
- Hell und dennoch schattiert - Kerstin Fink
Weiße Katzen haben eine genetische Disposition für bestimmte Krankheiten. Manches lässt sich durch einen Test bei einem Tierarzt erkennen oder ausschließen, manches auch durch Beschäftigung mit der Fellfarbe Weiß und gesundem Menschenverstand.
Taubheit und Augenerkrankungen
Das zumindest sind zwei Erkrankungen, die man mit Tests ausschließen kann. Oder bestätigen. Auf jeden Fall können die Untersuchungsergebnisse Grundlage für eine Entscheidung sein, ob man einer bestimmten Katze ein Zuhause geben kann und will. Ein audiometrischer Test überprüft die Hörfähigkeit, ein ophthalmologischer Test die Sehfähigkeit.
Taubheit
Taubheit oder Schwerhörigkeit auf beiden Seiten oder auch einseitig kommt bei weißen Katzen leider vermehrt vor. Kurz gesagt verhindert das Fehlen von Melanin eine feste Struktur in den Sinneshärchen der Hörorgane, die dadurch den Schall nicht weiterleiten können. Taubheit bei weißen Katzen ist ein genetisches Problem, das bei allen Rassen auftritt, in denen die Farbe Weiß durch das W-Gen verursacht wird. Eine Ausnahme hiervon sind die Foreign White. Ihre tiefblauen Augen entstehen durch das Gen der Maskenkatzen (Siam, Burma), das so genannte cs-Gen.
Die Augen
Katzenaugen faszinierten die Menschen schon immer. Für die optimale Anpassung an die Nacht- und Dämmerungssicht sorgt das Tapetum Lucidum. Im Augenhintergrund befindet sich diese Reflektionsschicht, die auch dafür sorgt, dass angestrahlte Katzenaugen in der Nacht glühen. Das Licht dringt durch die Netzhaut auf die empfindlichen Stäbchen und die Sehnerven, wird aber durch diesen natürlichen Reflektor auf die davor liegende Netzhaut zurückgeworfen. Somit passiert das Licht die Netzhaut zweimal und erlaubt der Katze, den kleinsten Lichtstrahl in der Nacht als Verstärkung ihrer Sehfähigkeit einzufangen. Auf Grund dieser Lichtempfindlichkeit verengen sich am Tag und bei hellem Licht die Pupillen zu Schlitzen.
Wenn nun die Augenfarbe blau ist, kann es vorkommen, dass das Tarpetum Lucidum nicht vorhanden ist. Für die Katze bedeutet das eine Einschränkung ihrer Sehfähigkeit auf unser begrenztes Niveau. Katzen mit vorhandenem Tapetum Lucidum sehen 40 bis 50 Prozent besser als Katzen ohne diesen Reflektor.
Durch den ophthalmologischen Test lässt sich das Vorhandensein erkennen. Ich rate davon ab, private Tests mit einem Blitzlicht zu machen, da ein Blitz für die Katzenaugen mehr als unangenehm ist. Stellen Sie sich den Blick in ein Blitzlicht mit Ihren Augen vor. Ungleich schlimmer ist es für eine Katze mit korrektem Augenhintergrund.
Tumorbildung und Sonnenbrand
Bei den weißen Katzen gibt es gegen Sonne nicht ausreichend geschützte Stellen: Die Ohrmuscheln, die Nase und die Augenlider. An diesen Stellen kann es bei Katzen, die sich gerne sonnen, zu starken Sonnenbränden kommen. Diese wiederum können zu Tumorerkrankungen führen. Oft beginnt es mit einer arktinischen Keratose, bei der sich die Haut verändert und mit Schorf überzieht. Das lässt sich noch gut behandeln. Manchmal reicht für eine Rückbildung sogar, die Katze aus der Sonne heraus zu halten. Unbehandelt kann daraus eine bösartige Krebserkrankung werden, die nur noch durch das entfernen der Tumore behandelt werden kann.
Denken Sie also daran, dass Sie ihrer weißen Katzen entweder schattige Plätzchen einrichten, oder aber die empfindlichen Stellen mit einem Sonnenblocker versehen.
(Quelle: Maine Coon - Wilde Schale, weicher Kern, Kerstin Fink)
