Die unklare Zukunft des Freibades Dellwig

SPD Essen hat Schließung des Traditionsbades verhindert

Wasserspiele: bald noch bei Hesse möglich? - Sassi, Pixelio
Wasserspiele: bald noch bei Hesse möglich? - Sassi, Pixelio
Das Freibad Dellwig, auch Hesse genannt, sollte nach dem Willen des ehemaligen Stadtrates geschlossen werden. Vorerst ist das Bad gerettet, Konzepte sind jedoch unklar.

Zwischen 1998 und 2009 wurde die Stadt Essen von der CDU regiert. Sowohl CDU als auch die Grünen hatten beschlossen, das Freibad Dellwig trotz massiver Bürgerproteste zu schließen. Oberbürgermeister-Kandidat Reinhard Paß von der SPD entschied den Wahlkampf am 27. September 2009 unter anderem für sich, weil er versprochen hatte, Hesse nicht zu schließen. Die drohende Schließung des traditionsreichen Freibades direkt am Rhein-Herne-Kanal an der Bottroper Stadtgrenze konnte zwar abgewendet werden, dennoch besteht immer noch kein klares Konzept.

Das ursprüngliche Konzept der CDU

Die ehemalige CDU-Stadtspitze unter der Leitung des ehemaligen Oberbürgermeisters Dr. Wolfgang Reiniger hatte geplant, die Wasserflächen, bestehend aus einem Nichtschwimmer- und einem Schwimmerbecken, weiter zu reduzieren und stattdessen gegen Eintritt eine Strandlandschaft für Sonnenanbeter und Beach-Volleyballer zu schaffen. Dies wurde jedoch von der SPD abgelehnt. Im Wahlkampf war ursprünglich die Rede davon, das Bad in unveränderter Form weiterbestehen zu lassen.

Die Konzeptlosigkeit des neuen Essener Stadtratdtes

Die bisher verteufelten Pläne von CDU und Grünen sollen jedoch plötzlich doch umgesetzt werden. Die beiden bisher vorhandenen Becken sollen zubetoniert werden, ein kleineres Becken soll auf der heutigen großen Liegewiese neu gebaut werden. Vor der desolaten Haushaltslage der Stadt Essen stellt sich jedoch die Frage, wie dies finanziert werden soll. Hinzu kommt, dass die meisten Bürger, die für den Erhalt des Bades sind, mit der Umwandlung ihres Freibades in ein Paradies für Sonnenanbeter, Beach-Volleyballer und weiterer Reduzierung der Wasserfläche sicherlich nicht einverstanden sind.

Bisher ist Hesse in der Freibadsaison zwischen Mai und September auch für Frühschwimmer geöffnet. Die FDP plant jedoch, die Öffnungszeiten zu verkürzen, sodass Frühschwimmer aus Dellwig und den angrenzenden Stadtteilen künftig vor verschlossenen Türen stünden. Erst im weiteren Verlauf der Diskussion fragten sich die Liberalen, wie rege vom Frühschwimmen Gebrauch gemacht wird.

Trotz verkürzter Öffnungszeiten ist jedoch im Gespräch, die Eintrittspreise für das Bad zu erhöhen, wobei ein Sprecher der SPD zugeben musste, dass er die derzeitigen Eintrittspreise gar nicht kennt. Die Linken halten eine Erhöhung der Eintrittspreise von 20 bis 30 Cent für unproblematisch, wenn junge Menschen im Gegenzug auf "den Fraß" bei McDonald's verzichten würden. Anzumerken ist hierbei, dass sich keine Filiale der Fast Food-Kette in unmittelbarer Nähe des Freibades befindet.

Hesse ist in der Vergangenheit stetig verkleinert worden

Bis Ende der 1980er Jahre verfügte das Freibad Dellwig neben den heute bestehenden Becken noch über ein Springerbecken mit einer Wassertiefe von 4,70 Meter. Hierzu gehörte ein Sprungturm mit zwei Ein-Meter-Brettern, zwei Drei-Meter-Brettern sowie zwei Plattformen mit jeweils sechs und zehn Metern Höhe. Ein vergleichbarer Sprungturm ist in Essen ansonsten nur noch im Grugabad in Rüttenscheid im Süden der Stadt zu finden.

Da der Stadt und dem Betreiber des Bades das Geld für die Sanierung und Instandhaltung des aus den 1950er Jahre stammenden Sprungturms fehlten, wurde dieser Ende der 1980er Jahre für die Badegäste gesperrt und steht seitdem lediglich als Denkmal auf dem Gelände des Freibades. Das Springerbecken wurde in den Folgejahren zubetoniert.

Gleichzeitig beschweren sich seitdem jedoch Wasserschutzpolizei und DLRG, dass gerade junge Menschen in den Sommermonaten in Ermangelung des Sprungturms lieber von der benachbarten Kanalbrücke auf der Stadtgrenze verbotenerweise in den Kanal springen. Dies war zwar auch schon der Fall, als der Sprungturm nebst Becken noch geöffnet war, die Zahl der Springer in den Kanal hat seit der Schließung des Turms jedoch massiv zugenommen, obwohl Wasserschutzpolizei und DLRG immer wieder vor den möglichen Gefahren warnen.

Konkurrenz in der näheren und weiteren Umgebung

Gerade in der Nachbarstadt Oberhausen besteht massive Konkurrenz zu Hesse, der durch eine weitere Reduzierung der Wasserflächen auf dem Gelände des Freibades nicht effektiv begegnet werden kann. Das Sol- und Freibad Vonderort bietet im Außenbereich neben einem 50 Meter langen Sportbecken für Nichtschwimmer und Schwimmer, einem Wellenbad und einem weiteren Nichtschwimmerbecken, in das eine 90 Meter lange Rutsche mündet, im Innenbereich ein Solebecken, Sauna, Solarium und ein Wassertretbecken. Auch die Fläche der terrassenartig angelegten Liegewiesen ist wesentlich größer als im Freibad Dellwig. Des Weiteren plant die Stadt Oberhausen, ihre Bäderlandschaft weiter mit einem Aquapark aufzustocken, zu dem dann auch ein Freibad mit vielen Attraktionen wie Wasserrutsche, Wellenbad, Sprungturm und so weiter gehören würden.

Hinzu kommt, dass das Sol- und Freibad Vonderort unmittelbar an den gleichnamigen Revierpark angrenzt, in dem es unter anderem einen kostenlosen Wasserspielplatz für kleinere Kinder gibt, der an warmen Tagen stark durch kleine Badegäste und deren Eltern frequentiert ist.

Für motorisierte Schwimmer und ihre Familien ist es zudem kein Problem, Bäder mit einem gewissen Event-Charakter in der näheren und weiteren Umgebung des Freibades Dellwig zu erreichen. Das Spaßbad Pappelsee in Kamp-Lintfort ist von Dellwig aus bequem über die A42 zu erreichen, in etwa 50 Kilometern Entfernung befindet sich die Xantener Südsee am Niederrhein, die in der Regel auch in weniger als einer Stunde mit dem Pkw zu erreichen ist.

Alexandra Döll, Autorin, Marina Hong, Düsseldorf

Alexandra Döll - Persönliche Daten: geboren 1974 in Essen, wohnhaft ebendaFamilienstand: ledig, keine KinderAbitur 1993, anschließend ...

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