Die Varusschlacht

Arminius besiegte die Römer im Jahr 9n.Chr. - Hans-Christian Hein  / pixelio.de
Arminius besiegte die Römer im Jahr 9n.Chr. - Hans-Christian Hein / pixelio.de
Die Varusschlacht war die größte Niederlage Roms im Krieg gegen germanische Völker.

Die Varusschlacht ist in der Geschichtswissenschaft und auch in anderen Feldern immer wieder ein Grund für Diskussionen und weitere Forschungen. Zu kaum einer anderen Schlacht wurden so viele Thesen aufgestellt, Beweise gesucht und Behauptungen revidiert. Dies geht wahrscheinlich darauf zurück, dass die Varusschlacht in der Vergangenheit nicht immer am Maßstab der wissenschaftlichen Objektivität erforscht wurde, sondern für spezielle Ideologien missbraucht und entsprechend interpretiert wurde.

Varus war ein hitzköpfiger Herrscher

Für den Feldherrn Varus (46 v. Chr. - 9 n. Chr.), der die Sonne des Mittelmeerraumes gewöhnt war, war es sicher eine Umstellung, in die dunklen Wälder der Germanen zu ziehen. Doch nicht nur der Klimawechsel hatte einen schlechten Einfluss auf Varus, sondern auch sein Missverständnis über die Lage in „Germanien“. Während seine Vorgänger es geschafft hatten, die Germanen zu großen Teilen als Freunde zu gewinnen, zeigte Varus den Germanen gegenüber die typische Arroganz eines Herrschers gegenüber dessen Untertanen. Dies brachte innerhalb der germanischen Stämme viel Unmut, zumal seine Regentschaft immer mehr als Unterdrückung und Ausbeutung wahrgenommen wurde.

Arminius war ein rebellischer Untertan

Arminius (17 v. Chr. - 21 n. Chr.) führte nicht nur ein spannendes Leben, sondern wurde auch innerhalb der europäischen Geschichte, insbesondere in der früheren deutschen Geschichtswissenschaft, spannenden Interpretationen unterzogen. So galt er lange Zeit als der „Befreier Germaniens“, was vor allem in der Zeit des aufkommenden Nationalismus des 19. Jahrhunderts als Legitimation für eigene nationalistische Geschichtsauslegungen genutzt wurde. Lieder, Gedichte und unzählige Sachtexte erschienen über die Mythos-Figur „Hermann, der Cherusker“. Der Arminius-Kult unterstützte das Gefühl der nationalen Überlegenheit, erschwerte aber den Wissenschaftlern eine weitgehend objektive Auseinandersetzung mit dem Thema.

Arminius war der Sohn des Cheruskerfürsten Segimer. Segimer zeigte sich den Römern aufgeschlossen und verhandelte mit diesen. Der Kontakt zu den Römern ermöglichte es Arminius, in der römischen Armee zu dienen und so die Taktiken und Strategien der Römer kennenzulernen. Arminius erwarb sich sogar das römische Bürgerrecht und den Status als Ritter. Er war auch der lateinischen Sprache mächtig. Als Arminius erfuhr, dass Varus das Cheruskerland bis an die Weser erobern wollte, begann er Gegenmaßnahmen zu planen. Arminius konnte das Vertrauen des Varus gewinnen, was vor allem auf seine „römische“ Vergangenheit zurückzuführen ist. Zwar wurde Varus gewarnt, dass Arminius einen Aufstand plane, aber Varus nahm diese Warnung nicht ernst und verzichtete darauf, Arminius in Gefangenschaft zu nehmen.

Die Varusschlacht war ein Hinterhalt

Die Schlacht, die Varus führen musste, war keine reine Feldschlacht, sondern ein Kampf auf unbekanntem Gelände. Die römischen Soldaten wurden zu einem vermeintlichen Aufstand gerufen und sollten diesen niederschlagen. Auf dem Weg zu dem angeblichen Ort des Aufstandes geriet das Heer in den Hinterhalt des Arminius. Dieser Überraschungsschlag machte es den römischen Soldaten unmöglich, sich aufzustellen und die sonst effektiven Formationen einzunehmen. Die lange Zeit von der Wissenschaft aufgestellte Behauptung, dass Varus keine Möglichkeit zur Organisation des Heeres hatte, weil er in unwegsamem Gelände marschierte, wird gegenwärtig immer mehr bestritten, da Bodenforschungen ergeben haben, dass am Austragungsort der Schlacht - man nimmt an, dass die Schlacht in der Nähe von Kalkriese stattgefunden hat - vor allem Buchenwälder und kleinere Eichenmischwälder standen. Die Undurchdringlichkeit der Wälder war wahrscheinlich nicht so groß, wie Cassius Dio (163-229) behauptet.

Varus war ein fähiger Feldherr

Häufig wird dem römischen Feldherrn vorgeworfen, dass er unfähig war, ein Heer zu führen und Situationen richtig einzuschätzen. Zwar begann der Kampf an Engpässen, die es den Römern erschwerten, sich zur Wehr zu setzen und Varus ließ seine Truppen nicht in Gefechtsordnung marschieren, aber er konnte immerhin den ersten Überfall erfolgreich abwehren. Am Abend des ersten Kampftages war er sogar dazu in der Lage, ein ordentliches Lager aufzuschlagen. Er konnte sich also zumindest am Beginn der Schlacht beweisen, denn ein Überfallkommando mit einer nicht aufgestellten Armee zu besiegen, war sehr schwer.

Die Varusschlacht dauerte drei Tage

Gegenwärtig geht man davon aus, dass die Varusschlacht in drei Etappen ausgefochten wurde. Diese drei Etappen sind auf drei Tage verteilt. Die Schlacht begann als Überfallschlacht, setzte sich als Defileeschlacht fort und endete schließlich als eine freie Feldschlacht. In der Schlacht verloren die Römer sehr viele Soldaten, sämtliche Kastelle am Rhein wurden zerstört und der Status der Römer als Besatzungsmacht geriet stark ins Wanken.

Arminius besiegte nicht alle römischen Soldaten in Germanien, dafür reichten seine Heereskapazitäten nicht aus. Von seinem Heer befanden sich zwei weitere römische Legionen wenige Tagesmärsche entfernt und die Besatzung von Aliso (ein römisches Kastell) befand sich im Rücken des germanischen Heeres. Nach dem Sieg über Varus zog es Arminius vor, die Kastelle bis zum Rhein zu zerstören, statt gegen die anderen römischen Heere zu ziehen. So konnten sich die römischen Soldaten auf die sichere Seite des Rheins flüchten.

Literatur:

  • FRANKE, Alfred: Rom und die Germanen. Das neue Bild der deutschen Frühgeschichte. Tübingen: Grabert Verlag, 1980.
Christoph Eydt, Christoph Eydt

Christoph Eydt - Christoph Eydt ist als freier Texter und Ghostwriter tätig.Auf Suite101 veröffentlicht er Fachartikel zu verschiedenen Themen. ...

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