Die Spuren der Seefahrer und Entdecker in Lissabon

Lissabon - Torre de Belém - Foto by tokamuwi (pixelio.de)
Lissabon - Torre de Belém - Foto by tokamuwi (pixelio.de)
Jedes Viertel hat seine ganz eigene Atmosphäre. Im Hafenviertel erinnert eine typisch portugiesische Architektur an die goldenen Zeiten Portugals.

Früher war hier die Schnittstelle zwischen Europa und den ehemals neu entdeckten Überseegebieten. Schon aus diesem Grund erwartet Sie in dem Hafenviertel Lissabons ein ganz besonderes Flair. Belém strahlt im Glanz seiner historischen Schätze wie dem Torre de Belém und dem Mosteiro dos Jerónimos. Letzteres ist ein ehemaliges Kloster, das 1502 von König Manuel I. in Auftrag gegeben wurde. Er gilt als Gründer der Manuelinik, einem Baustil, der spätgotische Einflüsse und erste Anzeichen der aufkommenden Renaissance aufnimmt. Die manuelinischen Gebäude sind mit christlichen und naturalistischen Symbolen dekoriert. Ein typisch portugiesischer Stil. Und das Hieronimuskloster, wie es auch genannt wird, ist sozusagen das Kronjuwel der Manuelinik. König Manuel I. hatte die Absicht, mit durch diese kunstvolle Architektur seine politische und persönliche Macht zu demonstrieren. Über das Westportal des Klosters gelangt man zu dessen Kirche, in der sich unter anderem das Grab des berühmten Entdeckers Vasco da Gama befindet. Auch der Nationaldichter Luís de Camões, der in „Os Lusiadas“ die großen Entdeckungsreisen glorifizierte, wurde hier symbolisch begraben.

Ein Spaziergang durch das Hafenviertel Belém in Lissabon

Auf dem Weg nach Belém kommen Sie am Cristo Rei vorbei, eine 28 Meter hohe Christusstatue, die mit ausgestreckten Armen auf einem 82 Meter hohen Sockel neben dem Ponte de 25 de Abril steht. Cristo Rei erinnert an die Christusstatue in Rio de Janiero und die Brücke an ein historisches Ereignis in jüngerer Vergangenheit: die friedliche Nelkenrevolution von 1974.

Ein Spaziergang durch Belém führt Sie vorbei am Palácio National de Belém, in dem sich die offizielle Residenz des Staatspräsidenten befindet. Davor ist eine kleine Parkanlage, der Jardim Afonso de Albuquerque. Und nicht weit davon entfernt liegt die Pastelaria „Pasteis de Belém“. Die dort seit 1837 produzierten Pasteis sind kleine Blätterteigtörtchen, die mit Sahne gefüllt und mit Zimt bestreut werden. Das Probieren dieser süßen Köstlichkeit sollte beim Besuch des Hafenviertels ebenso selbstverständlich sein, wie ein Blick auf das Denkmal der Entdeckungen: Padrão do Descobrimentos.

Am Hafen von Lissabon: Torre de Belém

Der ehemals bedeutendste Hafen Portugals befindet sich rund sieben Kilometer vom Zentrum Lissabons entfernt. Dort öffnet sich die Mündung des Tejos zum Meer hin und von dort aus begannen auch die Reisen der portugiesischen Entdecker und Eroberer, wie beispielsweise die von Vasco da Gama, der den Seeweg nach Indien erkundete. Auch die Schiffe des Pedro Álvares de Cabral legten in Belém ab, um für die portugiesische Krone Brasilien als Kolonie in Besitz zu nehmen. Und Schiffe aus Übersee brachten Gold, Gewürze und Sklaven nach Portugal.

1520 wurde der Torre de Belém von König Manuel I. zur Sicherung des Hafens gebaut. Ursprünglich gab es zwei Türme. So konnten die feindlichen Schiffe ins Kreuzfeuer genommen werden. Doch bei einem Erdbeben im Jahr 1755 wurde der zweite Turm zerstört. Der Torre de Belém gehört seit 1983 zum Weltkulturerbe der UNESCO. Er ist über eine Hängebrücke zugänglich. Trotz seiner militärischen Funktion ist der Turm im manuelinischen Stil reich dekoriert mit Kreuzen des Ritterordens, einer Skulptur des Lissabonner Schutzheiligen, São Vicente, und Schiffstauen.

Unter dem Nordostturm ist ein Nashorn dargestellt und erinnert damit an ein Geschenk, das König Manuel I. einst aus Indien erhielt. Es sollte angeblich gegen einen Elefanten kämpfen, doch der war von seinem Gegner sehr erschreckt und floh sofort. Daraufhin sollte das Nashorn Papst Leo X. überreicht werden. Aber auf dem Weg nach Italien kenterte das Schiff. Diese Geschichte diente im Übrigen Albrecht Dürer als Inspiration zu dem Holzschnitt „Rhinozeros“.

1580 – 1640 wurde das Land von den Spaniern besetzt und in dieser Zeit war der Keller des Torre do Belém ein Gefängnis für politische Gegner und andere „Schurken“. Noch heute lassen sich die Qualen erahnen, die die Insassen erleiden mussten, wenn ihnen bei Flut das Wasser bis zu den Hüften stand. Die Vorrats- und Waffenkammern befanden sich im Erdgeschoss. Darüber waren der Gouverneurssaal, der Königssaal und die Kapelle. Bei gutem Wetter können Sie von der Terrasse aus oder aus den Fenstern und Schießscharten nicht nur den Stadtteil Belém, sondern auch Sintra sehen.

Trotz der beeindruckenden Monumente, die an den ehemaligen Reichtum der Stadt erinnern, kann es in diesem Viertel auch ganz ländlich zugehen. Da baumelt schon mal frisch gewaschene Wäsche vor den Häusern oder es zieht ein köstlicher Speisegeruch durch die Straßen.

Quellen & weiterführende Informationen:

  • Claesges/Ruschmann. Lissabon & Umgebung, Reisebuchverlag Iwanowski GmbH, Dormagen, 2010.
  • Göttlicher/Drouve. Lissabon, Reich Verlag terra magica, Luzern/Switzerland, 2007.
Maria Vieira, Maria Vieira

Maria Vieira - Maria Vieira bietet seit 2007 einen Schreibdienst in Leipzig an. Zu ihrem Leistungsangebot gehört die Erstellung und das Lektorieren ...

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