König musste seine Kräfte auf die Auseinadersetzung mit den Ungarn konzentrieren. Die konnte er mit der Schlacht auf dem Lechfeld am 10. August 955 siegreich beenden.

Wichmann II. und sein Bruder Ekbert fühlten sich oder ihre Familien vom König übergangen. Sie kämpften auf Seiten Liudolfs gegen Otto I. Nach der Aussöhnung zwischen Otto und Liudolf wurde auch ihnen vergeben. Doch beide waren weiter unzufrieden.

Wichmann musste am Hof des Königs leben. Doch es gelang ihm die Flucht und zog dann 955 mit seinen Anhängern marodierend durchs Land. Auch sein Bruder Ekbert schloss sich ihm wieder an. Sie griffen die Truppen seines Onkels Hermann Billung an. Doch sie unterlagen und mussten sich über die Elbe nach Norden in das Gebiet der Abodriten zurückziehen.

Das Herrscher der Abodriten waren der Fürst Nakon und sein Bruder Stoignew. Sie residierten in Liubice in der Nähe des heutigen Lübeck. Wichmann und Ekbert verbündeten sich mit den Abodriten, die schon lange in Feindschaft zu den Sachsen standen.

955 fielen nach Ostern die Kämpfer der Abodriten unter der Führung von Wichmann in Sachsen ein. Hermann Billung musste dieser Übermacht weichen. Ein Burgwall bot den Bürgern der Gegend und den Kämpfern Hermann Billungs Schutz. Der hatte mit Wichmann ausgehandelt, dass das Leben der Freien und ihrer Frauen und Kinder geschont werde. Die Slawen sollten dafür die Knechte und allen Hausrat erhalten. Doch dieses Abkommen wurde gebrochen. Alle freien Männer wurden getötet und die Frauen und Kinder als Gefangene verschleppt.

Die Schlacht an der Raxa

Nach seinem Sieg über die Ungarn ächtete König Otto I. Wichmann und Ekbert. Dann zog er mit einer Streitmacht in das Gebiet der Abodriten. Er bot zunächst Frieden unter der Bedingung der Unterwerfung an. Das wurde abgelehnt. Darauf begannen Ottos Soldaten mit ihrem Vernichtungszug. Doch die Streitmacht aus schätzungsweise 7.000 sächsischen Reitern und 1.000 friesischen Kämpfern zu Fuß wurde von ihren Gegnern an der Raxa eingekesselt. Deren Stärke wird bei 8.000 Kämpfern zu Fuß und 1.000 Reitern vermutet. Die eingekesselten Truppen der Sachsen konnten den Fluss an dieser Stelle nicht überschreiten.

Der König schickte in dieser misslichen Lage den Markgrafen Gero zu Verhandlungen über einen Frieden zu Stoignew. Doch der lehnte das Angebot des Königs ab. Gero konnte dann dank der Unterstützung der mit den Sachsen verbündeten Ranen einen Flussübergang finden.

Am frühen Morgen des 16. Oktober 955 ließ der König einen Scheinangriff führen und beschoss die Gegner mit Pfeilen und Wurfmaschinen. Derweil entstanden unter dem Kommando von Markgraf Gero mehrere Brücken über die Raxa. Die nutzte das Heer des Königs unverzüglich zum Überschreiten des Flusses. Stoignew schickte sofort seine Kämpfer den Sachsen entgegen. Doch sie waren den sächsischen Reitern unterlegen und flohen bald.

Die Schlacht endete siegreich für König Otto I. Stoignew wurde ebenso wie 700 weitere Gefangene enthauptet. Die Abodriten und Wilzen mussten sich der Oberherrschaft des ostfränkischen Königs unterwerfen und Tribut leisten. Wichmann und Ekbert konnten nach Gallien fliehen.

Literatur zum Thema

  • Lutz Mohr: Die Schlacht an der Raxa. Verein für Erlebbare Geschichte des Mare Balticum e.V., Stralsund 2006
  • Lutz Partenheimer: Die Entstehung der Mark Brandenburg. Mit einem lateinisch-deutschen Quellenanhang. Böhlau Köln 2007, ISBN 978-3412171063