Die Taroko-Schlucht auf Taiwan

Tor zu Taroko auf Taiwan - Gerhard Ott
Tor zu Taroko auf Taiwan - Gerhard Ott
Ilha Formosa, die schöne Insel, nannten die portugiesischen Kolonialisten die Insel Taiwan. Taroko, schön, nennen die Ureinwohner eine Gebirgsschlucht.

Kernstück des Taroko-Nationalparks im Osten der Insel Taiwan ist die Marmorschlucht, die der Fluss Liwu geschaffen hat. Die Klamm ist etwa zwanzig Kilometer lang. Sie reicht von Tienhsiang nach Taroko und ist in beiden Richtungen zu bereisen. Bis zu 600 Meter tief hat das Flusswasser den Marmor und den Granit ausgeschliffen. In den Bergen der Taroko-Schlucht lebten ursprünglich taiwanesische Ureinwohner namens Atayal. Im Gegensatz zu anderen Stämmen der Insel tätowierten sie sich vor allem das Gesicht und nicht nur Gliedmaßen. Die heutige Straße durch das Gebirgsmassiv folgt teilweise alten Routen der ehemaligen Kopfjäger. Der Bau begann 1956. Im Jahre 1960 wurde die Straße für den Verkehr freigegeben, 450 Arbeiter starben während der Bauarbeiten. Beim Tempel des ewigen Frühlings ist für sie ein Gedenkschrein errichtet worden.

Motorisiert durch die Schlucht Taroko

Von der Marmorstadt Hualien kommend beginnt hinter dem Eingangstor der Nationalparkverwaltung die landschaftlich reizvolle Tour. Vor dem Tor stehen oft geschäftstüchtige Ureinwohner des Ami-Stammes. Sie bieten allerlei gewebte Waren und Fotos feil. Dafür wird natürlich ein Entgelt erwartet. Man kann mit dem Taxi oder einem Bus fahren. Preise für Taxifahrten sollte man fest aushandeln. Die Busse der Tourismus-Gesellschaften haben Festtarife. Der Linienbus ist ausgesprochen preiswert. Die Fahrzeit durch die gesamte Schlucht dauert allerdings zehn Stunden. Wer mit einem Mietwagen selbstständig losfahren möchte, erfährt beim Taiwan Highway Büro, ob alle Straßen frei sind. Erdrutsche, Gewitter oder Erdbeben können die Route für längere Zeit unterbrechen.

Es geht in vielen Windungen hinauf, vorbei an Pavillons und Tempeln, Hängebrücken und Wasserfällen. Immer wieder atemraubende Ausblicke durch die Felsen hinunter in das Tal des Flusses Liwu. Die Straße ist einspurig. Mit chinesischer Gelassenheit wird sie in beiden Richtungen befahren. Vor jeder Kurve wird kurz gehupt. Die Autohörner gehen im Rauschen des Windes und des Wassers unter. Besonders schmal wird es an der Schwalbengrotte und in der Neun-Tunnel-Passage. Insgesamt gibt es 28 Tunnel. An etlichen Plätzen gibt es neben der Straße Fußgängertunnel. Von dort ist das grandiose Naturschauspiel in Ruhe zu betrachten.

Wanderwege in der Marmorschlucht

Auch zu Fuß kann man Taroko erkunden. Es gibt mehrere Gebirgswanderwege. Sie haben unterschiedliche Schwierigkeitsgrade und Dauer. Einer davon, der Paiyang Trail (chinesisch Báyáng Bùdào), ist besonders spannend. Knapp zehn Kilometer lang führt er von Tienhsiang flussaufwärts entlang eines Nebenflusses des Liwu. Hier ist das Wasser kristallklar. Die Marmorfelsen sind schneeweiß. Der Weg geht durch 25 Tunnelstollen. In zwei von ihnen stürzt Wasser von der Felsendecke. Um Tunnel und Wasserhänge zu überwinden, braucht man Regenkleidung und eine Taschenlampe. Sechs bis sieben Stunden benötigt man für den Hin- und Rückweg.

Nationalpark Taroko

Das etwa 1.000 Quadratkilometer – etwa die Fläche der Insel Rügen – umfassende Naturschutzgebiet wurde 1986 Nationalpark. Er erstreckt sich durch die Provinzen Hualien, Taijhong und Nantou. Geologisch ist die Schlucht mehr als vier Millionen Jahre alt. Das Gebirge entstand aufgrund von Aufschiebungen an der Grenze der philippinischen und eurasischen Erdplatte. Von der Mündung des Liwu-Flusses in den Pazifischen Ozean bis in die Berge umfasst er 3.700 Meter Höhenunterschied. An der Küste sind das Klima und die Vegetation tropisch und in den Höhen alpin.

Wer Taiwan besucht hat und nicht zur Tarokoschlucht gereist ist, war nicht in Taiwan.

Gerhard Ott, Annegret Ott

Gerhard Ott - Ott, Gerhard Manchmal genutztes Pseudonym: Perdurus Eus *11. Febr. 1954 in Walsum am Niederrhein, Studium Erziehungswissenschaften ...

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