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Traditionell beginnt die Preisverleihungssaison in den USA mit der Vergabe der Preise des National Board of Review of Motion Pictures, über deren Vergabe Filmhistoriker, Studenten und Kinoexperten entscheiden. Und damit sind auch die ersten ernsthaften Kandidaten für eine Oscarnominierung bekannt.
„Up in the Air“ mit George Clooney gewinnt vier Preise
Klarer Favorit der US-Kritiker ist in diesem Jahr die schwarze Komödie „Up in the Air“ von Jason Reitman. Der Film wurde bereits bei seiner Premiere auf dem Filmfestival in Toronto begeistert aufgenommen und gilt seither als Favorit für die Preisverleihungen. Nun wurde die Komödie als bester Film und für das beste adaptierte Drehbuch ausgezeichnet, außerdem erhielt Anna Kendrick den Preis als beste weibliche Nebendarstellerin.
In dem Film spielt George Clooney den ehrgeizigen Managementberater und Vielflieger Ryan Bingham, dessen Consultingfirma sich auf Kündigungen spezialisiert hat. Für seine großartige Darstellung erhielt George Clooney nun vom National Board of Review den Preis als bester männlicher Hauptdarsteller.
Morgan Freeman und Clint Eastwood werden für „Invictus“ ausgezeichnet
Allerdings muss sich „Up in the Air“-Hauptdarsteller George Clooney seine Auszeichnung mit Morgan Freeman teilen, der den Preis für seine Rolle als Nelson Mandela in dem Drama „Invictus“ erhielt. Für das Anti-Apartheids-Drama wurde zudem Clint Eastwood als bester Regisseur ausgezeichnet.
Carey Mulligan, Woody Harrelson und „It’s complicated“ erhalten Darstellerpreise
Als beste Hauptdarstellerin wurde Carey Mulligan für das Drama „An Education“ ausgezeichnet. Nach einem Drehbuch von Nick Hornby erzählt der Film von der fleißigen Vorzeigeschülerin Jenny, die von einem mondänen Mittdreißiger (Peter Sarsgaard) in das bunte Leben der Nachtclubs eingeführt wird. „An Education“ hat zuvor den Publikumspreis beim Sundance Filmfestival gewonnen und läuft im Februar 2010 in den deutschen Kinos an. Der beste Nebendarsteller wurde Woody Harrelson für den Film „The Messenger“, in dem er einen Soldaten spielt, der Familien die Nachricht vom Tode ihres Angehörigen überbringen muss.
Der Preis für das beste Darstellerensemble geht an die Komödie „It’s Complicated“ mit Meryl Streep, Steve Martin und Alec Baldwin. Für Meryl Streep ist es die zweite Ensemble-Auszeichnung in Folge, da im letzten Jahr die Darsteller von „Doubt“ diesen Preis erhalten haben.
„Inglourious Basterds“ und „A Serious Man“ – Die Top-Ten-Liste der besten Filme
Das National Board of Review war die erste Institution, die eine Liste der besten zehn Filme eingeführt hat, und seither haben viele Preisverleihungen diese Idee übernommen. Fast jedes Jahr finden sich auf der Liste auch heiße Anwärter auf weitere Auszeichnungen, deshalb lohnt sich ein genauer Blick. Allerdings lassen sich aus der Reihenfolge auf der Liste keine Platzierungen ablesen – sie ist bei dem National Board of Review alphabetisch sortiert.
Neben der ausgezeichneten Komödie „Up in the air“ stehen in diesem Jahr auch Quentin Tarantinos „Inglourious Basterds“, „An Education“, „500 Days of Summer“, „The Hurt Locker“, „Invictus“, „The Messenger“, „Star Trek“ und „Where The Wild Things Are“ auf der Liste. Außerdem gehört „A Serious Man“ von Ethan und Joel Cohen zu den besten zehn Filmen des Jahres, und sie wurden für das beste Originaldrehbuch ausgezeichnet. Der zehnte Film ist der Animationsfilm „Up“, der von dem Kritikerverband den Preis für den besten Animationsfilm erhalten hat.
Gabourey Sidibe könnte mit „Precious“ die größte Überraschung werden
Eine bislang unbekannte Afro-Amerikanerin bestimmt derzeit in Hollywood die Schlagzeilen. Die 26-jährige Gabourey Sidibe wurde für ihre Darstellung eines 16-jährigen misshandelten Mädchens in dem Drama „Precious“ schon nach der Premiere des Films auf dem Sundance Festival gefeiert. Jetzt mausert sie sich zu einem Geheimtipp für die Preisverleihungssaison. Ebenso wie von dem National Board of Review hat sie schon den Preis als beste Nachwuchsdarstellerin beim Chicago International Festival, den Washington DC Area Film Critics Association Awards und den Satellite Awards erhalten. Und bei den Independent Spirits Awards ist sie als beste Hauptdarstellerin nominiert.
„Un prophète“ wird als bester fremdsprachiger Film ausgezeichnet
Der Preis für den besten fremdsprachigen Film geht nach Frankreich für den Film „Un prophète“. Das Krimidrama erzählt die Geschichte des arabischstämmigen Franzosen Malik, der im Gefängnis unter dem Einfluss der korsischen Mafia zu einem erfolgreichen Kriminellen aufsteigt. Premiere feierte der Film bei den Filmfestspielen in Cannes und wurde dort auch mit dem Großen Preis ausgezeichnet, kürzlich hat er zudem den Preis als bester französischer Film 2009 erhalten. Ein deutscher Starttermin ist noch nicht bekannt. Unter die letzten fünf Beiträge hat es kein deutscher Film geschafft.
Favoriten für die Oscars
In den letzten beiden Jahren hat sich die Preisvergabe des National Board of Review als guter Indikator für die Oscarverleihung erwiesen. So gingen die Auszeichnungen für den besten Film an „No Country for Old Men“ und „Slumdog Millionaire“, die ja bekanntermaßen auch den Academy Award erhielten. Auch in diesem Jahr wurden einige der im Vorfeld bereits als Favoriten für die Oscarverleihung gehandelten Namen und Filme ausgezeichnet. Allerdings orientieren sich die Auszeichnungen des US-Kritikerverbands traditionell eher an kleineren Produktionen, daher sollte diese Preisvergabe auch nicht überschätzt werden. Die Preise werden im Rahmen einer Gala am 12. Januar 2010 in New York vergeben.
