Die TV-Sitcom "Becker" mit Ted Danson

Ein Porträt der Serie des ewig mürrischen Fernseh-Arztes John Becker

Ted Danson als John Becker - Cheers und Becker Fanpage
Ted Danson als John Becker - Cheers und Becker Fanpage
Dr. John Becker sagt immer, was er denkt. Stets grantig, ewig mürrisch und brutal ehrlich verarztet Becker Patienten und Freunde mit seinen grimmigen Lebensansichten.

Er nörgelt und flucht. Er raucht und steht immer unter Strom. Er hat einen rabenschwarzen Humor und suhlt sich gern in Selbstmitleid und Zynismus. Ein Misanthrop vor dem Herrn. Der Serienheld Dr. John Becker, verkörpert von Ted Danson, stellt den etwas anderen Comedy-Charakter dar. Er ist kein immer gut gelaunter Frauenarzt wie Heathcliff Huxtable (Bill Cosby), kein tolpatschiger "Heimwerkerkönig" wie Tim Taylor (Tim Allen) und kein sympathischer Paketdienstfahrer à la Doug Heffernan (Kevin James). Aber besonders diese Gegensätzlichkeit zu den anderen Sitcom-Stars macht den alten Miesepeter Becker zu einem Unikum der Fernsehlandschaft.

Fakten über den bissigen Arzt Becker

Die Serie "Becker" lief insgesamt über sechs Staffeln von 1998 bis 2004 und ist in Deutschland eher weniger bekannt, war in den USA aber zeitweise ein Renner. So wurde Hauptdarsteller Ted Danson, der besonders durch die Sitcom "Cheers" in den 1980er an Popularität gewann, 2000 mit dem Golden Globe als "Bester Schauspieler in einer Fernsehserie" ausgezeichnet. 129 Folgen lang wurde die US-amerikanische Sitcom im amerikanischen Fernsehen auf CBS ausgestrahlt. In Deutschland zeigte zunächst Sat.1 die ersten vier Episoden mit dem bissigen Arzt. Seit dem 30. September 2009 sendet Comedy Central montags bis freitags um 23:30 Uhr die Serie wieder in Deutschland.

Schauplätze und Figuren in der Serie "Becker"

Im New Yorker Stadtteil Bronx betreibt John Becker seine Arztpraxis, die er gerne selbst schon mal als "Rattenloch" bezeichnet. Zusammen mit seinen Arzthelferin, der patenten Margaret und der frivolen und naiven Linda, kämpft Becker Tag für Tag gegen die Leiden und Pseudoleiden der Menschheit mit scharfer Ironie und Sarkasmus an. Die weiteren Schauplätze der Serie sind Beckers Stammlokal und seine Wohnung. Vor allem das Stammlokal bietet Becker die Gelegenheit, sich exzessiv vor seinen Freunden, Reggie, Jake und Bob (die Figuren wechseln im Verlauf der Staffeln) am laufenden Band über die Alltagsnicklichkeiten des Lebens und die Fehler der Menschen bei einer Zigarette am Tresen auszulassen.

Der scharfzüngige Einzelkämpfer Becker

Trotz seines scheinbaren und letztlich nur oberflächlichen Menschenhasses zeigt Becker doch immer wieder, dass er ein großes Herz für seine Mitmenschen hat. So wird auch der harte Hund Becker entgegen seiner groben, hadersüchtigen Art mal weich und steht als guter Zuhörer Patienten oder Freunden zur Verfügung, um im nächsten Moment wieder in seine alten Gewohnheiten des Meckerns und Nörgelns zu verfallen. Verbittert und respektlos tritt er dem Leben in New York gegenüber, aber niemals vernachlässigt er seine moralischen Grundsätze. Seinen Kern verbirgt er fast immer hinter seinem bitterbösen schwarzen Humor – und geht dabei zum Lachen in den Keller. Der gallige Becker bleibt dennoch liebenswürdig. Auch wenn er gleich zwei Ehen hinter sich hat und dem weiblichen Geschlecht skeptisch gegenüber steht. Aber er liebt einfach seine Rolle des scharfzüngigen Einzelkämpfers in der Bronx.

Becker, der "Dr. House der Sitcoms"

Sucht man einen geeigneten Vergleich für John Becker, so lässt sich dieser als der "Dr. House der Sitcoms" bezeichnen (ironischerweise ging "House" 2004 auf Sendung, als Becker eingestellt wurde). Neben grundlegend ähnlichen Charaktereigenschaften gibt es auch Parallelen und Unterschiede in der Berufsauffassung der beiden griesgrämigen Mediziner. Denn Becker fühlt trotz seiner missmutigen Lebenseinstellung mit seinen Patienten mit, während House oftmals beteuert, dass ihm das Wohl der Patienten egal sei. Becker kümmert sich. Dabei fragt man sich als Zuschauer trotzdem auch immer, ob der Arzt aus Leidenschaft, Becker (und wohl auch House), es nicht lediglich als Kränkung seines medizinischen Könnens ansieht, wenn ein unter seiner Behandlung stehender Patient verstirbt. Becker – ein Arzt, der im stetigen Wettstreit mit dem Auf und Ab des Lebens, dessen Werten und schließlich auch Gott steht.

Dieser – im metaphorischen Sinne – kratzende, beißende und spuckende Anti-Held kommt in der Flut der amerikanischen Sitcoms herrlich erfrischend unterhaltsam daher. Auch wenn die Macher natürlich konventionelle Strukturen des Episodenaufbaus, der Handlungsstränge und der Figurenkonstellationen typischer Sitcom-Muster berücksichtigen, so ist die Hauptfigur Becker gerade das markant herausragende und andersartige Glanzstück der Serie.

"So I turn on the news, and there's this couple from I don't know – Snot, Wyoming – standing there in a trailer park with more babies than there are Miami Dolphins. I'm sorry, but if your husband is unemployed and your house is on wheels, maybe you need to buy less beer and more condoms.", Becker in Aktion im englischsprachigen Original der Serie "Becker".