
- Michael Ende: Die unendliche Geschichte - Piper-Verlag
„Die unendliche Geschichte“ mag kein Ende haben, doch einen Anfang gibt es. Den nahm die Geschichte vor 30 Jahren. Nach langem Kampf mit der Menge des Stoffs und seinen zahlreichen Ideen, legte Kinder- und Jugendbuchautor Michael Ende 1979 die zur Veröffentlichung vorgesehen Fassung seinem Verlag vor. Der Erfolg der „Unendlichen Geschichte“ übertraf alle Erwartungen und war gigantisch: Rund zehn Millionen Exemplare wurden weltweit verkauft, das Werk wurde in 40 Sprachen übersetzt. Die Verfilmung machte das Buch noch bekannter und spielte Millionen Dollar ein, sodass Hollywood Anfang der 90er Jahre noch zwei Fortsetzungen anhängte, die nur noch wenig an das Original erinnerten. Derzeit kursieren Meldungen, nach denen sogar ein Remake geplant sein soll.
Buchklassiker mit tollen Illustrationen
Es gibt also gute Gründe, sich das Buch noch einmal anzuschauen. Zumal der Piper-Verlag nach zehn Jahren wieder eine Ausgabe in der originalen Aufmachung herausgegeben hat. Das Taschenbuch ist deutlich dünner als die mächtige gebundene Ausgabe der Erstveröffentlichung. Es enthält jedoch alle Zeichnungen von Roswitha Quadflieg, die diese zusammen mit Michael Ende für die 26 Kapitel (analog zum Alphabet A-Z genannt) konzipierte. Am wichtigsten ist jedoch, dass die Schrift zweifarbig blieb. Nicht simpel schwarz, sondern rot und grün sind die Buchstaben eingefärbt. Rot steht dabei für die Ereignisse in der realen Welt, während in grün die Geschehnisse in Phantasien wiedergegeben werden. Damit trennte der Autor schon äußerlich die beiden Welten, die im Buch eine Rolle spielen. 1979 stellte das eine ungeheure Innovation dar. Heute dient sie anderen Büchern als Vorbild, etwa Catherine Banners „Lied von Malonia“.
„Die unendliche Geschichte" fesselt bis zur letzten Seite
Auch nach mehrfachem Lesen fesselt die Reise des dicklichen Außenseiters Bastian Balthasar Bux in die Fantasiewelt Phantasien noch immer. Gespannt taucht der Leser mit ihm in diese Welt ein, erfährt von der Bedrohung Phantasiens durch das Nichts, gegen das auch die Kindliche Kaiserin scheinbar kein Mittel kennt. Daher schickt sie den jungen Atréju aus, der den Retter suchen soll. Mit ihm durchlebt Bastian alle Gefahren und Abenteuer, den Kampf gegen den Werwolf Gmork, die Flüge mit dem Glücksdrachen Fuchur, der Weg zum Südlichen Orakel. Für Bastians Entwicklung – bei der „Unendlichen Geschichte“ handelt es sich auch um einen Bildungsroman – noch bedeutender ist jedoch die Zeit in Phantasien. Hier findet er schließlich zu sich selbst.
Autor Michael Ende wehrte sich gegen Kritik
Michael Ende (1929 bis 1995) wehrte sich Zeit seines Lebens gegen den Vorwurf, Fluchtliteratur geschrieben zu haben. Zu recht: Denn die Botschaft der „Unendlichen Geschichte“ ist nicht, dass man aus dem Alltag flüchten soll und es durch Literatur auch leicht schafft. Das Buch regt vielmehr dazu an, die eigenen Ideen und Vorstellungen zu verfolgen, den eigenen wahren Willen zu finden. Oder wie es auf AURYN, dem Medaillon, das Phantasien symbolisiert, steht: „Tu, was du willst.“
Michael Ende: Die unendliche Geschichte. Piper-Verlag 2009. Taschenbuch, 444 Seiten, mit den Illustrationen von Roswitha Quadflieg. Euro 9,95 (Österreich 10,30).
