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Im Lotos-Sutra, ein Lehrtext, der im Mahayana-Buddhismus neben dem Diamant-Sutra als einer der wichtigsten gilt, werden sechs Tugenden beschrieben, die den Menschen dabei helfen sollen, Erleuchtung zu finden. Diese sechs Tugenden werden gesammelt auch als Paramita bezeichnet. Ein Äquivalent dazu findet man auch im Theravada-Buddhismus. Dort gibt es zehn Tugenden, die auch als Parami bekannt sind.
Eine Liste der sechs Tugenden
- Freigebigkeit (Dana paramita)
- Ethische Richtlinien (Sila paramita)
- Geduld (Kshanti paramita)
- Entschlossenheit (Virya paramita)
- Meditation (Dhyana paramita)
- Weisheit (Prajna paramita)
Die ethischen Richtlinien, Freigebigkeit und Geduld
Während die Freigebigkeit (Dana paramita) im Hinduismus eine wichtige moralische Forderung in der Ethik darstellt und stellvertretend für eine Vielzahl von Geschenken steht, gibt es im Buddhismus vorrangig zwei Definitionen. Zum einen steht es für das Schenken in einer altruistischen Haltung, also ohne jedwede Art der Gegenleistung zu erwarten, und zum anderen für das Weitergeben von Weisheit und Energie. Bei den ethischen Richtlinien (Sila paramita) handelt es sich um die sogenannten fünf Silas, wobei es sich um eine Sammlung von sittlichen Regeln handelt, die vor allem von ordinierten Anhängern eingehalten werden und bei Eintritt in das Ordensleben als ein Gelübde abgelegt werden müssen. Die Tugendregeln können allerdings auch von Laienanhängern abgelegt werden. Die Geduld (Kshanti paramita) gilt als eine der wichtigsten der sechs Tugenden, da es direkt das Verständnis des Karmas reflektiert, dass jede Wirkung eine Ursache hat und es enormer Geduld bedarf, dies nicht nur zu verstehen, sondern auch zu leben. Von dem vietnamesischen Zen-Meister Thich Nhat Hanh wird der Begriff Einschließlichkeit für das Kshanti paramita bevorzugt.
Entschlossenheit, Meditation und die Weisheit
Bei der Entschlossenheit (Virya paramita) handelt es sich nicht nur um die namensgebende Entschlossenheit, Dinge konsequent durchzuführen, sondern auch um den Willen und die Kraft, Hürden im Leben zu meistern und den Fokus, sich bei seiner Aufgabe von nichts ablenken zu lassen. Meditation ist in den meisten Strömungen des Buddhismus ein wichtiges Mittel, um zur Erleuchtung zu gelangen. Dementsprechend beschreibt die Meditation (Dhyana paramita) in den sechs Tugenden des Lotos-Sutra die Fähigkeit der Menschen, den Geist über eine lange Zeit zu fokussieren, bis zum Erleben der vollkommenen Auflösung des Individuums.
Die Weisheit (Prajna paramita) ist die Höchste der sechs Tugenden des Lotos-Sutra und bezeichnet den Weg des Erwachten weg vom Leid, der Anhaftung und hin zu dem transzendenten Zustand der Erleuchtung, dem Eintritt in das Nirwana. Es ist das Wissen um die höchste Weisheit und das Verständnis der Leere. Prajna paramita ist auch die einzige der sechs Tugenden, die als Bildnis dargestellt werden kann. Es handelt sich dabei um eine menschliche Gestalt – oft nicht erkennbar, ob es sich um einen Mann oder eine Frau handelt – die einen verzierten Gürtel und eine dreistufige Krone trägt. In der rechten Hand befindet sich immer ein Lehrtext in Schriftrollenform und in der linken eine Lotusblüte.
Quellen:
- Ellison Banks Findly: Dana - Giving and Getting in Pali Buddhism
- Louis Frédéric: Buddhismus - Götter, Bilder und Skulpturen
- Thich Nhat Hanh: Die fünf Pfeiler der Weisheit
- The Prajnaparamita Literature
