
- Zitronenhai (Tigerhaie im Hintergrund) - Martin Gaus
Viele leben in der Angst, ein potenzielles Haiopfer zu sein, nur wenn sie schon im Urlaub ans Meer fahren, und bleiben auch in Mallorca lieber am Swimmingpool ihrer 4-Sterne-Anlage. Tatsächlich müsste man dann aber mehr Angst haben, zuhause aus dem Haus zu gehen - denn die Statistiken beweisen, dass man eher zweimal hintereinander vom Blitz getroffen als von einem Hai bei einem Angriff getötet wird. Geschweige denn, dass die Gefahr des Ertrinkens im Urlaub am Strand oder bei einem Autounfall am Weg zum Flughafen zu verunglücken noch viel höher ist.
Wie man die 10 gefährlichsten Haiarten ermittelt
Hier beziehen sich Experten nicht allein auf die Statistiken der Haiangriffe oder welcher Hai mit seinem Gebiss den meisten Schaden anrichtet. Während ein weißer Hai natürlich aufgrund seiner stattlichen Erscheinung schwerere Verletzungen hervorrufen könnte als kleinere Arten, ist das kein Garant für den ersten Platz - denn andere Haie sind beispielsweise aggressiver, verfolgen ihre Beute auf offener See länger oder dringen schlicht und einfach häufiger in bewohnte Küstenstreifen vor.
Wobei - drängen sich die Haie wirklich eher in unseren Lebensraum oder der Mensch sich mehr in den ihren? Denn wir dürfen bei aller Angst nicht vergessen, wer nun eigentlich zuerst da war. Die Haie lebten schon zum Großteil in ihrer heutigen Form seit Millionen Jahren und waren damit die unbestrittenen Herrscher über die hohe See. Bis der Mensch begann sie aus ihrem natürlichen Lebensraum zu verdrängen. Dass es da zu Zusammenstößen kommt, ist absehbar - die Frage stellt sich immer nur: Wann?
Platz 10: Der Zitronenhai
Von Zitronenhaien sind 22 Angriffe verzeichnet. Da sie leicht reizbar und in Küstengewässern unterwegs sind, sind sie für Menschen potenziell gefährlich. Laut einigen Berichten griffen sie auch ohne Provokation an - wobei man nie genau wissen kann, inwieweit das stimmt, da sie sich oft bedroht fühlen, wenn man nur in ihre Nähe kommt. Der Zitronenhai hat seitlich liegende, hervorstehende Augen (das gibt ihnen 8 Grad mehr Rundum-Sicht), können Farben unterscheiden und sehen auch in der Nacht gut. Der Zitronenhai gehört zu den Haien, die lebend gebären. Das Weibchen bringt nach neun Monaten Tragzeit vier bis 17 fertige Jäger zur Welt und verlässt sie sofort. Eine natürliche Fresshemmung verhindert, dass sie ihre Jungen selbst tötet. Zwar gibt es wenige Geburten, aber die meisten Jungen überleben dafür auch.
Platz 9: Der Blauhai
Die Tatsache, dass der Blauhai nur in Gruppen auftaucht und der hartnäckigste Verfolger ist, beschert ihm Platz 9. 32 Angriffe auf Menschen sind verzeichnet, drei davon endeten tödlich. Blauhaie haben sehr lange Wanderrouten und legen weite Strecken zurück, was aufgrund des großen oberen Lobus ihrer Schwanzflosse nur wenig Kraft verbraucht. Er jagt hauptsächlich Fische und Tintenfische, Attacken auf Menschen sind eher die Ausnahme, da er sehr ruhig ist. Nimmt er jedoch einmal die Verfolgung auf, hört er nicht mehr auf - und er hat schon gepanzerte Tauchanzüge wiederholt auf ihre Haltbarkeit getestet.
Platz 8: Der Hammerhai
Die Hammerhaie sind wahre "Dinos" und gehören zu den wenigen Haiarten, die sich wirklich unverändert gehalten haben. Nur die größten Arten werden Menschen gefährlich, 33 Angriffe sind verzeichnet - kein darin verwickelter Hai war kleiner als fünf Meter. Die Kopfform, die ihn unbeholfen wirken lässt, hat allerdings einige Vorteile: Gerade der Hammerkopf ermöglicht ihm ein besseres und rascheres Aufsteigen und macht ihn wendig und manövrierfähig. Durch spezielle Muskelverbindungen kann er den Kopf geringfügig in verschiedene Richtungen "kippen" und so sogar auf der Stelle wenden! Der große Kopf ist außerdem mit besonders vielen Rezeptoren ausgestattet, sodass er elektrische Schwingungen von Fischen besonders gut erfühlen und seine Beute im Sand aufspüren kann. Er hat nicht Sägezähne wie die meisten großen Haie, sondern Nadelzähne, die zum Festhalten von schlüpfriger Beute geeignet sind.
Platz 7: Der Sandtigerhai
Der Sandtigerhai wird bis zu drei Meter lang und wirkt besonders imposant mit seiner Körperform und seinem prächtigen Gebiss. Er ist der beliebteste in Aquarien gehaltene Hai, da er in Gefangenschaft gut gedeiht. Er hat mehrere Reihen Nadelzähne, die ständig nachwachsen und das ganze Gebiss wechselt innerhalb von vier Wochen. Im Lauf seines Lebens hat ein Sandtigerhai fast 5.000 Zähne. Wegen ihrer imposanten Erscheinung waren sie als Trophäen für Fischer sehr beliebt oder wurden aus Angst gejagt und fast ausgerottet, bis sich Biologen und Naturschützer durch Aufklärung für sie einsetzten. Bei seiner sanften Natur hat der Sandtigerhai nur eine niedrige Frustrationstoleranz, aber meidet Menschen am liebsten. Der Sandtigerhai ist die einzige Art, bei der "Gebärmutterkannibalismus" bekannt ist: die Jungen fressen sich noch vor der Geburt gegenseitig und die, die auf die Welt kommen, sind bereits erfahrene Jäger.
Platz 6: Der Graue Riffhai
Der Graue Riffhai ist besonders angriffslustig, bisher wurden allerdings nur acht Attacken verzeichnet. Sie leben in Gruppen, wollen aber ihren Freiraum - weshalb sie leicht provoziert werden, wenn man nur in ihre Nähe kommt. Der Riffhai hat ein gutes Gehör und einen noch viel besseren Gleichgewichtssinn durch ein Organ, dass ihm wie ein hoch entwickeltes Armaturenbrett ständig Informationen über Geschwindigkeit, Schwimmrichtung und Neigung und Winkel gibt. Dieses Organ ist bei keinem anderen Hai so weit entwickelt.
Platz 5: Der Kurzflossenmako
Von Kurzflossenmakos sind 42 Angriffe verzeichnet. Der Kurzflossenmako ist der mit Abstand schnellste Hai. Die höchste jeweils aufgezeichnete Geschwindigkeit liegt bei 51 km/h, aber es wird vermutet, dass sie noch sehr viel schneller sind - sie scheinen nur nicht zu wollen, dass das gemessen wird, denn die meisten Versuche enden bei weit unter 20 km/h oder gehen völlig schief. Die hohen Geschwindigkeiten sind möglich aufgrund seines torpedoförmigen Körpers, der besonders gut durchblutet wird und in dem die Adern mit kaltem Blut direkt neben denen für erwärmtes Blut liegen. Dadurch ist seine Körpertemperatur immer etwa 10° höher als die des Umgebungswassers. Das ermöglicht eine gute Muskelversorgung und damit die hohe Geschwindigkeit; ein zusätzlicher Faktor ist die Schwanzflosse, deren Loben gleich groß sind.
Erfahren Sie, welche Haiarten die Krone der marinen Schöpfung darstellen, im Artikel "Die Top 10 der tödlichsten Haie - Platz 4 bis 1".
Quelle: Die BBC-Dokumentation "Die zehn tödlichsten Haie" von Moira Mann (Regie) und David Helton (Buch) in zwei Teilen.
