Geschichte ist immer eine Frage des Standpunktes. Manche behaupten auch, dass die Weltgeschichte stets aus der Sicht der Sieger geschrieben werde. Wenn dann aus Siegern und Besiegten später Verbündete werden, kann sich der Blickwinkel in Teilen wieder ändern. Siehe zur Zeit des kalten Krieges, als Deutschland (West) eine positive Sicht zu und von den USA gewann, während Deutschland (Ost) den gleichen positiven Blick von und zu der UdSSR erhielt.
Geschichte und "herrschende Meinung"
Wir alle kennen die sogenannte „herrschende Meinung“. Es gibt diese nicht nur juristisch, oder im Hinblick auf die „political correctness“ – wo uns Thilo Sarrazin aufgerüttelt hat – sondern es gibt diese auch in der Geschichtswissenschaft. Weil eigentlich nicht sein kann, was so nicht sein darf.
Weg von ausgetretenen Wegen?
„Die Lügen der Alliierten und die deutschen Wunderwaffen – Das Dritte Reich, die Atombombe und der 6. August 1945“ lautet der Titel des Buches von Edgar Mayer und Thomas Mehner. Wer von ausgetretenen – manche würden sagen: ausgelatschten – Wegen der Geschichtsforschung abzuweichen nicht bereit ist, sollte das Buch unbeachtet liegen lassen. Das soll ausdrücklich nicht heißen, dass alle Ergebnisse der Autoren zutreffen, alle Rückschlüsse als richtig geteilt werden. Vieles aber ist zumindest des Nachdenkens wert – auch wenn man es im Ergebnis verwerfen oder nicht teilen sollte. Tatsache ist: Die beiden Autoren legen ihre Finger in vermeintlich offene Wunden der Geschichtsschreibung. Sollten sie recht haben, so wäre vieles in der Geschichte schlicht gefälscht und geklittert. Die Meinung darüber muss sich jedoch jeder Leser selbst bilden.
Atombombe und Tarnkappenbomber deutsche Erfindungen?
Ist die Atombombe eine deutsche Erfindung? War der 6. August das deutsche Angriffsdatum für einen Atombombenangriff auf New York? Der Angriff der Amerikaner mit der – erbeuteten deutschen - Atombombe auf Hiroshima ein perfider Racheakt? War die deutsche Forschung in Sachen Kernphysik viel weiter, als wir bisher ahnen? Genauso wie der Tarnkappenbomber? Gab es die „Horten IX“, war sie flugfähig und radarunsichtbar? Was wusste Wernher von Brau wirklich? Was gab er an die Amerikaner weiter, und was hat er verheimlicht? Und was hatte der Autor der durch die weltbekannten Filme berühmt gewordenen James-Bond-Figur, Ian Fleming, bei Kriegsende in Thüringen zu schaffen? War er bei der Bergung angeblich nicht existenter Geheimwaffen mit dabei? Welche Geheimnisse teilten deutsche und russische Forscher nach dem Krieg? Fragen über Fragen, zu denen es eigentlich nur Spekulationen, aber keine abschließenden Antworten geben kann. Bekanntlich wachsen die Legenden über deutsche Wunderwaffen an Zahl noch heute ungehemmt. Was aber, wenn auch nur ein kleiner Prozentsatz dieser Legenden wahr wäre? Müsste die offiziell-offiziöse Geschichtsschreibung dann korrigiert werden?
Sekundärquellen und "Zeugen vom Hörensagen"
Interessant auch die zahlreichen Quellen, welche die Autoren anführen. Bei einer großen Anzahl kann man auch bei kritischer Betrachtung die Originalität der Quellen nicht bestreiten. Bedingt durch die Zeit- und Sachlage sind viele Quellen aber sogenannte Sekundärquellen. Damit gehen die Autoren aber offen um. Wie der Jurist den „Zeugen vom Hörensagen“ zu bewerten hat, so muss der Historiker hier auch seine kritischen Rückschlüsse ziehen.
Ein Wissenschaftsroman?
So, wie man wirklich nicht alle Rückschlüsse der Autoren teilen darf, so wenig kann man alle ihre Positionen einfach mit einem Handstreich vom Tisch der Geschichte wischen. Eine, wenn auch sehr kritische, Auseinandersetzung ist hier gefragt. Und wenn man die Rückschlüsse nicht teilen kann: Wenn man das Werk als Wissenschaftsroman betrachtet, ist es in jedem Fall lesenswert. Schließlich enthebt uns kein Buch von der Pflicht, vom Hirnbesitzer zum Hirnanwender zu werden.
Ein gewisses Gruseln....
Das im Kopp-Verlag in Rottenburg erschienene Buch von Edgar Mayer in Thomas Mehner „Die Lügen der Alliierten und die deutschen Wunderwaffen – Das Dritte Reich, die Atombombe und der 6. August 1945“ hat die ISBN 978-3-942016-45-2 und ist zum Preis von € 19,95.- im Buchhandel erhältlich. Eines gewissen Gruselns kann man sich bei der Lektüre, wohl gleich, zu welchen Bewertungen man kommt, nicht erwehren.
