Der Tagesablauf von Norbert S. folgt einem klaren Muster: Einkaufen, Kochen, Waschen, Spazieren gehen, den mit Milch vollgespuckten Fußboden aufwischen und dazwischen für die Belustigung eines Babys zu sorgen. Norbert gehört nämlich zu den knapp fünf Prozent der österreichischen Väter, die ihren Anspruch auf Elternkarenz wahrnehmen. Für ihn sei von Anfang an klar gewesen, dass er im gleichen Ausmaß wie seine Partnerin Verantwortung für das gemeinsame Kind übernehmen und aktiv an den ersten, kostbaren Lebensjahren beteiligt sein wolle.
Das Image von Karenzvätern aufpolieren
Väter in Karenz werden - wohl wegen ihrer Seltenheit - oftmals als ein Art exotische Spezies betrachtet, als Softies belächelt oder mit purem Unverständnis behandelt. Denn wie die Zeitverwendungsstudie des Bundesministeriums für Frauen 2009 zeigte, ist Kindererziehung in Österreich immer noch Frauensache: Körperpflege, Ernährung und Kinderarztbesuche werden von einer überwiegenden Mehrheit der Mütter erledigt, während die Väter vorwiegend am Freizeitsektor aktiv beteiligt sind. Hier zeichnet sich also das klassische Szenario des Good Time Daddy ab, der am Wochenende den Funfaktor in die Höhe treibt, ins Alltagsgeschehen aber relativ wenig involviert ist.
Mit der Kampagne "Echte Männer gehen in Karenz" versucht die österreichische Frauenministerin Gabriele Heinisch-Hosek, vermehrt Vätern die Karenz schmackhaft zu machen. Dabei, so die Ministerin, gehe es nicht ausschließlich um die Einzelpersonen, sondern auch um eine Imagekorrektur der Karenz in den Unternehmen. Die Auszeit dürfe keine Karriereunterbrechung darstellen, sondern müsse als Chance auf persönliche Weiterentwicklung gesehen werden. Im Gespräch mit Norbert S. bestätigt sich dieser Ansatz: "Meine Stressresistenz und mein Multitasking haben nie geahnte Ausmaße angenommen" erklärt der 34-jährige Sachbearbeiter stolz.
Karenz als Karriere- und Finanzknick
Dass viele Unternehmen anders denken, ist erwiesen. Obwohl rechtlich gesehen der Arbeitsplatz während der Karenz gesichert ist, stellt eine längere Unterbrechung im Arbeitsprozess unweigerlich einen Nachteil auf der Karriereleiter dar, da sich oftmals der Wiedereinstieg kompliziert gestaltet. Finanzielle Einbußen währen der Karenz sind die Regel. Liegt es also am Geld? In Island gehen 80 Prozent aller Väter in Karenz - und beziehen dafür rund 80 Prozent des letzten Verdienstes. In Schweden wiederum verfällt der volle Anspruch auf die Karenzdauer, wenn nicht beide Elternteile daran beteiligt sind. In Österreich existiert ein ähnliches System, welches die Verlängerung der Bezugsdauer bei Inanspruchnahme der Karenz durch beide Elternteile ermöglicht, allerdings ist von fünft Karenzmodellen in Österreich nur eines einkommensabhängig. Und zwar das kürzeste mit einer Dauer von maximal vierzehn Monaten. Hier tritt ein weiteres Problem auf, da im Gegensatz zu Skandinavien kein fixer Betreuungsplatz für Kinder unter drei Jahren zur Verfügung steht. Ein innovatives System bietet Norwegen, wo beide Elternteile nach der Geburt in Teilzeitkarenz gehen und sich somit bei vollem Gehalt die Kinderbetreuung täglich aufteilen können.
Es besteht in Österreich also trotz Verbesserungen noch sichtlich Handlungsbedarf, doch, um es mit den Worten von Norbert S. zu sagen: Die wunderbare Erfahrung mit einem kleinen Kind lässt sich ohnehin nicht mit Geld aufwiegen.
Quellen und weiterführende Links
maennerinkarenz.at - eine Initiative der Frauenministerin Gabriele Heinisch Hosek
karenzundkarriere.at
Interview mit Norbert S., in Karenz 2010/11
