Die Weihnachtsgeschichte in der Bibel

Weihnachtskrippen und Krippenspiele erzählen von der Geburt Jesu

Die Evangelien nach Lukas und Matthäus verschmolzen zu jener Weihnachtsgeschichte, die Weihnachtskrippen und christliche Lieder erzählen.

Jedes Jahr zu Weihnachten stellen Menschen in aller Welt Krippen mit Figuren auf, veranstalten Krippenspiele und singen Lieder über das Kind in der Krippe, dem Hirten, Engel und die Heiligen Drei Könige huldigen. Doch erzählt die Bibel wirklich diese Geschichte?

Hirten, Engel und Könige vor dem Kind in der Krippe

Im Mittelpunkt des größten christlichen Festes steht eine wundervolle Geschichte: Josef und seine Frau Maria reisen nach Bethlehem, weil der Kaiser Augustus eine Volkszählung angeordnet hat. Als sie in der kleinen Stadt ankommen, finden sie nur in einem Stall Unterkunft. Dort bringt die hochschwangere Maria ihren Sohn Jesus zur Welt und bettet ihn in eine Krippe, aus der sonst der Esel und der Ochse fressen.

Was dann geschieht, übersteigt jede Vorstellungskraft. Schafhirten kommen herbei, knien vor dem Kind nieder und beten es an. Ganze Heerscharen von Engeln preisen Jesus mit himmlischer Musik und verkünden, nun werde Frieden auf Erden herrschen. Drei Könige folgen auf Kamelen einem hellen Stern, der sie zu dem Stall führt. Sie bringen Jesus Geschenke dar und huldigen ihm.

Im Lukasevangelium steht nur ein Teil der Weihnachtsgeschichte

Wer nun diese Geschichte einmal im Original lesen möchte, sieht sich vor einem Problem. Er hat vielleicht gehört, dass die Weihnachtsgeschichte im Lukasevangelium steht. Doch das ist nur zum Teil richtig. Denn so, wie sie oben nacherzählt ist – wie fast jeder sie kennt, wie sie sich in zahlreichen Weihnachtsliedern findet, wie sie Jahr für Jahr in Kirchen aufgeführt wird –, findet sie sich nirgendwo in der Bibel.

Tatsächlich erzählt das zweite Kapitel des Lukasevangeliums vom Befehl des Kaisers Augustus, von Josefs und Marias Reise nach Bethlehem und von der Geburt Jesu im Stall. Dann berichtet Lukas von Hirten, die nachts abseits der Stadt bei ihrer Herde wachen. Ihnen erscheinen die Engel und berichten von der Geburt des Erlösers. Von himmlischer Musik ist keine Rede, und die Engel schweben auch nicht über dem Stall – lediglich die Hirten überzeugen sich mit eigenen Augen von dem Kind in der Krippe und berichten dessen Eltern von der himmlischen Botschaft.

Es lohnt sich übrigens, an dieser Stelle einmal genau zu lesen. Was die Engel ankündigen, ist streng genommen nicht der Friede für alle Menschen, von dem die Weihnachtslieder sprechen. Vielmehr ist die Rede von Frieden für die Menschen göttlicher Liebe und Gnade – eine Einschränkung, über die die Tradition gerne hinwegsieht.

Die Heiligen Drei Könige – oder Magier aus dem Morgenland?

Was aber ist mit dem Stern, mit den Heiligen Drei Königen? Hier handelt es sich gleich in mehrfacher Hinsicht um eine sehr freie Interpretation. Zuerst einmal finden wir den Bericht darüber in einem anderen Buch der Bibel, nämlich im Evangelium nach Matthäus. Und von drei Königen oder gar Kamelen ist dort ebenso wenig die Rede wie bei Lukas vom Ochsen oder vom Esel. Vielmehr sind es weise Männer aus dem Osten – je nach Übersetzung auch Magier aus dem Morgenland –, die einem Stern folgen, dem Kind Geschenke bringen und ihm auf Knien huldigen.

Der Leser erfährt weder die Anzahl noch die Namen dieser weisen Männer. Erst im Laufe der Jahrhunderte machte der Volksglaube daraus drei Könige, die unter den Namen Caspar, Balthasar und Melchior bekannt wurden. Im Übrigen gehen diese Männer auch nicht in einen Stall, sondern in ein Haus, um Jesus zu finden.

Letzteres ist nun durchaus kein Widerspruch zur Erzählung des Lukas. Matthäus berichtet nämlich gar nicht, dass die Magier Jesus bereits in der Nacht seiner Geburt aufsuchen. Im Gegenteil: Der König Herodes, der schon vorher mit ihnen gesprochen hat, sieht in Jesus eine Bedrohung seiner eigenen Macht. Er lässt daher alle Jungen in Bethlehem töten, die zwei Jahre alt oder jünger sind. Offenbar wussten die weisen Männer nur, dass die Geburt des heiligen Kindes irgendwann in den vorangegangenen zwei Jahren erfolgt war!

Jesus veränderte die Welt – darum geht es bei Weihnachten

Wer wissen möchte, warum Jesus dem Massenmord entging, oder wer mehr über seine Lehre von Liebe, Frieden und der Macht des Glaubens erfahren möchte, sollte einfach einmal bei Matthäus nachlesen. Schon lange lässt sich problemlos auch die Bibel online finden – die zahlreichen verschiedenen Übersetzungen stellen den Interessierten allerdings vor die Qual der Wahl.

Sicher vermittelt auch Charles Dickens’ berühmte Weihnachtserzählung bis zu einem gewissen Grad den Geist von Weihnachten. Die traditionelle Weihnachtsgeschichte jedoch bleibt bei aller künstlerischen Freiheit eine zutiefst bewegende Darstellung dessen, worum es bei diesem Fest wirklich geht. Es geht um die Geburt eines ganz besonderen Menschen, der die Welt veränderte.

Roy Spitzke - Ich habe von 2009 bis 2011 für Suite101 geschrieben. Beispiele dafür, was ich sonst noch veröffentliche, finden sich ...

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