
- Barbizon Ende des 19. Jahrhunderts - Wikimedia/Claude Shoshany
Am Rande des Waldes von Fontainebleau liegt das Dorf Barbizon. 1830 fand sich dort eine Gruppe von Malern zusammen, um gemeinsam neue Ziele in der Landschaftsmalerei zu verfolgen.
Die Schule von Barbizon
Gegründet wurde die Malerkolonie von Théodore Rousseau. Ihre bekanntesten Mitglieder waren Charles-François Daubigny, Constant Troyon, Henri Harpignies und Jules Dupré. Jean-François Millet und Camille Corot werden häufig mit zur Schule gezählt, gehörten streng genommen aber allenfalls am Rande dazu. Corot hatte bereits vor 1830 in Fontainebleau gemalt und hielt sich nur kurz in Barbizon auf. Millet, der zwar nach 1849 in Barbizon lebte und ein enger Freund Rousseaus war, malte nur selten reine Landschaften und verfolgte einen eher sozialen Realismus.
Beeinflusst wurden die Maler der Schule von Barbizon vom englischen Landschaftsmaler John Constable, dessen Werk „Heuwagen“ im Louvre zu sehen war, und der für sein Gemälde bereits umfangreiche Studien in der freien Natur angefertigt hatte. Auch die holländischen Landschaftsmaler dienten den Künstlern von Barbizon als Vorbild, namentlich Meindert Hobbema und Jacob van Ruisdael, deren Bilder allerdings nach akademischer Tradition im Atelier entstanden waren.
Ziele der Schule von Barbizon
Die Maler der Künstlerkolonie wollten sich lossagen von der akademischen Landschaftsmalerei, die noch immer idealistische Landschaften favorisierte. Sie widersprachen den nach heroischen und romantischen Vorgaben komponierten Landschaftsdarstellungen der Zeit.
Auch sollte das Motiv der Landschaft um der Landschaft willen eine höhere Wertschätzung erfahren: Landschaft nicht mehr als Hintergrundkulisse für mythologische Szenerien oder historische Scharmützel, sondern Landschaft schlichtweg als stimmungsvolle Darstellung der Natur. Damit gerieten auch bislang unbeachtete Motive wie weite Ebenen, Baumgruppen und Felsen im wechselnden Licht ins Visier der Maler.
Den klassisch-idealen Landschaften wurden emotional empfundene, stimmungsvolle Naturausschnitte entgegengesetzt. Diese sogenannten paysage intime dienten keinem weiteren Zweck als der Darstellung einer schönen Landschaft, die der Erbauung des Betrachters dienen sollte.
Die Natur in ihrer Realität darstellen heißt Licht, Atmosphäre und Bewegung einfangen. Dies ist nur möglich, indem man hinausgeht und vor Ort malt. Die Erfindung der Tubenfarben im 19. Jahrhundert erlaubte nun, dass man statt im Atelier jetzt direkt in der freien Natur malen konnte. Die Freilichtmalerei, auch plein-air-Malerei genannt, die wichtigste Basis des Impressionismus, war geboren.
Lediglich die Erneuerung der Landschaftsmalerei war das Ziel der Schule von Barbizon. Die Technik blieb davon unangetastet, so dass es keine einheitliche Malweise der Schule gibt.
Die wichtigsten Vertreter der Schule von Barbizon
- Théodore Rousseau (1812-1867): Er gilt als Gründer der Gattung der paysage intime und einer der ersten Freilichtmaler. Seine Motive fand er hauptsächlich im Wald von Fontainebleau. Seine Bilder wirken oft flüchtig, skizzenhaft und unfertig und wurden deshalb von seinen Zeitgenossen nicht anerkannt. Trotz der leichten Malweise wohnt in seinen oft dunklen Bildern auch eine gewisse Schwermütigkeit und Einsamkeit.
- Charles-François Daubigny (1817-1878): Seine Landschaften wirken schwereloser als die von Rousseau. Die Gesamtkomposition ist zwar kompakter, aber dadurch, dass die Konturen verwischen und er immer wieder Lichtreflexe setzt, bekommen sie mehr Leichtigkeit und wirken harmonischer und gefälliger.
- Constant Troyon (1810-1865) unterscheidet sich von seinen Barbizon-Kollegen, indem er meist Landschaften mit Tieren malt.
- Jules Dupré (1811-1889): Auf einer Englandreise hatte er Gelegenheit, die Malerei Constables gründlich zu studieren. Neben Rousseau gehört er zu den Malern in Barbizon, die die paysage intime am konsequentesten verinnerlicht haben.
Die Bedeutung der Schule von Barbizon in der Kunstgeschichte
Die größte Bedeutung der Schule von Barbizon liegt in der Erschaffung einer neuen Art von Landschaftsmalerei. Die Freilichtmalerei bereitete den Weg vor für den Impressionismus. Zudem beeinflussten die Künstler von Barbizon die Gründung anderer Künstlerkolonien wie z.B. der von Worpswede.
