Die Schlacht von Crécy 1346

Der Sieg der englischen Bogenschützen über Frankreichs Ritter

Armbrustschütze 1. Hälfte 14. Jh. - Sabine Peitz
Armbrustschütze 1. Hälfte 14. Jh. - Sabine Peitz
Die Schlacht von Crécy war die erste große Feldschlacht im Hundertjährigen Krieg. In ihr fiel ein großer Teil der Ritterschaft Frankreichs.

Nach der Invasion in der Normandie und dem Wettrennen mit den französischen Truppen an der Seine und zur Somme musste der englische König feststellen, dass seine Truppen nach der Somme- Durchquerung an der Furt bei Abbeville am 24. August 1346 weitere Gewaltmärsche nicht mehr durchstehen würden. Auf einer Anhöhe westlich der Straße zwischen Crécy-en-Ponthieu und Wadicourt ließ Edward am folgenden Tag ein Lager aufschlagen. Hier wollte er sich zur Schlacht stellen.

Die englische Schlachtordnung

Am Tag darauf, dem 26. August 1346, stellte Edward seine Truppen, insgesamt 9.000 bis 15.000 Mann, in fünf Abteilungen auf. Den rechten Flügel kommandierte sein 16 Jahre alter Sohn Edward, der Prince of Wales, der später den Beinamen „der schwarze Prinz“ erhalten sollte. Der linke Flügel unterstand dem Grafen von Northampton. Vor beiden Kontingenten, die aus Infanterie mit Stangenwaffen und abgesessenen Rittern bestanden, postierte er je die Hälfte seiner gut 5.000 Bogenschützen. Zudem standen an den Flanken der Abteilung seines Sohnes einige Pulvergeschütze. Das Zentrum, leicht zurückgezogen, befehligte Edward III. selbst.

Zur Befestigung des Hügels ließ Edward seine Männer auf der östlichen Hügelflanke, jenseits der Straße und einige Dutzend Schritte vor den eigenen Reihen, eine Vielzahl von Löchern, nicht größer als ein Eimer, in den Boden graben. Mit dieser Taktik hatten die Ritter seines Großvaters im Krieg gegen die Schotten leidvolle Erfahrungen gemacht. Danach hieß es nur noch: warten.

Die Franzosen greifen an

Als der französische König Philip VI., der den Engländern in den letzten Tagen mit seinem Heer ständig hinterher gelaufen war, am 26. August 1346 auf seinen Weg von Abbeville nach Nordwesten die englischen Truppen links des Weges liegen sah, stand die Sonne hinter den Engländern schon tief über dem Horizont. Dennoch drängten seine Ritter auf einen Angriff. Die Schmach der Invasion musste unbedingt getilgt werden.

So schwenkte die Vorhut, bestehend aus der Genueser Infanterie mit ihren Stangenwaffen und Armbrüsten, direkt aus der Marschkolonne zum Angriff. Die Armbrustschützen sollten die englischen Reihen durch gezielten Beschuss soweit ausdünnen, dass die französischen Ritter, die sich hinter den Genuesen in mehreren Treffen formierten, leichtes Spiel hätten. Dass die großen rechteckigen Setzschilde, die Pavesen, auf die die Armbrustschützen während des Spannvorganges ihrer Waffen – sie konnten etwa drei Schuss pro Minute abgeben – als Deckung angewiesen waren, noch im Tross waren, merkten die Männer zwar an. Ihr Zögern wurde ihnen jedoch als Feigheit vorgeworfen.

Noch während sie durch die Senke des Vallée des Clercs auf die englischen Truppen zumarschierten, öffneten sich die Schleusen des Himmels. Der Regen verwandelte den Boden der Senke in eine Schlammgrube, was den Vormarsch der Infanterie erheblich verlangsamte. Auch wird diskutiert, ob die Feuchtigkeit nicht die Reichweite und Durchschlagskraft der Armbrüste beeinträchtig habe. Jedenfalls mussten die Armbrustschützen sowieso auf deutlich weniger als 100 Meter an den Feind heran, um einen halbwegs gezielten Schuss abgeben zu können. Um einen geordneten Angriff vorbringen zu können, ließen Odone Doria und Carlo Grimaldi, die Kommandeure der vor allem in Südfrankreich und Norditalien angeworbenen Infanteristen, ihre Truppen dreimal halten, um die Linien für den Angriff auf den rechten Flügel der Engländer auszurichten.

Die englische Antwort

Sobald die Genuesen in Reichweite der englischen Bogenschützen waren, begannen diese mit dem Beschuss. Auf etwa 300 Meter Entfernung ließen sie einen Regen aus fingerdicken, 90 cm langen Pfeilen auf den Gegner regnen. Mehr als 50.000 Pfeile pro Minute gingen auf das Heer Philips VI. nieder. Unter dem Pfeilehagel brach der Angriff der Genuesen bald zusammen. Ob sie überhaupt nah genug an die englischen Linien herangekommen sind, um auch nur einen einzigen gezielten Schuss abzugeben, ist fraglich. Gleichzeitig begannen die Pulvergeschütze zu feuern.

Noch in die sich zurückziehenden Genuesen brach der Angriff der französischen Reiter, die die fliehenden Infanteristen einfach nieder ritten. Das erste Treffen führte der Graf von Alençon, der seine Attacke wiederum auf den Flügel des Prinzen von Wales vortrug. Doch sein Angriff erreichte die englischen Linien erst gar nicht. Nun machten sich die vielen kleinen Löcher, die die Engländer gegraben hatten, bezahlt. In diese nämlich traten einige der Pferde, stürzten und brachten so die Linien der in dichten Reihen anreiten Ritter durcheinander. Auch der Beschuss durch die Bogenschützen hörte nicht auf. Zudem forderten auch die englischen Kanonen Opfer unter den Rittern.

Angriff auf Angriff

Der alte und beinahe blinde König Johann von Luxemburg, der das zweite französische Treffen führte, hatte mit seinem Angriff mehr Erfolg. Er konnte den Prinzen von Wales in schwere Bedrängnis bringen. Mindesten ein Ritter König Johanns schaffte es sogar, die Linien der Engländer zu durchbrechen. Johann selbst hatte darum gebeten, dass sein Pferd von zwei Rittern am Zügel an den Feind geführt werden sollte, da er selber nicht mehr genug sah. Er fand kämpfend den Tod.

Doch auch dieser und mindestens 13 weiteren Attacken hielten die abgesessen kämpfenden Engländer stand. Die französischen Reiter, die, während die Schlacht bereits in vollem Gange war, beständig aus der Marschkolonne auf das Schlachtfeld drängten, konnten die enge Formation des Fußvolkes nicht aufbrechen. Erst als die Sonne unterging, befahl Edward III. aufzusitzen und die Abteilung Philips VI. anzugreifen. Bei Einbruch der Nacht gehörte Edward das Feld.

Nach der Schlacht

Am nächsten Morgen gingen die Engländer daran, ihre Gefallenen zu bergen und Massengräber für die toten Gegner auszuheben. Neben Johann von Luxemburg waren der Graf von Alençon und mehr als 1.500 weitere Adelige auf dem Feld geblieben. Philip VI. zog sich, ohne seine Truppen wieder gesammelt zu haben, nach Amiens zurück. Hier ordnete er die Hinrichtung aller Genueser „Verräter“ an. Diejenigen, die seinen Zorn überlebten, traten, genauso wie die französischen Truppen, den Heimweg an.

In den Tagen nach der Schlacht zog Edward langsam nordwärts. Er hielt sich dicht an der Küste, in der Hoffnung auf Nachschub von See. Als ihn die Nachricht erreichte, dass seine Truppen wieder aus Caen vertrieben worden waren, erkannte er, dass er die Normandie nicht würde halten können. Er beschloss, Calais zu erobern, was ihm im September auch gelang.

Beschriftung der Karte

  • A: Abteilung des Prinzen von Wales
  • B: Abteilung Edwards III.
  • C. Abteilung des Grafen von Northampton
  • D: englisches Lager
  • E: Die Genueser Armbrustschützen
  • F: Abteilung des Grafen von Alençon
  • G: Abteilung Johanns von Luxemburg
  • H: Rest der französischen Armee

Literatur

David Nicolle: Crécy 1346. Oxford 2000.

Christian Peitz, Sabine Peitz

Christian Peitz - Schon fast mein ganzes Leben begleiten mich Modelleisenbahnen und ihre Vorbilder. Speziell die Zeit der Dampfloks hat es mir in Vorbild ...

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