Die Vogelhochzeit - Bräuche und Sitten der Sorben der Lausitz

Vogelhochzeit der Kinder in Briesen/Spreewald - Plomje
Vogelhochzeit der Kinder in Briesen/Spreewald - Plomje
Die sorbischen Kinder der Lausitz kennen diesen Brauch: Zur Vogelhochzeit von Rabe und Elster werden sie für ihre Fürsorge im Winter für die Vögel belohnt.

So vielfältig wie das Volk der Sorben und Wenden in der Lausitz ist, genauso vielfältig sind die lange gehegten und gepflegten Traditionen. Viele Sitten und Bräuche der sorbischen Minderheit aus der Niederlausitz und der Oberlausitz gehen aus historischen Traditionen und dem alten Naturglauben der damaligen Menschen vor der Christianisierung hervor. Hier vermischt sich Tradition mit dem von der Kirche auferlegten katholischen Glauben.

Ein Vogel wollte Hochzeit machen... - die Vogelhochzeit in der Nieder- und Oberlausitz

Die Vogelhochzeit ist neben den Osterbräuchen in der Nieder- und Oberlausitz einer der wohl bekanntesten Bräuche und wird von den Kindern im sorbischsprachigen Raum und in einigen Regionen Europas ausgiebig gefeiert. Am Vorabend des 25. Januar stellen die Kinder einen Teller auf die Fensterbank oder vor die Tür, welcher am nächsten Morgen mit Süßigkeiten oder aus Teig gebackenen Vögeln gefüllt ist. Damit bedanken sich die Vögel der Überlieferung nach für die Winterfütterung durch die Kinder. Zur Vogelhochzeit gehört dann am 25. Januar, dass sich die Kinder als Brautgesellschaft verkleiden und an einem Umzug teilnehmen. Der eigentliche ursprüngliche Gedanke stammt noch aus vorchristlicher Zeit, wo die Menschen die Gunst und Zuneigung der Naturgötter zu gewinnen versuchten. Die mystische Vorstellung von den Ahnen, die mit Speiseopfern milde gestimmt werden wollten, verwandelte sich im Laufe der Jahrhunderte und wurde zu dem beliebten Kinderfest.

Das sorbische Fest mit Elster und Rabe – die Vogelhochzeit

Während in der Oberlausitz, im Raum Bautzen, die Vogelhochzeit (Ptaci kwas) als besonderer Brauch innerhalb der Familien weitergegeben wird, feiern in der Niederlausitz im Raum Cottbus und im Spreewald hauptsächlich die Kitas und sorbischen Schulen dieses besondere Fest (Ptaskowa swajzba). Die Kinder verkleiden sich dann als Brautpaar: Die Elster (niedersorbisch: sroka) ist die Braut und der Rabe (niedersorbisch: wron) ist der Bräutigam. Die anderen Kinder, als bunte Vogelschar verkleidet, sind die Festgesellschaft. In einigen Regionen tragen Braut und Bräutigam eine ganz besondere Hochzeitstracht, die neben der eigentlichen Festtagstracht zu einem besonderen Hingucker im sorbischen Brauchtum gehört. Neben dem Brautpaar gibt es bei dem Umzug zusätzlich noch verschiedene Patinnen und den Hochzeitsbitter. Dieser dient bei sorbischen Hochzeiten als Zeremonienmeister und hat demnach auch bei der Vogelhochzeit eine besondere Funktion. Im szenischen Spiel ziehen die verkleideten Kinder durch das Dorf. Als Belohnung gibt es für die Kinder eine aus Teig gebackene Elster. Die Vogelhochzeit bildet den Anfang der sorbischen Trachtenumzüge in den verschiedenen Regionen der Niederlausitz und der Oberlausitz.

Ein traditionell gepflegter sorbischer Brauch zum Frühlingsanfang

Der Ursprungsgedanke für die Vogelhochzeit im sorbischsprachigen Raum bezieht sich auf ganz einfache Beobachtungen in der Natur. Ende Januar beginnen die ersten Vögel mit dem Balzen, fangen an, sich Nistplätze zu suchen und läuten mit ihrem Gebären nach einem langen entbehrungsreichen Winter den langersehnten Frühling ein. Die Menschen wollen mit der Vogelhochzeit den Frühling begrüßen und den kalten Winter in seine Schranken weisen. Der Naturglaube der Sorben ist noch immer präsent. In einer kargen Region sind sie abhängig von dem, was die Natur so hergibt. Sie sind stolz auf ihre alten Traditionen, ihre Sprache und die alten Bräuche und Geschichten. Wenn die Vögel Hochzeit halten, dann wollen sie insbesondere den Kindern etwas von ihrer Festtafel überbringen, um ihnen zu danken. Wenn die Kinder durch die Dorfstraßen ziehen, spielen sie eine solche Hochzeit nach und singen altbekannte Lieder. Das Lied von der „Vogelhochzeit“ ist ein seit dem 17. Jahrhundert bekanntes Volkslied und gehört zu jeder Vogelhochzeit dazu.

Quellenangaben:

Bräuche der Sorben

Lausitzer Rundschau vom 26.01.2011

Sorbischer Kulturtourismus

Sandra-Maria Erdmann, Sandra-Maria Erdmann

Sandra-Maria Erdmann - Ich bin Jahrgang 1980, geboren und aufgewachsen am Rande des Spreewaldes im Örtchen Cottbus. Während meiner Schulzeit habe ich ...

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