Karlsruhe – die schönsten Straßen und Plätze

Zahlreiche Wohnviertel bieten sehenswerte Architektur

Schlossplatz in Karlsruhe - Eberle
Schlossplatz in Karlsruhe - Eberle
In Karlsruhe sollte man einen Spaziergang abseits der Fußgängerzone wagen: Zahlreiche Viertel bieten Straßen und Plätze mit sehenswerter historischer Architektur

Dass man in Karlsruhe Architektur studieren kann, hat Tradition: Die heutige Eliteuniversität ist einer der Nachfolger der Bauschule, die der berühmte klassizistische Architekt Friedrich Weinbrenner im Jahr 1800 in Karlsruhe gegründet hatte. Generationen von Architekturprofessoren und Studenten haben im 19. Jahrhundert die Architektur der Stadt geprägt. Wer die Augen auf macht, findet glänzende Beispiele ihres Schaffens noch heute in großer Zahl.

Der Schlossplatz und der Fächergrundriss

Karlsruhe ist noch eine junge Stadt. Keine mittelalterlichen, verwinkelten Gassen, sondern ein streng angelegtes Straßenraster prägen die Innenstadt, geplant als barocke Anlage zusammen mit dem Schlossbau. 1715 wurden Schloss und Stadt von Markgraf Karl Wilhelm von Baden-Durlach (reg. 1709-1738) gegründet. Das erste Karlsruher Schloss war noch bescheiden und wurde später durch seinen Nachfolger, Markgraf Karl Friedrich (reg.1746-1811), durch einen Neubau ersetzt. Von Anfang an geplant war jedoch die Aufteilung der Stadtanlage, für die Karlsruhe bis heute berühmt ist: der Fächergrundriss. Genau genommen ist es ein Stern, zählt man die Radialstraßen im nördlich angrenzenden Hardtwald dazu. 32 Straßen laufen auf einen Mittelpunkt zu – den Schlossturm. Wer heute von der Haupteinkaufsstraße, der Kaiserstraße, in eine der Querstraßen einbiegt, kann immer den Schlossturm sehen. Allerdings: Der schräge (anstatt rechtwinklige) Verlauf der Seitenstraßen bringt bei Ortsunkundigen doch manchmal Schwierigkeiten bei der Orientierung mit sich.

Vor dem Schloss erstreckt sich der mit Brunnen und Grünflächen geschmückte Schlossplatz, hinter dem Schloss der Schlossgarten – eine grüne Oase inmitten der Stadt. Schönster Ort im Bereich des Schlosses: Der Botanische Garten mit den Resten der historischen Gewächshäuser, deren Eisenkonstruktion heute von Kiwis und anderen Pflanzen bewachsen ist.

Altbauten in großer Zahl, ganz zentrumsnah

Von der barocken Bebauung mit einfachen Modellhäusern sind in der Stadt ein paar wenige erhalten geblieben. Insgesamt ist es eher die Architektur des 19. und frühen 20. Jahrhunderts, die Karlsruhe heute prägt: Klassizismus, Historismus und Jugendstil. Rund um den Fächer sind im Laufe des 19. Jahrhunderts zahlreiche Wohnviertel entstanden. Auswärtigen, die nur die Karlsruher Fußgängerzone kennen, gilt Karlsruhe oft als langweilige, bisweilen sogar hässliche Stadt. Sicher, auch Karlsruhe hat im Zweiten Weltkrieg große Zerstörungen erlitten. Doch vieles wurde wieder aufgebaut und wer sich in die Seitenstraßen und vor allem die umliegenden Wohnviertel wagt, wird eines besseren belehrt – Altbauten mit Flair gibt es in Karlsruhe in großer Zahl. Wenn auch nicht alle im Innern gut in Schuss sind: Für Studenten und Stadtbegeisterte bieten Südstadt, Südweststadt, West- und Oststadt jede Menge zentrumsnahen Wohnraum in historischer Kulisse. Typisch dabei: Eine mehrstöckige Blockbebauung im Stil des Historismus, mit dem man in der zweiten Hälfte des 19. Jahrhunderts frühere Stile nachahmte. So prägt eine Mischung von Elementen aus Mittelalter, vor allem aber Renaissance und Barock die Bauplastik der Fassaden. Dazwischen mischen sich Ornamente und ganze Häuser in den moderneren, freieren Formen des Jugendstils.

Der Marktplatz: berühmtes Beispiel des Klassizismus

Der bekannteste Platz, Karlsruhes Marktplatz, ziert heute fast jedes Baugeschichte-Buch. Die Platzgestaltung Friedrich Weinbrenners gehört zu den berühmten deutschen Beispielen klassizistischer Architektur und Stadtplanung. Ab 1797 plante Weinbrenner, badischer Baudirektor und Architekturprofessor, die Erweiterung der bis dahin noch kleinen Stadt. Vom Schloss aus entstand eine dominierende Straßenachse, die Via Triumphalis, mit einer Reihe von Plätzen und Denkmälern, die bis zur heutigen Kriegsstraße reicht. Endpunkt war das schon 1872 wieder abgerissene Ettlinger Tor. Bekanntestes Denkmal der Via triumphalis und Wahrzeichen der Stadt Karlsruhe ist die Pyramide, unter der der Stadtgründer, Markgraf Karl Wilhelm, begraben liegt. Am Marktplatz stehen auch die evangelische Stadtkirche und gegenüber das Rathaus mit ihren an der Antike orientierten Säulenvorhallen, die wohl bekanntesten Werke Weinbrenners in Karlsruhe. 1826, kurz nach dem Tod des Architekten, war das Ensemble vollendet.

Beliebte Plätze in der Weststadt: Gutenbergplatz und Haydnplatz

Viele der Plätze in der Innenstadt – ob Marktplatz, Ludwigsplatz oder Stephanplatz, sind heute mit Cafés bevölkert. Doch es gibt noch andere Plätze in Karlsruhe, die vor allem Einheimische kennen und lieben: Den Gutenbergplatz in der Weststadt zum Beispiel, als Ensemble denkmalgeschützt und von zwei Brunnen geschmückt: dem Pelikanbrunnen und dem Krautkopfbrunnen von 1905. Echte Krautköpfe gibt es auf dem Platz bisweilen natürlich auch. Dreimal wöchentlich findet hier ein Markt statt. Alte Linden, mehrere Cafés und der Weinladen des bekannten Sommeliers Guntram Fahrner machen den Platz auch an Nicht-Markttagen zu einem beliebten Ort.

Weniger Trubel, dafür Grün und ein sanftes Plätschern gefällig? Der 1904-1913 angelegte Haydnplatz, ebenfalls in der Weststadt gelegen, ist klein, aber fein: Er bietet ein Fleckchen Gras, eingerahmt von Blumen, dazu einen Brunnen und wird von einer im Halbkreis angelegten Randbebauung eingefasst. Für Anwohner und Angestellte der naheliegenden Behörden eine beliebte kleine Oase für die Mittagspause. Auch ein Spaziergang durchs angrenzende Viertel lohnt sich. Ganz in der Nähe des Haydnplatzes liegt die Hildapromenade mit ihren Villen und ihrem mittleren Grünstreifen, auf dem einst die Eisenbahn fuhr. Auch die Gebäude des Generallandesarchivs und die Wohnbebauung einiger Seitenstraßen, die teilweise aus der Gründerzeit (Historismus) oder dem Jugendstil stammt, verleihen dem Viertel einen repräsentativen Charakter. Ein Stück weiter nach Westen lockt das Musikerviertel (die Straßen sind hier nach berühmten Komponisten benannt) mit großen und entsprechend teuren Altbauten.

Jugendstil in Hülle und Fülle – zum Beispiel von Hermann Billing

Karlsruhes schönste Straße? Vielleicht ist das die Baischstraße. Nicht gerade in idyllischer Lage, sondern am Verkehrsknotenpunkt Mühlburger Tor liegt sie – von außen kaum sichtbar, denn ein großes Torhaus grenzt sie ab. Dahinter befindet sich eine kleine Stichstraße mit Jugendstilvillen, die der bekannte Karlsruher Architekt Hermann Billing 1901-1903 errichtete. Die verschiedenen Spielarten dieser Kunstrichtung sind hier versammelt: Bemalte, eher volkstümlich inspirierte Holzverkleidungen, aber auch Haustein mit plastischen, teilweise vergoldeten Ornamenten sind an den Fassaden zu sehen. Ein Doppelhaus ist stellenweise mit knallblauen Fliesen verkleidet. Garteneinfassungen, Geländer und Lampen sind in der Baischstraße ebenfalls original erhalten beziehungsweise. rekonstruiert worden. Wer vom Jugendstil noch nicht genug hat, findet zum Beispiel rund um die Eisenlohrstraße an der Günther-Klotz-Anlage zahlreiche weitere sehenswerte Wohnbauten. Aber eigentlich überall rund um die Innenstadt von Karlsruhe gilt: Augen auf, es lohnt sich.

Sandra Eberle, Eberle

Sandra Eberle - Als freie Kunsthistorikerin ist es mein besonderes Anliegen, auch Nicht-Experten für Kunst und Architektur – und das, was ...

rss