Die Volksgruppe der Tuareg - ihre Sprache, Kunst und Kultur

Ein Blick auf das Siedlungsgebiet, die soziale Organisation, die Sprache und die Kunst und Kultur des nordafrikanischen Volks der Tuareg.

Das afrikanisch indigene Volk der Tuareg wird der nordafrikanischen Volksgruppe der Berber zugeordnet und ist ein halbnormadisch, islamisches Volk. Die Zugehörigkeit zur Gruppe der Tuareg wird häufig durch die Sprache Tamacheq definiert. So können den Tuareg etwa 1 Millionen Menschen zugeordnet werden.

Siedlungsgebiet und Sprache der Tuareg

Die Tuareg sind weiträumlich regional verteilt auf die Staaten Niger, Mali, Algerien und Libyen. Die Tuareg vereinen sowohl arabische als auch südsaharanische kulturelle Elemente, besitzen mit ihrer Sprache Tamacheq, einem Berber-Dialekt, jedoch ein verbindendes identitätstiftendes Element. Die verbindende Bedeutung der Sprache Tamacheq verdeutlicht auch der immer gebräuchlichere Term „Kel Tamacheq“ (Menschen der Tamacheq-Sprache) als Bezeichnung für die Gruppe der Tuareg. Die Wirtschaftsweisen, soziale Stratifizierung sowie geographischer Ursprung der Tuareg weisen eine große Bandbreite auf, was eine Kategorisierung anhand dieser Kriterien erschwert. Tuareg-Gruppen können sowohl in der agrarischen Nutzung von Oasen als auch in der Viehzucht oder dem Karawanenhandel tätig sein. Ihr Ursprungsgebiet ist die Sahara-Region, im Verlauf des späten 20. Jahrhunderts siedelten sich jedoch viele Tuareg in der sub-saharanischen Sahelzone an.

Kunst und Kultur bei den Tuareg

Die Kultur der Tuareg umfasst insbesondere eine große musikalische Kultur. Gesang, Tanz und instrumentale Musik sind in allen sozialen Schichten von großer Wichtigkeit. Kunst und Kreativität äußert sich bei den Tuareg zumeist in Metallarbeiten wie zum Beispiel Silberschmuck. Auch Leder und Holzarbeiten spielen eine große Rolle und etablierten sich durch den Verkauf an Touristen inzwischen als Wirtschaftsfaktor.

Wesentliche Züge der Verwandtschafts- und Familienorganisation der Tuareg

Durch den arabischen Einfluss auf die ursprünglich matrilinearen Strukturen ist das heutige Abstammungs- und Vererbungssystem bilinear organisiert. Die Beziehung zur mütterlichen Seite ist bei den Tuareg meist emotionaler und enger und wird „tedis“ genannt, wohingegen die Beziehung zur väterlichen Verwandtschaft eher distanzierter ist. In ländlichen Gebieten spielt klassen-endogamische Heirat immer noch eine große Rolle. Polygamie tritt vereinzelt auf, basiert jedoch nicht auf einer Tradition der Tuareg.

Charakteristische Elemente der sozio-politischen Organisation

Die traditionelle soziale Stratifizierung innerhalb der Tuareg basierte auf dem „eghiwan“, einer Ansiedlung von fünf oder sechs Familien, von denen bis zu zwanzig eine Abstammungssektion „tawsit“ bildeten. Aus dieser Gruppe wiederum wurden „chiefs“ gewählt. Diese traditionellen „chiefs“ dienen heute als Bindeglied zu staatlichen Behörden und garantieren deren Einfluss, indem sie zum Beispiel die Besteuerung kontrollieren oder weitere Verwaltungsaufgaben ausführen. Eine wichtige Rolle in der sozialen Hierarchie spielt auch der individuelle Vermögensstand. Traditionell garantierte Wohlhaben auch politischen Einfluss. Eine Aristokratie von weniger als 10% der Tuareg kontrollierte weite Teile der Ressourcen sowie eine große Zahl von Abhängigen, deren Status wiederum von der aristokratischen Familie, der sie unterstanden, abhängig war.

Quelle: Encyclopedia of World Cultures Volume IX; Africa and the middle east. New York. 1995.

Christian Guth, Christian Guth

Christian Guth - Christian Guth ist Diplom-Geograph. Der Schwerpunkt seines Studiums lag auf dem Feld der Wirtschaftsgeographie.

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