Editor's Choice

Die Vorstellung von Freiheit bei David Hume

Menschliche Handlungen als eine Folge von Ursache und Wirkung

David Hume - http://www.d.umn.edu/cla/faculty/jhamlin/2111/2111
David Hume - http://www.d.umn.edu/cla/faculty/jhamlin/2111/2111
David Hume ist überzeugt, dass Willensfreiheit nicht existiert. Er stützt sich dabei auf die These, dass Kausalität in der Natur auch für geistige Vorgänge gelte.

Obwohl schon Isaak Newton die Natur streng mechanisch, kausal und mathematisch erklärte, und er großen Einfluss auf das naturwissenschaftlich-deterministische Denken hatte, wurde dies nicht als Bedrohung für das Verständnis menschlicher Handlungsfreiheit und Selbstbestimmung gesehen und konnte die Freiheit nicht berühren. David Hume ging einen Schritt weiter und übertrug die nur nach den Ursachen fragende Betrachtungsweise konsequent auf den Menschen.

Kausalität bei David Hume

David Hume behandelt das Problem der Willensfreiheit in seinen beiden Schriften "Ein Traktat über die menschliche Natur" von 1739/40 und in "Eine Untersuchung über den menschlichen Verstand" von 1748. Um seine Gedankengänge über die menschliche Freiheit nachvollziehen zu können, sollte man zunächst die Vorstellung Humes über Kausalität betrachten.

Übertragung auf die Willenstheorie

Hume überträgt seine Vorstellung von Kausalität nun streng auf den Menschen. Hume ist der Ansicht, dass nicht nur in der materiellen Welt Ereignisse aufgrund kausaler Ursachen notwendigerweise geschehen, sondern dass dies auch auf das Verhalten von Menschen zuträfe. So sei das Verhalten eines Menschen determiniert. Zwar beharrten die meisten Menschen auf einer Freiheit des Willens, zeigten jedoch in ihren Handlungen, dass sie eigentlich selbst gar nicht daran glauben, sondern ebenso wie Hume der Überzeugung seien, dass Handlungen Notwendigkeiten unterlägen. Notwendigkeit lasse sich sowohl in der Natur als auch im menschlichen Denken und Handeln finden. Daher könne es keinen freien Willen geben.

Kausalität im menschlichen Handeln

Die Erfahrung lehre, dass Handlungen in konstanter Verbindung mit Motiven stehen. Man beobachte eine immer wiederkehrende Gleichförmigkeit und Wirksamkeit natürlicher Prinzipien. Auch wenn man zwischen individuellen und allgemeinen Eigenschaften des Menschen unterscheide, gründete man sie beide doch auf Beobachtung der ihnen entspringenden Handlung. Selbst trotz anscheinender Unregelmäßigkeiten könnten die inneren Beweggründe regelmäßig wirken und die wahrgenommene Gleichförmigkeit bleibe die Quelle, aus der wir menschliche Handlungen ableiten. Hume weist auf die Erfahrung hin, die als Instrument der Erkenntnis des menschlichen Handelns dient: Bestimmte Handlungen werden von Menschen durch Erfahrung der Kausalität vorausgesetzt. Wir rechnen bei unseren Entscheidungen und Handlungen mit der Konstanz des menschlichen Verhaltens. Wir erwarten ein bestimmtes Verhalten, damit sich das menschliche Zusammenleben in einigermaßen geordneten Bahnen abspielen kann.

Das Leugnen der Notwendigkeit

Auch wenn die Lehre der Notwendigkeit eigentlich von jedem Menschen anerkannt werde, so würde sie nicht mit menschlichen Entscheidungen und psychologischen Prozessen in Verbindung gebracht; an der Freiheit des Willens würde festgehalten und menschliches Verhalten, trotz der Annahme der Kausalität in der Welt, als unverursacht angesehen. Das menschliche Leben erscheine als zu komplex und unvorherbestimmt, als das dahinter gewöhnliche Kausalketten angenommen werden könnten. Denn anscheinend sei nichts unkonstanter und unbeständiger als menschliches Handeln. Dagegen sei Notwendigkeit regelmäßig. Wie sollte das eine nur aus dem anderen hervorgehen können? Hume erwidert darauf, dass menschliche Handlungen genauso betrachtet werden müssten wie äußere Gegenstände. Auch hier können Ereignisse so miteinander verknüpft werden, dass sie als Notwendigkeit gedacht werden können. Abweichungen oder widersprechende Beobachtungen lassen nicht an der Vorstellung der Kausalität zweifeln. Selbst, wenn das Wetter oftmals unberechenbar sei, nähme man dahinter trotzdem eine kausale Naturdetermination an.

Willensfreiheit als Mythos

Ein interessanter Punkt in Humes Theorie ist die Vorstellung, dass Kausalität nicht auf einem Zwang in den Dingen basiert, sondern unsere Einbildungskraft lediglich an ein regelmäßiges Auftreten zweier Ereignisse gewöhnt würde und daraus dann von dem einen auf das andere schließe. Für Hume bedeutet Freiheit die Abwesenheit von Zwang und nicht von Notwendigkeit. Unter Freiheit ohne kausalen Zusammenhang versteht er nichts anderes als Zufälligkeit. Doch Hume glaubt, dass es zu grundsätzlich jeder Handlung eine Ursache gebe und es den Zufall deshalb überhaupt nicht geben könne. Unter Freiheit versteht David Hume daher nur Handlungsfreiheit. Willensfreiheit dagegen, als unverursachtes Wollen, sei nichts weiter als ein Mythos.

Nicole Schmidt, Holger Schmidt

Nicole Schmidt - Die Freude am Schreiben begleitet mich schon mein Leben lang und so wollte ich mein Hobby zum Beruf machen. Nach Beendigung meines ...

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