Lupinen kennt fast jeder, schließlich wachsen die ungefähr einen Meter hohen, blau, rosa, weiß und gelb blühenden Schmetterlingsblütler in Süddeutschland sogar als Spontanvegetation am Wegesrand. Sie erfreuen auch in den Gärten des übrigen Europa als Bienenweide, auch als Ernährung für Tagfalter, wie der Bläulinmg,mit ihrer farb- und formprächtigen Blüte, das Auge und Herz des Betrachters. Botanisch gesehen gehören die Pflanzen, wie die Sojabohne, zu den Leguminosen (Hülsenfrüchten). Volkstümlich sind sie auch unter dem Namen Wolfbohne (hergeleitet: lat. Wolf "lupus") bekannt.

Lupinen als Gründüngung, Körnerfutter und Bodenverbesserer in der Landwirtschaft

Die weißblühende " Lupinus albus" sowie die gelbblühende "Lupinus luteus Linne" werden als Gründüngung und Körnerfutter, besonders in Sandgegenden angebaut. Sie binden durch die sogenannten Knöllchenbakterien molekularen Luftstickstoff an die Wurzeln und hinterlassen ihn in organischer Bindung nach der Ernte im Boden. Auf diese Weise kommt eine optimale und trotzdem natürliche Düngung zustande. Die angereicherte Stickstoffmenge aus einer Leguminosen-Gründüngung beträgt, nach Erfahrungswerten, etwa 1 Kilogramm reinen Stickstoff auf 100 Quadratmetern, was ungefähr 8 Kilogramm Salpeterdüngung entsprechen würde.

Weitere Vorteile:

  • Sie baut durch die im Boden verbleibenden Wurzeln nährstoffreichen Humus auf.
  • Eine alljährliche Staunässe kann wegen der intensiveren Bodenlockerung verbessert werden.
  • Saure Böden werden neutralisiert.
  • Chemische Stickstoffdüngung wird Überflüssig.
  • Eine gute Humusbildung ist gewährleistet.
Weil die Kosten dieser Humus und Stickstoffdüngung gering sind, wird sie gerne, in Gemeinschaft mit den Effektiven Mikroorganismen, angewandt. Gleichzeitig ist auch eine gute Versorgung des Bodens mit Kupfer notwenig.

Lupinen bereichern mit ihrem Eiweiß auch die menschliche Ernährung

Wegen ihres bitteren Geschmacks und der sich daraus ergebenden umständlichen Zubereitungsweise, wurde die Lupine als menschliche Nahrung abgelehnt. Ein Irrtum führt in späterer Zeit dazu, den Verzehr der Pflanzen unter Strafe zu verbieten. Machte man doch die Lupinen für das große Schafsterben in Pommern (ca.13 000 Tiere) verantwortlich. Erst 1977 entdeckte dann eine australische Forschergruppe, dass nicht die Lupine, sondern ein Schimmelpilz im Stroh der Tiere, für das Sterben verantwortlich war.

Die lila blühenden Bitterstofflupinen sind zum Verzehr nicht geeignet. Neue Verarbeitungsmöglichkeiten, die die weiße Süßlupine als Grundlage zur Herstellung rein pflanzlicher Nahrungsmittel machen, zeigen erst die tatsächliche Vielfältigkeit der Pflanze. In den Mittelmeerländern sind Lupinensamen als Lebensmittel schon lange bekannt. Die Früchte der weißen Lupine, sie sehen aus wie große, plattgedrückte Maiskörner, werden dort gekocht und eingelegt als Partysnack, so nebenbei vernascht. Aus Lupinen wird auch Tofu hergestellt.

Lupinen sind keine neuen Pflanzen

"Alles neumodischer Kram", werden viele Zeitgenossen sagen. Weit gefehlt. Tatsächlich ist die Lupine eine der ältesten Nutzpflanzen. Lupinensamen wurden schon als Grabbeigabe in den Pharaonengräbern entdeckt und Hippokrates, der berühmteste Arzt des Altertums (460v. Chr.) lobte diese Pflanze wegen ihrer leichten Verdaulichkeit. Friedrich der Große legte besonderen Wert auf die Landwirtschaft. Auf sein Geheiß wurden leere Plätze mit Obstbäumen bepflanzt. Neben den Häusern entstanden Gemüsegärten. Es ist anzunehmen, dass er auch den Anbau von Lupinen, einmal wegen ihrer außergewöhnlichen Schönheit, andererseits weil er die Eigenversorgung des Landes mit Eiweiß sichern wollte, unterstützte. Hatte er doch die Lupinen auch bei seinen Kriegs,- und Eroberungszügen in anderen Ländern kennengelernt.

Im Forschungsinstitut für Pflanzenzucht in Müncheberg (Brandenburg) gelang 1929 die Züchtung der "Süßlupine" die laut Volksbrockhaus 1941, aus damaliger Sicht, für die unabhängige Eiweißversorgung Deutschlands wichtig sein sollte.

Weltweit experimentierte man mit der Pflanze, aber sie wurde bisher in keinem Land so richtig gewürdigt. Neigte man doch, besonders in den " Wirtschaftswunderjahren", dazu alles was als Ersatzstoff diente zu verbannen oder für ärmere Menschen in den "Entwicklungsländern" zu empfehlen.

Positive Zukunftsaussichten für die Lupine

International gesehen ist Australien, mit einer Anbaufläche von 424.000 ha (davon 93 Prozent Blaue Süßlupine) und einer Produktion von 530.000 Tonnen pro Jahr, der weltweit größte Produzent von Lupinen. Für deutsche Landwirte ist die Lupine längst die Sojabohne des Nordens. Verspricht sie doch, in einem strukturschwachen Gebiet, der Landwirtschaft ein zusätzliches Einkommen. Von Züchtungsforschern des Julius Kühn-Instituts (JKI) wurde bei der blauen Lupine eine Resistenz gegen die Pflanzenkrankheit Anthraknose-(Colletotrichum lupini) entdeckt, durch die die Eiweißpflanze wieder einen größeren Platz in der Fruchtfolge einnehmen könnte.

Zur Zukunft der Blauen Süßlupine (Lupinus angustifolius) in Europa meint Dr. Ruge-Wehling: "Die Blaue Süßlupine ist eine agrarökologisch interessante heimische Eiweißpflanze. Sie liefert ein Samenprotein, das für die Tierfütterung sehr gut geeignet ist. Aber auch für die menschliche Ernährung kommt Lupinenprotein als hochwertiger Ersatz für Soja- und Tiereiweiß in Frage." Nach Angaben des Instituts erwies sich die Resistenz in Labor- und Feldversuchen wirksamer als die der australischen Lupinensorte 'Tanjil'. Das JKI gibt bekannt, dass es, zusammen mit Partnern aus der Züchtung und dem Lebensmittelsektor Anstrengungen unternimmt, neue Anwendungsmöglichkeiten für die Blaue Süßlupine zu erschließen. Der Part des JKI besteht nach eigenen Angaben darin, den Rückstand im Zuchtfortschritt, den die Blaue Süßlupine gegenüber den Hauptfruchtarten wie Weizen oder Kartoffeln mittlerweile hat, zu reduzieren. "Wenn uns das gelingt, kann die Blaue Süßlupine in künftigen Fruchtfolgen einen festen Platz haben", so Ruge-Wehling. Die Ergebnisse der JKI-Wissenschaftler fanden kürzlich auf der 12. Internationalen Lupinenkonferenz in Fremantle, Australien, besondere Beachtung. Auf Vorschlag des Präsidenten der International Lupin Association (ILA), Dr. Erik von Baer, wurde die JKI-Wissenschaftlerin Brigitte Ruge-Wehling als Mitglied in die ILA aufgenommen.

Quelle: Landwirtschaftskammer Schleswig Holstein

Ein ergänzender Bericht: Der Anbau von Klee in der Landwirtschaft - kritisch gesehen, zeigt die politische Lage zum Anbau von Leguminosen im Jahr 2012.

Julius Kühn-Instituts (JKI)