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Die Sozialisationsinstanz Beruf im Wandel

Sozialisationsinstanz Beruf - Stefan Dassler
Sozialisationsinstanz Beruf - Stefan Dassler
Auch die Sozialisationsinstanz "Beruf" hat sich gewandelt. Wie unterscheidet sich beispielsweise der Beruf des Hufschmieds von modernen Berufen?

Sozialisationsinstanzen vermitteln Wertvorstellungen, Rollenverhalten und Normen (beispielsweise Gerechtigkeit, Gleichbehandlung von Mann und Frau, Leistung). Neben Familie, Schule und Peergroup ist der Beruf eine wichtige Sozialisationsinstanz. Unter einem Beruf versteht man unter anderem eine auf bestimmte Einrichtungen oder Organisationen bezogene Tätigkeit, die ein Mensch beispielsweise für eine Vergütung regelmäßig erbringt. Manche Berufe verfügen über eine lange Tradition – teilweise mehrere Jahrhunderte.

Frühgeschichtliche Berufe, Industrialisierung und postindustrielle Zeit

Zu den ältesten, frühgeschichtlichen Berufen zählen beispielsweise Schmiede, Zimmerleute, Wächter, Priester, Heiler oder auch Prostituierte. Seit dem Mittelalter übernahmen Zünfte und Gilden die Ausbildung des beruflichen Nachwuchses (beispielsweise Besenbinder, Hutmacher, Gewichtemacher). Im Normalfall erlernte man einen einzigen Beruf und übte ihn sein Leben lang aus.

Mit der Industrialisierung ging ein sozialer und technischer Wandel einher. Alte, zumeist handwerkliche Berufe starben aus und neue Berufe entstanden (beispielsweise Apparatebauer, Elektroniker, Elektriker, Eisenbahner). In der postindustriellen Zeit des beginnenden 21. Jahrhunderts sind die Berufe von der überall zu findenden Verbreitung der Informationstechnologie in den gesellschaftlichen Bereichen und einem Wandel der Wertvorstellungen geprägt (beispielsweise Fachinformatiker/in, IT-Systemelektroniker/in, Mediengestalter/in für Digital- und Printmedien).

Die Sozialisationsinstanz Beruf heute

Heute zeigen sich im Vergleich zu früher neue Lebensläufe der Erwerbstätigen, die durch Berufswechsel, permanente Fortbildung und oftmals Phasen der Arbeitslosigkeit gekennzeichnet sind. Immer mehr Menschen befinden sich in Teilzeitarbeitsverhältnissen und Honorar-Arbeitsverhältnissen. Gering qualifizierte Beschäftigung und insbesondere Arbeitslosigkeit können erheblich zu Problemen beim Selbstwertgefühl und in der Selbstfindung der Betroffenen führen. Auch Nicht-Berufstätigkeit sozialisiert den Menschen beziehungsweise prägt seine persönliche und gesellschaftliche Entwicklung. Hinzu kommt, dass sich in unserer heutigen Gesellschaft der Mensch zumindest zum Teil durch seine Arbeit definiert – und durch sein Einkommen.

Was ist berufliche Sozialisation?

Berufliche Sozialisation ist der Aneignungsprozess von Kenntnissen, Fähigkeiten und Motiven, die in der Arbeitstätigkeit beziehungsweise im Beruf eingesetzt werden können. Sozialisation für den Beruf meint die Sozialisation in Familie und Schule, die die Aneignung von Fähigkeiten für bestimmte Berufe und Berufsfelder fördert. Beispielsweise kann das Erlernen von Gruppenarbeit in der Schule die Teamfähigkeit später im Beruf erleichtern. Diese vor-berufliche Sozialisation mündet in die erste Berufswahl und die Berufsausbildung in Betrieb, Berufsschule oder Hochschule.

Sozialisation durch den Beruf bedeutet, dass die im Arbeitsprozess vermittelten Erfahrungen persönlichkeitsfördernd und –bildend wirken. Beispielsweise können Erfahrungen durch Betriebs- und Berufswechsel oder durch Weiterbildungen die Persönlichkeit des Arbeitenden prägen.

Moderne Schlüsselqualifikationen im Beruf

Durch den beruflichen Sozialisationsprozess können berufliche Kompetenzen – insbesondere Schlüsselqualifikationen – aufgebaut werden. Schlüsselqualifikationen in der modernen Arbeitswelt sind überfachliche Qualifikationen und werden häufig in die Bereiche „Handlungskompetenz“, „Methodenkompetenz“, „Personale Kompetenz“ und „Soziale Kompetenz“ eingeteilt.

  • Handlungskompetenz - Beispielhafte Schlüsselqualifikationen: Problemlösefähigkeit, Entscheidungsvermögen und Durchsetzungsfähigkeit.
  • Methodenkompetenz - Beispielhafte Schlüsselqualifikationen: Analysefähigkeit, Planungsfähigkeit, Kreativität, abstraktes und vernetztes Denken.
  • Personale Kompetenz - Beispielhafte Schlüsselqualifikationen: Motivation, Flexibilität, Selbstständigkeit, Zuverlässigkeit und Leistungsbereitschaft.
  • Soziale Kompetenz - Beispielhafte Schlüsselqualifikationen: Kommunikationsfähigkeit, Kooperationsfähigkeit, Konfliktfähigkeit und Einfühlungsvermögen.

Literaturhinweis:

Dassler, Stefan: Sozialkunde FOS/BOS. Band 3: Gesellschaftliche Strukturen und Prozesse als Grundlage der Politik. Bildungsverlag EINS 2009. Schulbuch. 108 Seiten. Euro 10,95

Stefan Dassler, Dipl.-Handelslehrer, Stefan Dassler

Stefan Dassler - Dipl.-Handelslehrer (Studium der Wirtschaftspädagogik mit Schwerpunkt Organisationspsychologie an der Universität ...

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