
- Modelle Nenngrößen H0 und Z - Uli Kutting
Wer mit dem Gedanken spielt, eine Modellbahn zu verschenken oder selbst in dieses Hobby einzusteigen, sieht sich einer auf den ersten Blick beinahe unüberschaubaren Flut verschiedener Maßstäbe, Spurweiten und Nenngrößen-Bezeichnungen gegenüber. Nicht alle Modellbahn-Nenngrößen sind jedoch für alle Modellbahner oder an einer Modelleisenbahn Interessierten gleich gut geeignet.
Vollsortiment oder Eigenbau?
Das Alter des Modellbahners, sein Geldbeutel und der zur Verfügung stehender Platz sind entscheidende Kriterien für die Wahl der richtigen Modelleisenbahn. So hat jede Nenngröße für den Modellbahner ihre eigenen Vor- und Nachteile. Eine ganz so große Vielfalt, wie eine Aufstellung der verschiedenen Nenngrößen vermuten lässt, erwartet den Modellbahner im Spielwarengeschäft jedoch nicht. In den Sortimenten der großen Modellbahnhersteller spielen nur die Nenngrößen IIm, I, H0, N und Z eine Rolle. Alle anderen Nenngrößen, allen voran die Modelle der Schmalspurbahnen, werden weitgehend von Kleinserien- oder Bausatzherstellern bedient oder müssen vom interessierten Modellbahner im kompletten Eigenbau erschlossen werden.
Marktbeherrschend: die Nenngröße H0
Die Nenngröße H0 mit dem Maßstab 1:87 spielt auf dem Markt die bei weitem größte Rolle. Das Angebot an Fahrzeugen, Gleissystemen und Zubehör ist hier am umfangreichsten. Der Maßstab erlaubt eine sehr detaillierte Umsetzung der Vorbildfahrzeuge. Durch das schon recht hohe Gewicht der Triebfahrzeuge stellt sich zudem eine gewisse Fahrdynamik ein. Andererseits können aber auch sehr robuste, für Kinderhände geeignete Fahrzeuge hergestellt werden.
Zudem ist der Platzbedarf für den Einstieg überschaubar. Bereits auf zwei bis drei Quadratmetern lässt sich ordentlicher Nebenbahnbetrieb machen. Eine halbwegs maßstäbliche Umsetzung der Gleisanlagen des Vorbildes, wie sie der fortgeschrittene Modellbahner anstrebt, füllt jedoch schnell ein eigenes Modellbahnzimmer oder einen kompletten Dachboden.
Die Baugröße H0 ist somit fast ideal für den Einstieg in das Modellbahnhobby – auch bei begrenztem Platz. Sicherer Betrieb ist sogar bei nur zeitweise auf dem Boden des Kinderzimmers aufgebauten Anlagen möglich. Die Baugröße bietet die Option, das Hobby in späteren Jahren mit wachsenden Ansprüchen weiter auszubauen.
Unterschiedliche Stromsysteme
Zwei Stromsysteme buhlen in der Nenngröße H0 um die Gunst der Kunden: Der weitaus größte Teil der Hersteller, nicht nur in H0, verwendet das Zweischienen-Zweileiter-Gleichstrom-System, während Märklin-H0 auf das Dreischienen-Zweileiter-Wechselstrom-System setzt. Vorteil des Märklin-Systems ist die freizügigere Gestaltung der Gleisfiguren, da die Phase in Form einer – allerdings vorbildwidrigen und vor allem im Bereich der Weichen deutlich sichtbaren – Punktkontaktreihe zwischen den als Nullleiter fungierenden Schienen liegt. Kurzschlüsse durch die Verbindung von Schienen mit unterschiedlichem Potential, zum Beispiel in Kehrschleifen, wie sie beim Zweischienen-Zweileiter-System vorkommen können, sind daher kein Problem.
Die Baugrößen TT und N – beliebte Alternativen
Den zweiten Platz in der Käufergunst teilen sich die Baugrößen N (Maßstab 1:160) und TT (Maßstab 1:120). Dabei hat traditionell die Baugröße N in den alten, die Baugröße TT in den neuen Bundesländern die Nase vorn. Grund dafür ist einfach, dass es für die jeweils andere Baugröße vor der Wiedervereinigung in Ost beziehungsweise West keinen Hersteller und damit kein Angebot gab. Beide Nenngrößen erlauben auf der gleichen Fläche, auf der in H0 nur eine beschränkte Nebenbahnanlage mit stark verkürzten Gleisen möglich ist, eine deutlich großzügigere Entwicklung der Gleisanlagen.
Die Baugröße N ist für die Hände kleiner Kinder weniger geeignet – zu filigran sind die Details an den kleinen Fahrzeugen. Diese Nenngröße spricht daher eher jugendliche Hobbyeinsteiger und Erwachsene an. Anders könnte es bei der Baugröße TT sein. Einfacher gestaltete Fahrzeuge im Maßstab 1:120 sind robust genug, um auch einmal eine gröbere Behandlung wegzustecken. Doch ist, anders als in N, das Großserienangebot in dieser Nenngröße zu klein, um für einen größeren Kundenkreis attraktiv zu sein. Bis „die Spur der Mitte“ der Nenngröße H0 den Rang ablaufen könnte, müsste sich im Angebot noch viel ändern.
Von der Spielbahn zu gehobenen Ansprüchen
Märklin bietet mit der Maxi-Bahn ebenfalls eine Spielbahn an. Die größtenteils aus Blech gefertigten, sehr robusten Fahrzeuge der Baugröße I sind voll kompatibel mit den anderen Märklin-I-Modellen. Bei einigen Fahrzeugen verschwimmt die Grenze zwischen Spielzeug und anspruchsvollem Modell. Ein späterer Ausbau ist aber nur etwas für Modellbahner mit viel Platz, einem gut gefüllten Geldbeutel – die großen Handarbeitsmodelle einiger Kleinserienanbieter können locker fünfstellige Beträge kosten – und handwerklichem Geschick, denn das Angebot an Zubehör ist sehr bescheiden.
Auch die Lehmann-Gartenbahn in der Baugröße IIm braucht viel Platz. Wie der Name schon sagt ist sie aber vor allem für den Einsatz im Freien konzipiert. Die Fahrzeuge sind bedingt wetterfest. Die Modell passen größenmäßig in etwa zu Playmobil, sind aber kein Spielzeug, sondern Modelle nach konkreten Vorbildern und für ein reines Spielzeug auch zu teuer.
Spielzeug für erwachsene Technikfreunde
Genau das Gegenteil ist die Baugröße Z. Lange Zeit war die Märklin-Bahn in dieser Baugröße die kleinste Modellbahn der Welt – die kleinste Lok passt in eine Glühlampe. Für Kinder ist diese Baugröße eindeutig nicht geeignet. Doch die Möglichkeit, in einem Koffer oder dem Sofatisch eine funktionierende Modellbahn zu betreiben, macht sie bei Technikfreunden sehr beliebt. Wem das Großserienangebot der Firma Märklin nicht reicht, findet bei verschiedenen Kleinserienherstellern Ergänzungen.
