Die vergessene Republik Somalia

Ein Land ohne Perspektive und Hoffnung

Die Somalis erleben eine humanitäre Katastrophe - ©Sören Rudolph/Pixelio
Die Somalis erleben eine humanitäre Katastrophe - ©Sören Rudolph/Pixelio
Die Republik Somalia ist Schauplatz einer gesellschaftlichen Tragödie - doch leider will sie niemand sehen.

Der Staat Somalia gilt vielen Experten als Paradebeispiel für einen „failed state“. Seit nahezu 20 Jahren besitzt das Land keine funktionierende Zentralregierung mehr, bewaffnete Milizen durchkämmen das Land, und verfeindete Klans ringen in den Siedlungsgebieten um die Vorherrschaft. Die Zivilbevölkerung muss dabei unermesslich viel Leid ertragen, humanitäre Katastrophen sind an der Tagesordnung. Doch trotz dieser ungeheuerlichen Vorgänge nimmt die westliche Welt nur wenig Notiz von dem Schicksal des somalischen Volkes.

Berichte über Raubzüge somalischer Piraten sind zwar regelmäßig in den Medien zu finden, allerdings wird die gegenwärtige Situation im Landesinneren nur höchst rudimentär beleuchtet. Die komplexen politischen und sozialen Determinanten am Horn von Afrika werden oftmals ausgeblendet, und nur einige Symptome dieser gesellschaftlichen Tragödie erscheinen als Schlagzeile in den Nachrichten. Doch warum ist es dazu gekommen? Wie konnte sich Somalia in einer globalisierten Welt scheinbar unbemerkt zu einem Stützpunkt moderner Freibeuter entwickeln?

Somalia war schon immer ein Spielball der Weltmächte

Die Antwort darauf ist nicht einfach, bedarf sie doch einer Untersuchung sehr unterschiedlicher Themenfelder. Doch eine Ursache für die dramatischen Geschehnisse am Horn von Afrika ist mit Sicherheit die profane Tatsache, dass Somalia seine geopolitische Bedeutung schon seit langer Zeit verloren hat. Seit der Kolonialzeit war das somalische Volk ein Spielball der großen Weltmächte. Bereits im 19. Jahrhundert teilten französische, italienische und englische Kolonialherren das somalische Siedlungsgebiet unter sich auf, um sich in Afrika ihre Einflusssphäre zu sichern. Die Somalis wurden gedemütigt, vertrieben und entrechtet. Und so bildete sich schon in jenen Tagen eine Ablehnung gegenüber der westlichen Welt und ihrer Wertvorstellungen im kollektiven Gedächtnis der Somalis heraus, die bis heute nichts von ihrer Intensität eingebüßt hat.

Nach dem Kalten Krieg geriet das Land in Vergessenheit

Engländer oder Franzosen verschwanden zwar im Laufe der Geschichte aus Afrika, aber es kamen neue Rivalen, die um die Weltherrschaft miteinander rangen. Im Kalten Krieg hatten die USA und die UDSSR ein besonderes Interesse an der Region, wollten sie doch jeweils die Kontrolle über den wichtigen Seeweg durch den Suezkanal erlangen. Militärregime wurden ausgerüstet, finanziert und nach Bedarf auch wieder fallengelassen. Regierungen verließen sich ausschließlich auf die ausländische Unterstützung und korrumpierten zusehends. Ganz besonders in Somalia. Doch als der Kalte Krieg 1991 schließlich sein Ende fand, war auch das Schicksal des somalischen Staates besiegelt. Die Welt wandte sich ab und vergaß das Land. Denn wo war nun sein Nutzen?

Die Welt wendet sich ab

So ist Somalia heute nur ein dunkler Fleck auf der Karte der modernen Welt. Gescheiterte Hilfseinsätze, wie etwa im Jahr 1993, haben nicht gerade dazu beigetragen, die Hilfsbereitschaft der Weltgemeinschaft zu vergrößern. Und so ergibt sich eine scheinbar paradoxe Situation: Zum ersten Mal seit Jahrhunderten gibt es in Somalia keine ausländische Einmischung mehr, doch nun könnte sie Land wirklich einmal gebrauchen.

Rolf Severing, Rolf Severing

Rolf Severing - Hallo liebe Leser, ich bin schon seit einiger Zeit Journalismusstudent an der Universität Giessen. Meine fachlichen Schwerpunkte ...

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