
- Ü 60er - Markus Jürgens
Die Lebenserwartung der Menschen steigt, die Geburtenrate sinkt. Das hat zwangsläufig zur Folge, dass das Durchschnittsalter der Menschen steigt. Deutschland hält einen traurigen Rekord: Es ist das Land mit der mit Abstand niedrigsten Geburtenrate Europas. Ferner zieht sich die Problematik durch nahezu alle Teile unseres Sozialsystems. Vor allem sind die Kranken- und Rentenversicherung betroffen. Aber auch die Arbeitslosen- und Pflegeversicherung bekommen negative Auswirkungen zu spüren.
Überlastung des Rentensystems
Schon heute müssen die Renten mit Milliarden von Steuergeldern bezuschusst werden, damit sie nicht dramatisch absinken. Da die Anzahl älterer Menschen in den nächsten Jahren noch stark ansteigen wird, ist ein Ende dieser Entwicklung nicht abzusehen. Im Gegenteil: Da die Große Koalition sich des Umstandes, dass immer mehr Wählerinnen und Wähler Rentner sind, bewusst war, hat sie Ihnen vor der Bundestagswahl 2009 noch ein ganz besonderes Wahlgeschenk gemacht: Die Rentenschutzklausel wurde eingeführt. Das bedeutet, dass die Renten auch in Zeiten wirtschaftlichen Abschwungs nicht sinken können. Während die Arbeitnehmer von der wirtschaftlichen Entwicklung betroffen sind und sinkende Reallöhne hinnehmen mussten, haben die Rentner ihre Schäfchen im Trockenen. Dies kann schon in naher Zukunft und auch für spätere Generationen fatale Folgen haben. Schon heute wird von Teilen der Bevölkerung eine Anhebung des Renteneintrittsalters auf 70 gefordert, um der steigenden Lebenserwartung zu begegnen. Die Tatsache, dass der Großteil der Bevölkerung jedoch noch nicht einmal mit der Rente ab 67 einverstanden ist und sich Polizeibeamte dagegen wehren, mit 62 statt mit 60 in Pension zu gehen, macht deutlich, wie schwach das Problembewusstsein diesbezüglich ausgeprägt ist.
Starker Anstieg der Gesundheitskosten
Die ersten gesetzlichen Krankenversicherungen mussten bereits Insolvenz anmelden. Die Kostenexplosion im Gesundheitssektor ist schon heute ein gravierendes Problem unserer Gesellschaft. Auch hier stellt die alternde Gesellschaft ein nicht zu unterschätzendes Problem dar. Knie- und Hüftprotesen sind teuer. Es mag ein wenig zynisch erscheinen, übergewichtigen Menschen aus Kostengründen teure medizinische Hilfe zu versagen. Jedoch ist Hauptursache kaputter Gelenke in fast allen Fällen mangelnde Bewegung und falsche Ernährung. Zudem schlagen Pflegekosten verstärkt zu Buche.
Riesenlast für die Länder aufgrund Beamtenpensionen und -beihilfen
Da die Nachkriegsgeneration ab diesem Jahr (65 Jahre seit 1945) in Pension gehen wird, kommt auf die für die Beamtenbesoldung zuständigen Länder zudem ein nicht überschaubarer Anteil an Beamtenpensionsleistungen zu. Dabei ist zudem zu beachten, dass auch Beihilfen für die Krankenversicherung gezahlt werden müssen. Auch verdienen Beamte im Vergleich zur Durchschnittsbevölkerung relativ gut, so dass eine Beamtenpension in der Regel höher ausfällt als eine Regelaltersrente.
Weniger Einzahler auch in der Arbeitslosenversicherung
Zudem wird die Arbeitslosenversicherung unter der demographischen Entwicklung leiden, da es immer weniger potentielle Einzahler gibt. Verstärkt wird dies noch durch den Abbau sozialversicherungspflichtiger Vollzeitbeschäftigung.
(Quellen: Tagespresse, Bundesagentur für Arbeit)
