Die Vier-Prozent-Senkung der ABG

Reihenhaussiedlung in Frankfurt Griesheim - il brutto
Reihenhaussiedlung in Frankfurt Griesheim - il brutto
Die Frankfurter Wohnungsgesellschaft ABG wird zukünftig dazu angehalten, die Mietpreise bei Neuvermietungen um vier Prozent unter den Mietspiegel zu senken.

Die Schwarz-Grüne Koalition unter der Oberbürgermeisterin Petra Roth hat ein Maßnahmenpaket ins Leben gerufen, um die ansteigende Mietpreisentwicklung in Frankfurt ein Stück weit abzufedern. Als Mittel der Wahl wurde die Wohnungsgesellschaft ABG auserkoren, welche nicht nur zu 99 Prozent der Stadt gehört, sondern die mit rund 50.000 Wohnungen auch der größte Vermieter der Mainmetropole ist und ein Viertel aller Wohnungen stellt.

Vier Prozent unter dem Mietspiegel

In Zukunft soll die ABG bei Neuvermietungen vier Prozent unter den Vorgaben des Mietspiegels bleiben. Dies soll für alle Wohnungen im mittleren bis niedrigen Preissegment gelten. Ausgenommen hiervon sind die wenigen hochpreisigen Wohnungen der Gesellschaft, ebenso wie jeglicher geförderter Wohnraum. Die ABG hat im Durchschnitt etwa 4.000 Neuvermietungen pro Jahr, darunter fallen auch rund 1.600 geförderte und 400 Wohnungen im Hochpreissegment. Betroffen sind also rund 2.000 Wohnungen, auf die die Vier-Prozent-Senkung angewendet werden könnte. Frank Junker, Geschäftsführer der ABG Frankfurt Holding, gab in einem Interview mit der Frankfurter Rundschau bekannt, dass das Unternehmen damit einen geschätzten Verlust von 390.000 Euro im Jahr einfahren würde. Im Großen und Ganzen hält Junker den finanziellen Einschnitt allerdings für „verkraftbar“.

Freie Eigentümergemeinschaft macht Front gegen die ABG

Auf den ersten Blick scheint die Preisreduzierung bei den Neuvermietungen ein guter Ansatz zu sein, vor allem um einkommensschwachen Familien unter die Arme zu greifen. Weniger gut kommt die Vier-Prozent-Senkung jedoch bei anderen Vermietern in Frankfurt an, welche in dem Schwarz-Grünen Maßnahmenpaket eine Wettbewerbsverzerrung sehen. Die Eigentümergemeinschaft Haus und Grund hat bereits angekündigt, gegen ein solches Vorgehen zu klagen. Ihrer Meinung nach müssten die Wohnungen der ABG komplett aus dem Mietspiegel entfernt werden. Dass von dieser Regelung jedes Jahr nur rund 2.000 Wohnungen betroffen sind – also etwa vier Prozent des ABG Gesamtbestandes – scheint dabei für die Eigentümergemeinschaft nicht von Interesse zu sein.

Die ABG Frankfurt Holding

Bereits 1890 wurde die Aktienbaugesellschaft für kleine Wohnungen (ABG) in Frankfurt gegründet. Im Jahre 1996 fusionierte sie mit der Frankfurt Holding, die 1991 gegründet worden war, und verschmolz daraufhin zu der heutigen Form, der ABG Frankfurt Holding GmbH. Zu der ABG gehören außerdem noch folgende Unternehmen: Frankfurter Aufbau AG, Hellerhof GmbH, Wohnheim GmbH, MIBAU GmbH und die Saalbau GmbH.

Die ABG hat bereits vor vielen Jahren damit begonnen, ihre Objekte energetisch aufzuwerten, und sie gilt im Passivhausbau im Bereich der Geschossbauten als eine der weltweit führenden Immobiliengesellschaften. Aber auch andere Projekte hat sich die ABG auf die Fahne geschrieben, zum Beispiel die erste Getreideheizung Hessens. Außerdem befinden sich im Portfolio der ABG zahlreiche Alten- und Jugendeinrichtungen.

Quellen:

Andreas Schnell, Andreas Schnell

Andreas Schnell - Andreas Schnell ist freier Autor / Journalist und lebt gemeinsam mit seiner Frau und zwei Töchtern in Frankfurt/Main. Redaktionell ...

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