Die Weißtanne - der traditionelle beliebte Weihnachtsbaum

Christbaum - Christof Lackner
Christbaum - Christof Lackner
Wo kommt der Weihnachtsbaum her? Warum wurde gerade er ausgewählt für Weihnachten? Woher stammt der Brauch? Wisssenswerts zum Christbaum: Oh Tannenbaum!

"Oh Tannenbaum, oh Tannenbaum, wie grün sind deine Blätter!" Wer kann sich ein Weihnachten ohne Christbaum vorstellen? Ohne das Lied vom "Tannenbaum"? Nicht einmal der ärgste Weihnachtsmuffel. Aber über die Herkunft dieses Brauchs herrscht oft Unwissenheit. Wächst und gedeiht die Tanne überhaupt noch außerhalb der Baumschulen in unseren Wäldern?

Eine uralte Tradition – die Tanne als Weihnachtsbaum

Die Wintersonnenwende, ein wichtiger Wendepunkt im Jahreskreislauf. Die Rückkehr des Sonnenlichtes nach der Wintersonnenwende war schon seit Urzeiten ein wichtiger Zeitpunkt. Die Tage wurden wieder länger, die Sonnenstrahlen und die Wärme kehrten zurück, die Rückkehr des Lebens und des Wachstums wurden gebührend gefeiert. Schon bei den Germanen hatte der „Mittwinterbaum“ Kult-Bedeutung.

Der immergrüne Tannenbaum wurde als Symbol von Lebenskraft und beständigem Wachstum geehrt. Für die Götter wurde der Mittwinterbaum mit Speisen und anderen Geschenken behangen oder die Tannenzweige wurden auf öffentliche Plätze und vor Behausungen gelegt.

Die christliche Übernahme des Tannenbaums - das Strasburger Münster

Der christliche Brauch des geschmückten Tannenbaums stammt allerdings erst aus dem 16. Jahrhundert, geht aber sicher, wie viele andere christliche Bräuche, auf heidnische Wurzeln zurück. 1539 stand der erste urkundlich erwähnte schmucklose Weihnachtsbaum im Strasburger Münster. Nach und nach wurde er im Laufe der Jahre mit Äpfeln und anderem Obst behängt. Im 17. Jahrhundert auch mit Leckereien und Schmuck. 1730 erhielten die Christbäume ihre ersten Kerzen.

Zuerst wurde der Brauch durch die Adeligen weitergeführt, später kehrte er im gehobenen Bürgertum ein. Gegen Ende des 18. Jahrhunderts war er bald in ganz Deutschland verbreitet. Die ersten Mund geblasenen Christbaumkugeln kamen 1830 auf den Markt. Lametta kam im Jahr 1878 hinzu, eingeführt in Nürnberg, es sollte glitzernde Eiszapfen symbolisieren. Auswanderer des 18. Jahrhunderts nahmen den Brauch mit in die USA. Der erste Weihnachtsbaum im "Weißen Haus" wurde 1891 aufgestellt.

Der Einzug des Christbaums in Österreich durch Henriette und Erzherzog Karl

Den ersten Christbaum brachte Henriette, die Gattin Erzherzog Karls nach Wien. Sie hat am Weihnachtsabend des Jahres 1816 für ihr erstes Kind einen Brauch aus ihrer rheinländischen Heimat eingeführt, persönlich aus dem Helenental ausgesucht. Der erste höfische Christbaum wurde mit 12 Kerzen, für jeden Monat eine, geschmückt.

Es wurde ein Erfolg ohne Gleichen, als sie einen "Lichterbaum" mit Kerzen als „Bescherbaum“ in den Salon stellte. Dieser für die adeligen Kreise neue Brauch fand bald Nachahmung. Er verbreitete sich vom Kaiserhof bis in die bäuerliche Stube, wurde durch Feldpostpakete mit kleinen künstlichen Tannenbäumen in die vorderste Front der Soldaten gebracht und per Schiff zu den österreichischen Auswanderern in Übersee.

Innerhalb weniger Jahre haben die Österreicher diesen Brauch übernommen, der Siegeszug des Weihnachtsbaumes war nicht mehr aufzuhalten und Prinzessin Henriette wurde im Volksmund alsbald zur "Christkindlbringerin".

Warum ist die Weißtanne der Christbaum?

Die Weißtanne (Abies alba) oder auch Weiß-Tanne geschrieben ist ein europäischer Nadelbaum aus der Familie der Kieferngewächse (Pinaceae). Der Name „Tanne“ stammt aus dem althochdeutschen „tanna“, was Wald bedeutet. „Weiß“ indessen geht auf die helle fast weißlich graue Borke zurück, die sich deutlich von der Fichte, fälschlich oft auch als Rottanne bezeichnet, unterscheidet.

Gewählt wurde der Baum sicherlich wegen seiner schönen Wuchsform. Der helle gerade Stamm und die horizontal abstehenden Äste; der dominierende Wipfeltrieb, der dafür sorgt, dass die Seitenäste herab gedrückt bleiben und der senkrechte Trieb in einer spitzen Krone ausläuft. Eine natürlich gewachsene Pyramide. Die blaugrünen und dunklen immergrünen Nadeln, welche zwei weiße Streifen auf der Unterseite aufweisen, fallen nicht vorzeitig beim geschnittenen Baum ab. Was gibt es passenderes?

Botanische Besonderheit der Weißtanne (Abies alba)

Während andere Baumarten bei schlechten Lichtverhältnissen verkümmern, kann eine junge Weißtanne geduldig warten und in 100 Jahren kaum einen Meter hoch wachsen. Sie entwickelt dafür sogenannte "Schattennadeln", die an die geringe Helligkeit bestens angepasst sind. Bessern sich jedoch die Lichtverhältnisse, weil der sie beschattende Mutterbaum zum Beispiel abstirbt, bildet sie ein neues Nadelkleid, "Lichtnadeln", die bei der stärkeren Lichteinstrahlung nicht verbrennen. Rasch wächst sie dann zu einem stattlichen Baum bis zu 65 m Höhe. Das Höchstalter beträgt bis zu 600 Jahre. Durch diese Anpassungsfähigkeit an wenig Licht ist sie auch für das Wachstum in einer Christbaumschule gut geeignet. Man kann problemlos mehrere Generationen von Bäumen gleichzeitig halten.

Das natürliche Verbreitungsgebiet der Weißtanne

Vom südlichen Mitteleuropa bis nach Südeuropa kommt sie in Mischwäldern gemeinsam mit Buche oder Fichte vor. Gebunden ist sie vor allem an den Niederschlag, mindestens 600 mm Niederschlag pro Jahr, eine frostfreie Periode von 3 Monaten sind nötig und eine dreimonatige Winterruhe. Dann allerdings steigt sie sogar bis in die Höhe von 2.000 m hoch. In Deutschland verläuft die Nordgrenze von Schwarzwald über Thüringen und das Erzgebirge in die Niederlausitz. Es gibt es weiter nördlich kleine Bestände in gemäßigten Lagen mit ozeanischem Klima, auch in Schleswig-Holstein und Dänemark. Südlich von Warschau und im Grenzgebiet von Galizien steht sie noch. Im Osten reicht sie bis in die Karpaten. Die Westgrenze verläuft entlang des Schweizer Juragebietes, Teilvorkommen gibt es aber auch in den Pyrenäen und im Massiv Central. Nach Süden hin geht sie bis in die Gebirge des Balkan und in den Appeninen.

Früher war die Weißtanne ein zahlreich wachsender Baum. Sie fiel jedoch wegen der besseren Nutzbarkeit der Fichte zum Opfer, der Wildfraß tat ein Übriges. 90 Prozent ihrer natürlichen Fläche hat sie in den letzten 200 Jahren verloren. Mit 2 Prozent Anteil am deutschen Waldbestand ist sie auf die „Rote Liste“ gelangt. In Deutschland, Österreich und der Schweiz bemüht man sich jedoch seit Jahren um die natürliche Wiederausbreitung, damit wir noch lange singen können: „Oh Tannenbaum, oh Tannebaum wie grün sind deine Blätter!“

Noch ein Tipp für einen wohlriechenden Christbaumschmuck aus Honigwabenplatten.

Adele Sansone, Adele Sansone

Adele Sansone - Als Autorin für suite101.de interessieren mich vor allem die Bereiche Pflanzen und Tiere: Wie leben sie heute? Wie sind die einzelnen ...

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