
- Statue von Phra Ruang - Wikimedia
Ein zentrales Thema des Buddhismus, unabhängig von Schulen und unterschiedlichen Strömungen, ist das Verlassen des Kreislaufs des Leidens und die Wiedergeburt. Die Sechs Daseinsbereiche, die im tibetischen Mahayana Buddhismus eine sehr große Bedeutung haben und dort auch oft im Bhavacakra, dem Rad des Lebens dargestellt werden, sind eine Versinnbildlichung dessen, was man nach der Wiedergeburt erwarten, beziehungsweise in welche Bereich man hineingeboren werden kann.
Sechs Daseinsbereiche im Rad des Lebens
Im Bhavacakra, dem Rad des Lebens, gibt es vier Kreise. Während der vierte und äußerste Kreis die Zwölfgliedrige Kette darstellt und das Bedingte Entstehen symbolisiert, widmet sich der dritte Kreis den Sechs Daseinsbereichen. Sie zeigen sehr deutlich, wenn auch manchmal in verschiedener Darstellungsweise, in welcher Form man wiedergeboren werden kann.
Bevor man sich aber den Sechs Daseinsbereichen widmet und versucht sie zu verstehen, muss man wissen, warum diese aufgezeigt werden und in welchem Zusammenhang sie mit der Wiedergeburt oder dem Verlassen des leidvollen Lebenskreislaufes stehen.
Karma und Wiedergeburt
Man könnte das Karma vereinfacht so beschreiben, dass alle Taten die wir durchführen auch eine Reaktion zur Folge haben und damit Einfluss auf die stoffliche Welt nehmen. Jegliches Handeln, sogar Denken erzeugt Karma und führt somit unweigerlich zu weiteren Verstrickungen in der materiellen Welt. Das Ziel jeder buddhistischen Praxis ist es, kein Karma mehr zu erzeugen und somit dem Kreislauf des Lebens zu entkommen und keine neue Wiedergeburt zu durchlaufen.
Das Karma, welches direkt mit der Wiedergeburt zusammenhängt ist das Janaka-kamma, oder auch Wiedergeburt-erzeugende Karma. Es gibt noch drei weitere Arten von Karma, welche Auswirkungen haben, doch keines steht in einem so engen Zusammenhang mit den Sechs Daseinsbereichen wie das Janaka-kamma, welches eine Art Entscheidungsträger darstellt, in welchem Daseinsbereich jedes Lebewesen wiedergeboren wird.
Bedeutung und Bezeichnung der Sechs Daseinsbereiche
Die Sechs Daseinsbereiche, die im Sanskrit auch Lokas genannt werden, tragen folgende Bezeichnungen:
- Der Bereich der Götter
- Der Bereich der eifersüchtigen Götter
- Der Bereich der Menschen
- Der Bereich der Tiere
- Der Bereich der hungrigen Geister
- Der Bereich der Hölle
Das Dasein im Bereich der Menschen ist allen anderen vorzuziehen, denn obwohl er großem Leid unterworfen ist, hat jedes Leben hier die größte Chance, die Lehren des Buddhismus in sich aufzunehmen um somit dem Kreislauf des Lebens zu entkommen.
Alle Sechs Daseinsbereiche verkörpern bestimmte Charaktereigenschaften oder Attribute. So steht der Bereich der Götter für den Stolz, der Bereich der eifersüchtigen Götter für die Eifersucht, der Bereich der Menschen für das Leiden, der Bereich der Tiere für die Unwissenheit, der Bereich der hungrigen Geister für die Gier und der Bereich der Hölle für den Hass.
Die Lokas im im thailändischen Theravada-Buddhismus
Die Sechs Daseinsbereich, die vor allem im tibetischen Mahayana Buddhismus Anwendung finden, spiegeln sich in der ein oder anderen Weise auch in anderen Schulen wider. Ein sehr gutes Beispiel ist das Traibhumikatha, besser bekannt als Traiphum Phra Ruang oder Die Drei Welten nach König Ruang. Hier wird das Konzept der Wiedergeburt in Drei Welten symbolisiert: Die Welt der Sinnlichkeit, Die Welt der reinen Form und Die Welt der Nicht-Form.
Diese drei Welten, welche als Ebenen dargestellt werden, bestehen aus 31 Regionen der Existenz, in dessen Mitte sich der Berg Meru befindet. Genau wie bei den Sechs Daseinsbereichen im tibetischen Buddhismus, so findet sich auch in den Drei Welten Bereiche wie die der Dämonen, Geister, Menschen oder Tiere. Die Sechs Lokas sind somit ein allumfassendes Prinzip, welches in der ein oder anderen Form in jeder Schule des Buddhismus zu finden ist.
