Triebwagen der Baureihe 481/482

Fahrzeuge der Berliner S-Bahn mit besonderen Problemen

Ein Zug der Baureihe 481/482 in Spindlersfeld - Harald Rossa
Ein Zug der Baureihe 481/482 in Spindlersfeld - Harald Rossa
494 Viertelzüge und 3 Halbzüge der der Elektrotriebwagen Baureihe 481/482 bilden das Rückgrat des Fuhrparks der Berliner S-Bahn.

Die Fahrzeuge der Baureihen 481 und 482 sind elektrische Triebwagen für das Stromschienennetz der Berliner S-Bahn. Ein Triebwagen 481 mit Führerstand auf einer Seite und ein Beiwagen mit Rangierführerstand auf einer Seite bilden eine Einheit und werden als Viertelzüge bezeichnet. Der Halbzug aus zwei Viertelzügen ist der kürzeste Zug im Betrieb. Züge aus drei und vier Viertelzügen können gebildet werden.

Für den Betrieb der Berliner S-Bahn sind die 500 vorhandenen Viertelzüge dieser Baureihe das Rückgrat des Betriebes. Neben diesen neuen Fahrzeugen sind nur noch knapp 200 Viertelzüge der Baureihen 480 und 485 in ihrem Bestand.

Die Entwicklung und Beschaffung der Fahrzeuge

Nach dem Fall der Mauer und der Zusammenführung der bis dahin getrennten S-Bahn-Netze und der Reaktivierung von eingestellten Verbindungen folgte der Bedarf an zusätzlichen S-Bahnfahrzeugen. Außerdem waren etliche Fahrzeuge zu ersetzen. Der Fahrzeugpark der Berliner S-Bahn bestand weitgehend aus Fahrzeugen der Vorkriegsbaureihen 475, 476 und 477. Das Durchschnittsalter der eingesetzten Fahrzeuge lag bei über 40 Jahren.

Neuere Fahrzeugtypen waren die in West-Berlin verkehrenden und von der BVG beschafften Züge der Baureihe 480 und die Baureihe 485 der Deutschen Reichsbahn. Beide Modelle entsprachen nach Meinung der Verantwortlichen nicht dem Stand der Technik und boten nicht genügend Komfort für die Fahrgäste. So kam es zu der Entscheidung, sich nach einem neuen Fahrzeug umzusehen und ein Anforderungskatalog wurde erarbeitet.

1993 stellte die Industrie ein Modell der neuen Baureihe vor. Darauf wurde 1994 bei der Deutschen Waggonbau Ammendorf (DWA) das erste Los bestellt. 1996 sollte eine Vorserie von 10 Viertelzügen ausgeliefert werden. Für 1997 wurden weitere 90 Viertelzüge bestellt. Kleine Änderungen mussten noch berücksichtigt werden. Ende 1993 wurde die Fußbodenhöhe der S-Bahn-Fahrzeuge von 1080 mm auf 1000 mm gesenkt. Und die S-Bahn entschied sich dazu, die beiden Wagen eines Viertelzuges durch Übergänge miteinander zu verbinden. 1995 wurden 400 weitere Viertelzügen bestellt.

Die Fahrzeuge wurden mit der ADtranz Hennigsdorf produziert. Der erste Viertelzug wurde am 22. Januar 1996 im Betriebswerk Schöneweide der Öffentlichkeit vorgestellt.

Die erste Fahrgastfahrt wurde am 11. Dezember 1996 durchgeführt. Von da an rollten die neuen Triebzüge termingerecht auf die Gleise der Berliner S-Bahn. Mit dem Zusammenwachsen und Reaktivieren des Netzes wurde so der Fahrzeugpark grundlegend modernisiert. Im September 2004 wurde der letzte Triebzug ausgeliefert. Das Durchschnittsalter der Fahrzeuge der Berliner S-Bahn war nun auf rund 6 Jahre gesunken.

Die Technik der Baureihe 481/482

Die kleinste betriebsfähige Zugeinheit ist ein Halbzug aus zwei Viertelzügen. Die Wagen eines Viertelzuges sind durch Übergänge verbunden und so durchgehend begehbar. Daneben wurden 3 Züge aus je 2 Triebwagen 481 und 2 modifizierten Beiwagen 482 gebaut, die auf der ganzen Länge des Halbzuges begehbar sind. Im Betrieb werden Vollzüge aus acht Wagen, Dreiviertel-Züge aus sechs Wagen oder Halbzüge mit vier Wagen gebildet. Für Rangierfahrten sind die Beiwagen 482 mit einem Rangierführerstand ausgerüstet.

Ein großer Vorteil der Baureihe 481/482 ist die Senkung des Energiebedarfs. Im Vergleich zu den Vorkriegsmodellen geht der um ein Drittel zurück. Angetrieben werden drei der vier Drehgestelle eines Viertelzuges von insgesamt 6 Drehstrommotoren mit einer Leistung von je 99 Kilowatt. Das typische heulende Anfahrgeräusch brachte schon einige Klagen ein. Es ist aber festzuhalten, dass diese Fahrzeugreihe viel ruhiger ist als ihre Vorgänger.

Der Innenraum der Züge wird durch pflegeleichte Einrichtungen geprägt, die dem verbreiteten Vandalismus halbwegs standhalten. Die Sitze sind überwiegend als 2 Bänke quer im Wagen eingebaut. Der Raum hinter dem Führerstand ist als Mehrzweckabteil mit klappbaren Sitzen an der Außenwand eingerichtet. Derzeit werden auf einer Seite die Klappsitze ausgebaut, um die Kapazität für den Fahrradtransport zu steigern.

Das Thema Farbe

Die Entwürfe der Baureihe wurden in blau und grau lackiert. Für die Serie wurde vorgeschlagen, die Front und die Schutzborde blau, den Rest des Wagenkastens silbergrau zu lackieren. Diese Lackierung fand keinen Anklang. Die ersten Wagen wurden dann mit roter Front und ockergelbem Wagenkasten geliefert.

Doch die öffentliche Meinung in der Hauptstadt setzte sich für die traditionelle Lackierung in bordeauxrot und ocker ein. Ab 2000 wurden die Züge in dieser Farbgebung geliefert. Ältere Züge werden bei passender Gelegenheit umlackiert.

Die Probleme der Baureihe 481/482

Mit diesen Fahrzeugen schlitterte die Berliner S-Bahn in erhebliche Probleme bis hin zu weitgehender Einschränkung des S-Bahn-Verkehrs in Berlin. Diese haben ihre Ursachen einerseits in bekannten (Bremsprobleme bei Nässe) oder erst nach Jahren auftauchender Mängel (Radscheiben und Achsen) der Fahrzeuge. Aber zum Desaster kam es dann wegen wohl dank äußerst sparsamer Durchführung von Wartung und Instandhaltung der Fahrzeuge. Der Beitrag „Die Probleme der Triebwagen der Baureihe 481/482“ berichtet darüber.

Der Steckbrief der Baureihe 481/482

Die nachstehenden Daten beziehen sich auf die Grundeinheit des Viertelzuges aus einem Triebwagen 481 und einem Beiwagen 482. Diese tragen die Betriebsnummern 481 001 bis 481 494 und 481 001 bis 481 494. Die durchgehenden Halbzüge tragen die Betriebsnummern 501-503 und 601-603.

  • Hersteller: AEG/ADtranz/Bombardier Hennigsdorf, DWA/Bombardier Halle
  • Bauzeit:1996–2004
  • Achsfolge: Bo'2'+Bo'Bo'
  • Spurweite: 1.435 Millimeter
  • Länge über Kupplung: 36.800 Millimeter
  • Breite: 3.000 Millimeter / 3.140 Millimeter über Schutzbord
  • Höhe: 3.585 Millimeter
  • Fußbodenhöhe: 1.000 Millimeter
  • Drehzapfenabstand: 12.100 Millimeter
  • Drehgestellachsabstand: 2.200 Millimeter
  • Masse: 59,0 Tonnen leer
  • Höchstgeschwindigkeit: 100 km/h (z. Z. durch das Eisenbahnbundesamt auf 80 km/h heruntergesetzt)
  • Leistung: 594 kW
  • Beschleunigung: 1,0 m/s²
  • Bremsverzögerung: 1,3 m/s²
  • Treibraddurchmesser: 820/760 Millimeter
  • Laufraddurchmesser: 820/760 Millimeter
  • Motoren: 6 Drehstrom-Asynchron Motoren mit je 99 kW
  • Stromversorgung: 750 Volt Gleichstrom über seitliche Stromschiene
  • Zugsicherung: mechanische Fahrsperre
  • Kupplungstyp: Scharfenbergkupplung
  • Platzangebot: 94 Sitzplätze, 200 Stehplätze