Die Unterwelt - älteste Bilder und Karten

Weg ins Jenseits - Amgervinus
Weg ins Jenseits - Amgervinus
Landkarten der Unterwelt aus Ägypten. Mit Hilfe von Jenseitsführern und Wortmagie die dunkle Unterwelt überwinden und das ewige Leben erreichen.

Das Jenseits, oder die Unterwelt, gilt als die Stätte, an der die Toten verweilen. Von ihr sprechen schon die ägyptischen Pyramidentexte, die weltälteste religiöse Textsammlung. Sie ist nicht nur ein Ort in den die Tagessonne eingeht, um sie des Nachts zu durchwandern, und wo der Nilfluss seinen Ursprung hat, es ist auch ein Ort, in dem die Toten aufgenommen werden, nachdem sie die Himmelsleiter aufgestiegen sind.

Lokalisierung der Unterwelt

Um aber das ewige Leben nach dem Tod zu erreichen, an welches die Ägypter glaubten, musste man ein Gebiet voller Dunkelheit, Grauen und Todesgefahren durchwandern und die dämonenartige Bevölkerung überwinden, um zum „versprochenen“ Land zu gelangen. Die Lokalisierung dieses Weges wird erst in der Zeit des Neuen Reiches klarer definiert und soll im Nachthimmel zu suchen sein.

Durch Wortmagie zum ewigem Leben

Der älteste Jenseitsführer und zugleich die älteste Landkarte der Unterwelt ist das sog. Zweiwegebuch. Es stammt aus Ägypten und ist auf etwa zwanzig Särgen der 11. und 12. Dynastien einmalig in der Nekropole von Deir el-Berscheh in Mittelägypten belegt. Hierbei handelt es sich in erster Linie um eine Spruchsammlung, die den Toten durch die verschlungenen Pfade der Unterwelt führt, indem er durch die Magie der Worte beschützt und weitergeleitet wird. Das Ziel ist es, das ewige Leben am Ende dieses Pfades zu erreichen.

In der späteren Zeit tauchen zwei weitere Jenseitsführer auf, das Amduat, übersetzt: Das Buch von dem ,„was in der Duat (= Unterwelt) ist“ und das Pfortenbuch. Die Inhalte und Ortschaften der Unterwelt werden in diesen späteren Jenseitsführern in 12 Stunden geteilt und in Tore gegliedert. Sie beschreiben den Lauf der Sonne vom Augenblick, in dem sie untergeht, über ihre gefährliche Reise durch die Unterweltstunden, bis zum Moment ihrer Wiedergeburt in der Morgensonne und dem Beginn eines neuen Tages.

Die Topographie des Zweiwegebuchs

Die Niederschriften dieser Sprüche sind freilich verschieden im Umfang, jedoch haben sie eine gemeinsame Ausführung der Texte und Bilder: Das Kernstück zeigt bei allen eine landkartenartige Zeichnung der Unterwelt, in dessen Mitte ein Feuerstrom durchfließt, der an beiden Seiten einen Weg eingezeichnet hat, der eine zu Lande, der andere zu Wasser, beide voller Gefahren. Die kurvigen Strecken sind mit Fallen gespickt und führen durch Feuertore, dessen Eingänge von grausigen Wächter-Dämonen gehütet und gesperrt sind. Ausweichen kann der Tote nur auf die Nebenpfade, die seitab in den Feuersee führen, wo die Seele elendst und für immer verbrannt wird. Dieses Kernbild der zwei Wege wird von weiteren Landschaftsbildern oder -bezirken der Unterwelt umrahmt, begleitet von Spruchgruppen, die magisch helfen, an diesen Spukgestalten und Landschaften vorbei zu kommen. Hat es der Tote geschafft, so gelangt er zum Eingang ins Totenreich und die Welt des Osiris, des Totengottes, und kann dort mit jedem Aufgehen der Sonne wieder neu geboren werden um den Tag zu leben.