Die schwarze Kunst der Drucker, Setzer und Metteure

Bleisatz - Schwehn
Bleisatz - Schwehn
Gutenbergs Erfindung und Mergenthalers Linotype bestimmten bis ins Ende der 1970er Jahre den Buch- und Zeitungsdruck.

Die Erfindung des Johannes Gensfleisch von Sorgenloch aus der Mitte des 15. Jahrhunderts war bis in die zweite Hälfte des 20. Jahrhunderts das A und O des Buch- und Zeitungsdrucks. Was dieser Mann, besser bekannt als Johannes Gutenberg, erfunden hatte, prägte im wahrsten Sinne des Wortes die „schwarze Kunst“, bis zum Ende der 1970er Jahre und wurde erst dann ersetzt durch den Fotosatz. Es war ein aufwendiges Verfahren, eine auch schweißtreibende Arbeit für Drucker, Setzer und Metteure – beispielsweise, um eine Zeitung herzustellen. Was morgens im Briefkasten steckte, war in der Nacht zuvor auf ziemlich aufwendige Art und Weise hergestellt worden.

Die Linotype wurde von einem Schwaben erfunden

Allerdings hatten die Zeitungsmacher seit dem Ende des 19. Jahrhunderts Maschinen zur Verfügung, die Gutenbergs Handarbeit zu einem guten Teil erledigen konnten. Dazu gehörte vor allem die Ende des 19. Jahrhunderts von dem Schwaben Ottmar Mergenthaler in Amerika konstruierte Setzmaschine. Sie zählte seinerzeit – bis weit ins 20. Jahrhundert hinein – zu den genialsten Erfindungen. Sie wurde von einem amerikanischen Verleger Linotype getauft und trat ihren Siegeszug in so ziemlich alle Verlagshäuser der Welt an. Und so funktionierte sie:

Die Matrizen wurden mit Blei ausgegossen

Der Maschinensetzer an der großen und wuchtigen Linotype hatte vor sich das zur Veröffentlichung bestimmte Manuskript. Er bediente eine der Schreibmaschine ähnliche Tastatur. Bei jedem Fingerdruck löste sich aus einem Magazin in der Maschine ein Buchstabe in Form einer Matrize und glitt durch Führungsbleche über ein Förderband zu einem so genannten „Sammler“, wo die Wörter (mitsamt den Zwischenräumen) zusammengefügt wurden, bis eine Zeile entstanden war. Die gefüllte Zeile wurde dann automatisch zu einem „Elevator“ geschickt, wo die Matrize mit flüssigem Blei ausgegossen wurde. Nach dem Erkalten wurde diese Bleizeile auf ein zeilenbreites Blech, das „Schiff“ ausgestoßen. So sammelte sich dort Bleizeile nach Bleizeile zum ausgegossenen Artikel. Ein ausgeklügelter Ablegemechanismus bewirkte zugleich, dass die Buchstabenvorlagen zur Wiederverwendung mit einem Greifarm selbständig sortiert und zur Weiterverwendung in ihr ursprüngliches Magazin zurücktransportiert werden konnten.

In der Mettage wurden die Seiten zusammengestellt

Die so in Blei gegossenen Artikel, sie bestanden also aus einzelnen, hintereinander gereihten Bleizeilen, wurden anschließend in der Mettage in einem Schließrahmen in der Größe einer Zeitungsseite vom Metteur auf Anweisung eines „Umbruchredakteurs“ – der für das Layout zuständig war -, zu fertigen Seiten zusammengestellt. Hier wurden Texte und Bilder – Autotypien nach fotografischen Vorlagen oder Strichätzungen mit reiner Schwarz-Weiß-Wirkung – so geordnet, wie sie später auf den Zeitungsseiten erscheinen sollten. Damit war aber nur die halbe Arbeit getan. Es ging weiter:

Dann auf die Zylinder der Rotationsmaschine

In einer Prägepresse wurde das erhabene Schriftbild der fertig umbrochenen Seiten unter hydraulischem Druck von annähernd 200 Tonnen in eine biegsame Matrize eingeprägt. In der Abteilung „Stereotypie“ wurde diese Seitenmater, halbrund gebogen, in einen Gießautomaten eingespannt. Jetzt schoss auf 280 Grad erhitztes Blei in die Form – die ein Halbzylinder war. Es entstand eine halbrunde Bleiplatte mit erhabenen Buchstaben. Sie wurde schließlich zusammen mit den anderen Platten, die Zeitungsseiten werden sollten, auf die Zylinder einer Rotationsmaschine gespannt, Farbwalzen färbten sie ein mit Druckfarbe, und dann wurden, wenn sie rotierten, Bahnen von Endlospapier bedruckt. Ein Falzapparat falzte die bedruckten Seiten – das war der Rückenfalz der Zeitung – und beschnitt sie zum richtigen Zeitungsformat.

Vor 30 Jahren erst kam der Fotosatz

Während der einzelnen Fertigungsetappen erschien das Manuskript des Redakteurs also immer wechselweise in Spiegel- und Normalschrift. Das aufwendige Verfahren, das von den Druckern, Setzern und Metteuren große Fertigkeit verlangte, wurde erst vor gut 30 Jahren vom Fotosatz abgelöst; in der DDR allerdings zumeist erst mit der "Wende". Die Berufe sind ausgestorben. Sie gehörten in ihrer Zeit zu den angesehensten unter den Handwerksberufen.

Klaus J. Schwehn, Klaus J. Schwehn

Klaus J. Schwehn - Daß ich Journalist geworden bin, verdanke ich dem Umstand, daß mir meine Eltern kein Studium finanzieren konnten. (Ich ...

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