
- Die Thorarolle - Dieter Schütz / pixelio. de
Das Judentum ist eine Religion der Schriften. Der Tanach, die Bibel der Juden, und der Talmud, eine Erläuterung zu den jüdischen Gesetzen, sind die Hauptwerke, auf die sich das Judentum stützt. Sie beinhalten alle jüdischen Gesetze, sind maßgebend für das jüdische Leben, identitätsstiftend und richtungsweisend. Die Sprache der jüdischen Schriften ist hebräisch. Teile sind auf aramäisch verfasst, das dem Hebräischen sehr ähnlich ist.
Der Tanach
Der Tanach ist die Heilige Schrift der Juden. Etwa ab 1000 vor Christi wurde er als Sammlung mündlicher Überlieferungen niedergeschrieben, circa 100 nach Christi war er in Umfang und Einteilung endgültig fertig. Er besteht aus drei Büchern: der Thora (Weisung), den Neviim (Propheten) und den Ketuvim (Schriften). Diese drei Teile sind nach ihrer Entstehungszeit und gleichzeitig nach ihrer Bedeutung geordnet. Der Tanach ist auch für das Christentum und den Islam richtungsweisend. Das Alte Testament des Christentums ist mit ihm beinahe identisch, nur die Anordnung der Schriften ist etwas anders und in der katholischen Bibel wurden noch einige Bücher hinzugefügt.
Die Thora, auch Pentateuch (griechische Bezeichnung) genannt, besteht aus den fünf Büchern Mose und ist für die Juden der bedeutendste Teil des Tanach. Sie ist die Quelle des jüdischen Rechts und Wegweiser für das jüdische Leben. In einem großen erzählerischen Bogen wird von der Schöpfung bis zum Einzug der Israeliten ins Gelobte Land berichtet. Die Thora enthält die 613 jüdischen Mitzwot (Gebote), die das Leben eines jeden frommen Juden bestimmen. In jüdischen Gottesdiensten wird von Thorarollen, auf zwei Stäben aufgerolltes Pergamentpapier, gelesen. Solche Thorarollen werden grundsätzlich in Hebräisch und von Hand geschrieben. Laut traditioneller jüdischer Überlieferung erhielt Mose die Thora von Gott auf dem Berg Sinai, jedoch nicht nur die schriftliche, sondern auch die mündliche, in der die 613 Gebote genauer erläutert werden. Diese mündliche Thora wurde später im Talmud niedergeschrieben.
Die Neviim (Prophetenbücher) sind der zweite Teil des Tanach. Sie enthalten die Bücher der frühen Propheten Josua, Richter, Samuel sowie der Könige, in denen die frühe Geschichte Israels erzählt wird, und jene der späten Propheten, Jesaja, Jeremia, Ezechiel sowie das Buch der zwölf kleinen Propheten. Die Ketuvim (Schriften) bilden den dritten Teil des Tanach. Sie umfassen die Psalme, die Sprüche Salomons, das Buch Ijob, die fünf Megillot, die in jüdischen Festritualen verlesen werden, und die vier Geschichtsbücher.
Der Talmud
Der Talmud ist eine der wichtigsten Säulen des Judentums. Er ist die mündliche Thora, die Mose neben der schriftlichen am Berg Sinai von Gott erhalten hat. Sie wurde im vierten Jahrhundert zuerst in Palästina und etwa hundert Jahre später noch einmal in Babylonien niedergeschrieben. Letztlich hat sich der babylonische Talmud durchgesetzt. Der Talmud besteht aus der Mischna, in der diese mündliche Lehre festgehalten wird, und aus der Gemara, in der die Lehre diskutiert wird. Rechts und links dieses Textes stehen Kommentare des 1105 verstorbenen Rabbi Schlomo Jizchaki (genannt Raschi) und seiner Schüler. Die Mischna im Talmud ist in folgende sechs Ordnungen gegliedert:
- Seraim (Agrarbestimmungen)
- Moed (Bestimmungen für Festtage)
- Naschim (Ehe- und Familienrecht)
- Nesikin (Zivil- und Strafrecht)
- Kodaschim (Tempel- und Opferriten)
- Tohorot (Reinheitsgebote)
Die Schriften der jüdischen Religion sind in einem Prozess, der sich über 2000 Jahre dahinzog, entstanden. Beim Tanach dauerte es etwa 1200 Jahre bis er vollständig geschrieben und gegliedert worden war. Das Buch Daniel aus dem Jahr 165 vor Christi, das zu den vier Geschichtsbüchern der Ketuvim gehört, ist eine der letzten Schriften, die in den Tanach aufgenommen wurden. Etwa 100 nach Christi wurde er endgültig fertiggestellt. Die mündliche Thora, der Talmud, wurde im vierten Jahrhundert nach Christi in Palästina erstmals niedergeschrieben, später nochmals in Babylonien. Durch ständige Diskussionen und Analysen wurde der Talmud bis ins Mittelalter hinein weiterentwickelt. Heute sind der Tanach und der Talmud die unumstrittenen Grundpfeiler des Judentums, historisch und zeitlos.
