"Die Tochter der Schwäne" - Historischer Roman von Julie Watson

Die Tochter der Schwäne - pixabay
Die Tochter der Schwäne - pixabay
Die irisch-keltische Sage um das Liebespaar Deirdre und Naoise neuerzählt in einer Geschichte voller Magie und Mythen

„Das Exil der Söhne Uislius“ gehört zu den großen Sagen der irisch-keltischen Mythologie. Als Auftakt des berühmten „Ulster-Zyklus“ – den Sagen um den nordirischen König Conchobhar und seinen Helden Cúchulainn – steht die Geschichte um Deirdre und Naoise in ihrer Tragik den großen Liebesgeschichten des Abendlandes in nichts nach. Liebe, Schönheit, Verrat und Verderben finden sich in den „Söhnen des Usnech“ – ebenso das menschliche Streben nach Glück und Selbstbestimmung. Julie Watson ist es meisterhaft gelungen, dies in ihrem Roman „Die Tochter der Schwäne“ (Original: „The Swan Maiden“) miteinander zu verflechten.

Die widerspenstige Schöne

Das Königreich Ulaid, Nordirland: Wohlstand und Friede herrschen unter König Conor, gestützt von den treuen Kriegern des „Roten Zweiges“, allen voran die Helden Cúchulainn und Naisi. Doch eine düstere Prophezeiung liegt über dem Königssitz Emain Macha. 20 Jahre sind vergangen, seit der Druide Cathbad der ungeborenen Deirdre überirdische Schönheit weissagte – die dem Königreich Verderben bringen soll. Grausam der Beschluss des „Roten Zweiges“, das Kind nach seiner Geburt zu töten. Was jedoch keiner ahnt, König Conor selbst hat dem Mädchen das Leben gerettet und lässt es fernab vom Hof heimlich erziehen. Als seine Ehefrau will er sie, um sich mit ihrer Schönheit seine im Schwinden begriffene Macht zu erhalten. Deirdre, in der Einsamkeit der Wälder aufgewachsen und von ihrer Erzieherin Levarcham in druidische Lehren eingeweiht, widersetzt sich jedoch den Avancen des Königs. Sie strebt nach Freiheit und Selbstverwirklichung. Und so ist Flucht ihre einzige Perspektive.

Ob durch Zufall oder Bestimmung, Deirdre trifft auf Naisi und seine beiden Brüder, Ardan und Ainnle, die großen Jäger und Krieger von Conors Hof. „Die Söhne des Usnech“ bilden eine unauflösbare Trias, durch brüderliche Liebe eng aneinander geschweißt. Nichts kann die Brüder trennen, nicht einmal Naisis Beschluss mit der hilflosen Deirdre zu fliehen.

Flucht nach Schottland

Alba (Schottland) ist Ziel ihrer Flucht, denn Conor lässt sie in Ulaid unbarmherzig verfolgen. Der Zorn des Königs richtet sich dabei ganz auf Naisi, und Conors Gier, Deirdre zu besitzen, lässt ihn immer blinder für die Realität werden. In seinem Wahn büßt er mehr und mehr seiner Macht ein und zerstört gleichzeitig die Gemeinschaft des „Roten Zweiges“.

In der Wildnis Schottlands schaffen sich die Flüchtigen unterdessen ein neues Zuhause, fernab von aller Zivilisation. Und das Band, das sich während der Flucht leise zwischen Deirdre und Naisi gewunden hat, wird zu einer großen, leidenschaftlichen Liebe. Doch immer wieder treten die Unterschiede zwischen den Liebenden zutage: Naisi, den sein Bruch mit dem „Roten Zweig“ quält und der zur Selbstbestätigung stets aufs Neue den Kampf sucht – Deirdre, die in der Einsamkeit der Wildnis zu ungeahnten mystischen Fähigkeiten gelangt und sich beinahe in der Welt der Sídhe, der Anderswelt verliert. Doch zuletzt ist es, wie prophezeit, allein Deirdres Schönheit, die neues Unheil heraufbeschwört.

Julie Watson – absolut empfehlenswert

Nach ihrer Dalriada-Trilogie entführt die junge australische Autorin Julie Watson (in Deutschland auch unter Jules Watson veröffentlicht) erneut in die sagenhafte Vergangenheit der irischen und schottischen Kelten. Nicht nur ihr großes Hintergrundwissen über keltische Kultur bereichern den Roman, vor allem ihr sprachliches Talent ist ein Lichtblick. Die Charaktere sind getroffen gezeichnet, die Schilderungen von Natur und Landschaft anschaulich, fast schon romantisch. Besonders in der Innensicht offenbart Watson große Einfühlsamkeit – der Kampf, den Deirdre und Naisi mit ihrem Schicksal ausfechten, ist nachvollziehbar und anrührend. Ein Lese-Highlight für Freunde von „Die Nebel von Avalon“ oder die „Sevenwaters-Trilogie“ – sprachlich dabei noch anspruchsvoller, voller Tragik und Romantik.

Eine Fortsetzung des „Ulster-Zyklus“ findet sich in Julie Watsons neuestem Roman „Die Königin der Raben“.

Quelle: Julie Watson „Die Tochter der Schwäne“, Blanvalet 2009, 768 Seiten

Julia Sebö - Showbiz, Lifestyle, Film & Fernsehen, aber auch Literatur, Geschichte, Archäologie und dazwischen mal ein Kochrezept. Die Themen, ...

rss

Ähnliche Themen