
- Rüstung Theoderichs von Rheinbach in der Schlacht - Sabine Peitz
Nach dem Tod Herzog Walrams IV. von Limburg im Jahr 1279/80 machten sowohl Graf Reinald von Geldern als auch Graf Adolf VI. von Berg berechtigte Ansprüche auf das Erbe geltend. In den folgenden Jahren entwickelte sich daraus der so genannte Limburger Erbfolgestreit. In seinem Verlauf verkaufte Graf Adolf von Berg seine Ansprüche an Herzog Johann I. von Brabant. Reinald von Geldern wiederum trat seinen Erbanspruch an den Grafen Heinrich VI. von Luxemburg ab. Wichtigste Kraft auf Seiten der Gegner Herzog Johann war jedoch der Erzbischof von Köln, Siegfried von Westerburg. Er mischte kräftig mit, um seine hegemoniale Stellung am oberen Niederrhein zu verteidigen und zu festigen. Zünglein an der Waage wurden schließlich die Bürger der Stadt Köln, die sich gegen ihren Stadtherrn stellten.
Die Aufstellung der Truppen auf Brabanter Seite
Am 5. Juni 1288 trafen sich die Heere der Kontrahenten auf der Fühlinger Heide, südlich des Ortes Worringen, in unmittelbarer Nähe des Rheins. Auf der einen Seite stand das Bündnis aus Herzog Johann I. von Brabant, Graf Walram von Jülich, Graf Arnold VI. von Looz, Graf Adolf von Berg, Graf Eberhard von der Mark und den Bürgern der Stadt Köln – um nur die wichtigsten zu nennen. Insgesamt dürften auf Brabanter Seite etwa 2.300 Reiter und 2.500 Mann Fußvolk gestanden haben.
Herzog Johann befehligte das Zentrum seiner Truppen. Seinen rechten Flügel führten gemeinsam Graf Walram von Jülich und Graf Arnold von Looz. Zu seiner Linken standen die Reiter der Grafen von Berg und von der Mark, verstärkt durch die Angehörigen der Kölner Geschlechter. Ganz außen standen die Bergischen Bauern und die Kölner Miliz.
Die Truppen des Erzbischofs von Köln
Ihnen gegenüber standen der Erzbischof von Köln, Graf Adolf von Nassau, Graf Heinrich von Luxemburg und Graf Reinald von Geldern, ebenfalls unterstützt von zahlreichen Verbündeten und Vasallen – zusammen etwa 2.800 Reiter und 1.400 Mann Infanterie.
Das Zentrum befehligte Heinrich von Luxemburg mit seinen Brüdern. Auf dem linken Flügel, gegenüber den Rittern des Grafen von Jülich und des Grafen von Looz, nahm Reinald von Geldern Aufstellung. Siegfried von Westerburg stand auf dem rechten Flügel, gegenüber den Grafen von Berg und von der Mark und vor allem gegenüber den Bürgern seiner Stadt.
Der Verlauf der Schlacht
Kurz vor Mittag eröffnete Siegfried von Westerburg die Schlacht mit einem Angriff auf die linke Flanke seiner Gegner – auf die Bergischen Bauern und die von ihm abgefallenen Kölner Bürger. Es gelang im, das Fußvolk zu überreiten und zurückzuwerfen, obwohl seine Ritter bei dieser Attacke die alte Römerstraße mit ihren Straßengräben überqueren mussten.
Johann von Brabant sah sich durch diesen Erfolg des Erzbischofs so sehr in Bedrängnis gebracht, dass er seinerseits den erzbischöflichen Flügel angriff – die rechte Flanke seines Treffens den Truppen Heinrichs von Luxemburg darbietend, der bis dahin noch nicht in den Kampf eingegriffen hatte. Nun jedoch beging Siegfried von Westerburg den entscheidenden Fehler. Statt seine Stoßrichtung beizubehalten, schwenkte er auf Herzog Johanns Zentrum, statt dem Grafen von Luxemburg die Abwehr von Johanns Gegenangriff zu überlassen. Bei dem scharfen Schwenk nach links und durch die erneute Überquerung der Römerstraße gerieten seine Truppen derart durcheinander, dass ihre gesamte Stoßkraft verloren ging. Stattdessen öffnete er seine eigene Flanke den Grafen von Berg und von der Mark.
Die Schlacht löste sich in Einzelgefechte auf. Keinem der Heerführer gelang es zunächst, die Reihen der Gegner zu durchbrechen. Die heftigsten Kämpfe tobten im Zentrum zwischen den Treffen des Herzogs von Brabant und des Grafen von Luxemburg. Hier verloren nacheinander Walram von Luxemburg-Ligny, Graf Heinrich von Luxemburg sowie Heinrich von Houffalize, der Bastardbruder Heinrichs, und dessen jüngerer Bruder ihr Leben – eine ganze Generation des Luxemburger Grafengeschlechts.
Doch auch die Grafen von Jülich und von Looz und der Graf von Geldern lieferten sich heftige Kämpfe. Dabei erhielt Reinald von Geldern durch einen Streitkolben einen so heftigen Hieb auf den Helm, dass er den Kampf aufgeben musste. Er geriet bei dem Versuch, vom Schlachtfeld zu fliehen, in Gefangenschaft. Ein Teil seiner Truppen zog es – somit bar der persönlichen Verpflichtung zur Heeresfolge – vor, das Schlachtfeld zu verlassen, um das Brabanter Lager zu überfallen und zu plündern.
Am Nachmittag hatten es die Grafen von Berg und von der Mark geschafft, die Bergischen Bauern und die Kölner Milizen wieder zu sammeln. Es gelang ihnen, die Truppen des Kölner Erzbischofs zu umgehen und diesem in die Flanke zu fallen. Die Fußkämpfer fochten, angefeuert durch die Rede des Mönchs Walter Dodde, wie entfesselt, machten keinen Unterschied zwischen Freund und Feind – was wohl daran lag, dass niemand die Wappen der Ritter unterscheiden konnte. Sie schafften es sogar, den schwer verteidigten Fahnenwagen des Erzbischofs zu erobern. Am Ende musste sich Siegfried von Westerburg, nachdem sein Bruder Heinrich den Tod gefunden hatte, dem Grafen Adolf von Berg geschlagen geben. Damit war die Schlacht weitgehend beendet.
Nach der Schlacht
Etwa 1.800 Kämpfer verloren während der Schlacht ihr Leben oder starben kurz danach an ihren Verletzungen, davon alleine 700 Kölner Bürger. Reinald von Geldern erholte sich nie mehr von seiner Kopfverletzung. Er wurde schwermütig und später deswegen sogar entmündigt.
Siegfried von Westerburg verbrachte eine lange Gefangenschaft auf Schloss Burg an der Wupper. Angeblich soll er die ersten drei Tage und Nächte in voller Rüstung gefesselt auf einem Stuhl verbracht haben. Als Emissäre des Erzstifts Zugang zu ihrem Erzbischof verlangten, soll Graf Adolf nur bemerkt haben, er halte keinen Mann Gottes, sondern nur einen aufmüpfigen Ritter gefangen. Die Macht der Kölner Erzbischöfe im Rheinland war gebrochen. Die Grafen von Jülich, Berg und der Mark wurden zu den bestimmenden Kräften. Für einige hundert Jahre durfte von nun an kein Kölner Erzbischof mehr „seine“ Stadt betreten.
Literatur
Werner Schäfke (Hrsg.): Der Name der Freiheit 1288-1988. Köln 1988.
