Die schönsten Radfernwege in Deutschland, Österreich, Schweiz

Fähre am Mainradweg bei Obereisenheim - Judith Weibrecht
Fähre am Mainradweg bei Obereisenheim - Judith Weibrecht
Radreisen liegen im Trend und sind gesund. Immer mehr Menschen steigen aufs Fahrrad um. Auf den beliebtesten Radwegen geht es an Flüssen entlang abwärts.

Die schönsten deutschen, österreichischen und schweizerischen Radfernwege führen allesamt Flüsse entlang und somit von der Quelle bis zur Mündung abwärts. Sie sind auch für Genussradler und Familien mit kleinen Kindern geeignet.

Darum ist es am Main so schön: Der Mainradweg in Deutschland

Den Mainradweg ist von der Quelle bis zur Mündung befahrbar und wurde als erste Qualitätsroute vom ADFC (Allgemeiner Deutscher Fahrrad-Club e. V.) mit fünf Sternen zertifiziert. Ausgeschildert ist er mit einem Logo, das einen stilisierten schleifenreichen weißen Fluss auf blauem und grünem Grund zeigt. Gleich zu Beginn gilt es, sich zu entscheiden, welche Quelle des Mains man besuchen will. Der Main nämlich speist sich aus derer zwei, der des Roten und der des Weißen Mains. Wenig spektakulär beginnt die Reise des Wassers am Roten Main: Ein kleines Rinnsal, das sich von hier aus als Bach durch Wälder und Wiesen bis in die Wagnerstadt Bayreuth mit ihrer Oper windet. Durch die Mainauen mäandern Fluss und Radweg weiter. Andere klangvolle Namen folgen auf dem Fuß: Kulmbach, die Bierstadt, die barocke Wallfahrtsbasilika Vierzehnheiligen, das prächtige Schloss Banz und die Weltkulturerbestadt Bamberg mit Dom und den unzähligen Brauereien. Nun geht es nach Würzburg, wo etwa die fürstbischöfliche Residenz mit dem Deckenfresco von Tiepolo runter vom Sattel lockt. Kultur satt also, aber auch Kulturlandschaften und Natur, wie zum Beispiel die Weinberge auf der fränkischen Weininsel bei Volkach.

Für durstige Radlerkehlen ist längs der Route gesorgt: Vom Bierfränkischen geht es ins Weinfränkische zu Bocksbeuteln und dann zum hessischen Äbbelwoi in die Metropole Frankfurt. Die Skyline mit ihren Hochhäusern grüßt herüber. Über den Eisernen Steg führt der Weg ans andere Ufer des hier schon sehr breiten Mains. Vorbei rollt man sodann an der Sektstadt Hochheim. Das Ende gehört wieder den Winzern und diesmal den Pfälzer Weinen, die man in Mainz verkosten kann. Dort fließt der Main, der die Radwanderer nun auf rund 600 Kilometer begleitet hat, schlussendlich in den Rhein.

Der Mainradweg ist fast durchgehend asphaltiert und weist keine nennenswerten Steigungen auf. Verschiedene Anbieter bieten hier wie auch auf anderen deutschen Radfernwegen Pauschalen mit Gepäcktransport und Unterkunft in Bett & Bike zertifizierten Betrieben an. Nähere Informationen zu Radrouten, Anbietern, Touristinformationen und Literatur gibt es im Heft „Deutschland per Rad entdecken“ des ADFC e. V..

Mur-Radweg: Von alpin bis mediterran im grünen Herzen Österreichs

Auch Radfernwege in Österreich sind gut ausgebaut und beliebt, zum Beispiel der Mur-Radweg. Vom alpinen kernigen Norden und den Hohen Tauern führt er bis in den mediterranen Süden der Steiermark. St. Michael im Lungau ist ein guter Startort für den Mur-Radweg und leicht zu erreichen. Sepp Sampl, der Wirt der „Metzgerstubn“, kommt in der Krachledernen daher und erzählt, dass man in seinem Raddörfl in Holzhütten preiswert übernachten kann. Diese Raddörfl gibt es überall in Etappenentfernung längs des Wegs. Von hier aus geht’s etwa 312 Kilometer die Mur entlang und im Endeffekt abwärts. Doch man sollte sich nicht täuschen lassen. Zwar führt der Mur-Radweg als Ganzes betrachtet von 1.750 Meter Höhe ab dem Ursprung der Mur bei der Sticklerhütte oder 1.075 Meter ab St. Michael im Lungau hinunter auf 210 Meter in Bad Radkersburg. An den ersten beiden Tagen aber ist schon mit einigen Anstiegen zu rechnen. Grüne Schilder, auf denen weiß „Mur-Radweg“ oder „R2“ zu lesen steht, weisen den Weg. Via Murau, Judenburg, Leoben und die fesche Landeshauptstadt Graz geht es bis an die slowenische Grenze. Die Abschlussfeier für müde Radlermuskeln findet in entspannenden blauen Fluten der Therme Bad Radkersburg statt. Wahrlich, ein blaues Wunder im grünen Herzen Österreichs.

Entlang der Rhône radeln in der Schweiz: Von Bergen zu Palmen

Ins Veloland Schweiz locken viele Velorouten, eine davon ist die Rhône-Route. Der Anstieg zu Beginn hinauf auf den Furkapass lässt sich umgehen, indem man im Goms beginnt, dem angeblich schönsten Hochtal der Alpen. „Auf wie viel Höhenmetern leben Sie denn?“, fragt man mich gleich nach der Ankunft im malerischen Bergdorf Oberwald mit seinen alten Walliser Holzhäusern. „So um die 250 Meter hoch.“, ist meine kleinlaute Antwort, und ich werde belehrt, dass ein Schweizer stets ganz genau wisse, auf wie viel Höhenmetern er lebe. Daraus schließen zu wollen, dass es bei den Eidgenossen für Radfahrer nur steil zuginge, wäre dennoch schlichtweg falsch. Denn von hier aus fährt man auf der Rhône-Route, der Nationalen Route Nummer 1, durch ganz verschiedene Regionen gemütlich vor sich hin, immer abwärts, wie das Wasser der Rhône. Vom Fuße der imposanten Bergkulisse von Furka- und Grimselpass aus geht es zunächst an majestätischen Berggipfeln vorbei. Optimale Beschilderung, rote Schilder mit hellblau-weißem Fahrradpiktogramm und Kilometrierung, begleitet uns weiter durch Sierre und Sion, vorbei an Obstbäumen und Weinbergen. Bis nach Genf und an die Palmenpromenaden des Genfer Sees sind es auf der Rhône-Route 316 Kilometer Radgenuss pur.

Reisen auf zwei Rädern ist umweltschonend, steigert die Kondition und bietet Erlebnisse pur und ungefiltert. Kein Wunder, da ist man ganz nah dran und mitten drin.

Weitere Infos

  • Mainradweg/Deutschland: Von einer der Quellen bis zur Mündung in den Rhein in Mainz, ca. 600 km.
  • Mur-Radweg/Österreich: Von der Sticklerhütte bis Bad Radkersburg, ca. 365 km.
  • Rhône-Route/Schweiz: Ab Andermatt bis Genf, ca. 320 km.
Judith Weibrecht, Judith Weibrecht

Judith Weibrecht - Judith Weibrecht wurde in Fürth/Franken geboren. Schon früh sagte man ihr übertriebene Reiselust nach (angeblich von der ...

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