Haie werden schon seit Jahrtausenden von Menschen gefürchtet. Schon im 16. Jahrhundert begann man damit, Haiattacken zu erfassen und festzuhalten, und heute werden die Statistiken im International Shark Attack File geführt, wo jeder gemeldete Angriff eines Hais verzeichnet wird - dazu die Haiart, Größe und Daten wie Angriffsort und Wassertiefe.

Im Artikel "Die Top 10 der tödlichsten Haie - Platz 10 bis 5" wurden bereits einige der gefährlichsten Haiarten vorgestellt. Doch die Haie, die immer wieder in unseren Schreckensvisionen eines Haiangriffs auftauchen, sind die Elite dieser Top 10... Platz 4 bis 1.

Platz 4: Der Weißspitzenhochseehai

Da der Weißspitzenhochseehai - wie der Name schon sagt - fast ausschließlich auf hoher See jagt, liegt bei seiner Angriffsstatistik eine hohe Dunkelziffer vor, da viele Opfer von Schiffsunglücken vermutlich nicht mehr vom Angriff eines Weißspitzenhochseehais berichten können. In der Statistik liegen fünf registrierte Angriffe vor. Der Weißspitzenhochseehai ist leicht zu reizen und jagt besonders gnadenlos, da sein Futterangebot auf hoher See sehr gering ist. Um Fährten aufspüren zu können, verfügt er über einen besonders feinen Geruchssinn, der den aller anderen Haie übertrifft. Ähnlich wie ein Spürhund folgt er Fährten im Zickzack und prüft so laufend die Intensität, bis er zielsicher deren Ursprung findet. Weißspitzenhochseehaie tauchen sogar schon auf, wenn nur ein Boot in der Nähe ist, da sie gelernt haben, dass Benzingeruch potenzielle Beute heißen kann, und nicht zuletzt da oft Abfälle gleich auf offener See entsorgt werden und seinen Speiseplan bereichern.

Platz 3: Der Tigerhai

Der Tigerhai wird wegen der Streifen, die er als Jungtier besonders auffällig trägt, so genannt. Er ist ein gefürchteter Jäger und wird vom Menschen seit jeher mit viel Hass verfolgt und gejagt. Auffällig ist sein massiger Körperbau mit dem sehr breiten Kopf und vor allem dem Gebiss, das an einen Dosenöffner erinnert und bei seinen mit viel Wucht geführten Attacken viel Schaden anrichtet. Er knackt damit mühelos Schildkrötenpanzer (auch wenn diese nicht zu seiner bevorzugten Beute gehören), frisst aber auch größere Beutetiere. Im Gegensatz zu fast allen Haiarten hat sich der Tigerhai nicht auf bestimmte Beute spezialisiert: Er ist der geborene Allesfresser. Von Handtaschen über Autoreifen bis hin zu original verpackten Hühnerschenkeln hat man schon alles Mögliche in Mägen von Tigerhaien gefunden. Das spricht nicht gerade für seinen Geschmackssinn und dass er ständig hungrig und deshalb leicht reizbar ist, macht ihn für Menschen nicht weniger gefährlich. Besonders vor Hawaii wurde er im Interesse des Tourismus fast ausgerottet, weshalb viele Forscher sich nun bemühen, mehr über seine Verhaltensweisen und Wanderrouten herauszufinden, um ihn effizienter zu schützen.

Platz 2: Der Weiße Hai

Der Weiße Hai ist seit dem Erscheinen des gleichnamigen Hollywoodfilms besonders gefürchtet und hat den schlechtesten Ruf von allen. So mag es einige überraschen, aber er ist nicht der Goldmedaillengewinner dieses Bewerbs um den Titel der tödlichsten Haiart, sondern landet "nur" auf Platz zwei. Von ihm sind 384 Angriffe verzeichnet, 67 davon endeten tödlich. Im Gegensatz zum Tigerhai ist der Weiße Hai auf Beutetiere - in erster Linie Robben - spezialisiert. Bei ihm ist daher die Verwechslungstheorie in Sachen Angriffe auf Menschen besonders beliebt: Surfer auf ihrem Surfbrett sehen von unten Robben in ihrer Silhouette besonders ähnlich, diese Möglichkeit ist also sogar von Biologen und Verhaltensforschern anerkannt. Viele Menschen, die dem schlechten Ruf des Weißen Haies gerne glauben wollen, zweifeln diese Theorie allerdings stark an und unterstellen den Weißen Haien vorsätzliche Tötungsabsichten, was natürlich lächerlich ist. Ein Weißer Hai ist ein perfekter Jäger, aber kein kaltblütig planender Mörder. Tipps für Reisende, die kein Haifutter werden wollen: Weiße Haie jagen Robben, die sich in manchen Urlaubsgegenden gerne um Klippen oder in Lagunen aufhalten - vermeiden Sie die Nähe der süßen Säuger, seien ihre Kulleraugen noch so verlockend!

Der Weiße Hai kann sehr groß werden (das größte jemals gefangene Exemplar maß neun Meter) und bringt mehrere Tonnen auf die Waage. Die Zähne in seinem Angst einflößenden Gebiss sind sägeartig gezackt und dreieckig geformt und eignen sich damit besonders gut, Beutetieren große Fleischstücke zu ent- oder ganze Gliedmaßen abzureißen. Diese Haiart bevorzugt schnelle und direkte Angriffe, die meist sehr plötzlich erfolgen und oft in trübem Wasser stattfinden, meistens in der Wassertiefe von weniger als eineinhalb Metern. Im Gegensatz zu seinem schlechten Ruf scheut der Weiße Hai Kämpfe und den Kontakt mit nicht sicher zugeordneter Beute aus Sorge um sein Gebiss, auch wenn er wie alle Haie die Zähne ersetzen kann. Daher macht er meist nur einen Probebiss (der beim Menschen allerdings oft genug Schaden anrichtet um zu verbluten) und verschwindet wieder, wenn es ihm nicht schmeckt oder die Beute ihm zu unsicher wirkt. Also im Gegensatz zu seinem Ruf verfällt er auch nicht in blutrünstige Ekstase wenn er Blut riecht oder schmeckt - und scheint den Geschmack von Menschenfleisch nicht sonderlich zu genießen.

Bleibt anzumerken: Dass viele Menschen nach Attacke eines Weißen Hais sterben, ist eigentlich nicht einmal die "Schuld" dieses Raubtiers. Wie oben erwähnt, reicht ein Probebiss oft um zu verbluten - aber meistens ist es einfach der Schock, unter dem das Opfer steht, der es das Leben kostet.

Platz 1: Der Bullenhai

Der Bullenhai verdankt seinen ersten Platz der Tatsache, dass er ein fast unbegrenztes Jagdgebiet hat, denn im Gegensatz zu den meisten Haiarten dringt er nicht nur gelegentlich in Flüsse vor, sondern kann sogar ausschließlich in Brack- oder Süßwasser jagen. Forscher sind sich noch immer nicht sicher, was ihn von anderen Haiarten derart unterscheidet, dass er Süßwasser über lange Zeit verträgt. Die Dunkelziffer seiner Angriffe ist wohl sehr hoch, da er auch im Amazonas oder in indischen Flüssen oft auf die Jagd geht und die Möglichkeit eines Angriffs zum täglichen Angel- und Baderisiko gehört. Viele melden eine Attacke daher erst gar nicht. 82 tödliche Attacken wurden erfasst, doch in Wirklichkeit liegt diese Zahl wohl wesentlich höher.

Der Bullenhai hat keine geringere Beißkraft als Tiger- oder Weiße Haie, aber sie haben ein viel größeres Einzugsrevier. Sie leben oft in Flüssen mitten in großen Städten, z. B. in Brisbane (ca. 2.000 Exemplare). Ausgewachsene Bullenhaie sind etwa 2,5 Meter lang, allerdings leben im Brisbane River in erster Linie Jungtiere. Angriffe sind dort selten, aber in Indien liegen die Angriffszahlen wesentlich höher. Diese Angriffe werden aber kaum gemeldet. Eins ist aber sicher:Der Bullenhai ist der perfekteste und gefährlichste Jäger, den Mutter Natur im Wasser je hervorgebracht hat, auch wenn viele ihn und die anderen Anführer der tödlichen Haie gern als Killer bezeichnen.

Wir Menschen sollten allerdings darauf achten, wen wir hier einen Killer nennen. Denn einigen angegriffenen Menschen stehen mehr als hunderttausend getötete Haie pro Jahr gegenüber. Wer hier schutzbedürftig ist, ist der Hai - denn sonst werden die seit Millionen Jahren existenten Herrscher der Meere bald aus den Ozeanen verschwunden sein.

Quelle: Die BBC-Dokumentation "Die zehn tödlichsten Haie" von Moira Mann (Regie) und David Helton (Buch) in zwei Teilen